Die gestern von der Credit Suisse veröffentlichte Studie zum Schweizer Detailhandel prognostiziert, dass die Umsätze 2010 um rund 0.5 Prozent zurückgehen werden. Zwar zeuge eine Umfrage unter den Branchen-Entscheidungsträgern auch für das aktuelle Jahr von einem “ungebrochenen Optimismus”, doch die CS-Ökonomen mahnen zur Vorsicht.

Wie die NZZ resümiert, wird 2010 u.a.

  • einen Rückgang bei langlebigen Gütern bringen wie Möbel, Bekleidung sowie Schmuck und Uhren.
  • eine Stagnation im Bereich Lebensmittel erwartet – auch tiefere Preise machen Mehrverkäufe umsatzmässig nicht wett.
  • der Konsument mehr aufs Geld schauen, da die bescheidenen Lohnerhöhungen aufs Konsumbudget drücken.

Das Research-Team sieht v.a. im Bereich der Convenience-Produkte einen Boom und die künftigen Herausforderungen des Marktes. Aber was heisst für die Credit Suisse Convenience?

“Welche Kanäle der Convenience-Markt umfasst, ist keineswegs klar abgegrenzt. Definitionen gibt es zahlreiche. Unter dem Convenience-Markt im engeren Sinn verstehen wir Tankstellenshops, Kioske und Läden mit langen Öffnungszeiten an gut frequentierten Lagen, wie zum Beispiel Bahnhofshops. In einer weiteren Definition kann man aber durchaus weitere Vertriebsformen wie Take-aways, Automaten, Online-Händler, Bäckereien, Metzgereien, Dorfläden und Pizzakuriere dazu zählen.”

Das ist denn auch die einzige Erwähnung von Online-Händlern in der 33 Seiten umfassenden Studie. Es macht fast den Eindruck, als hätten die Finanzanalysten das Potential des E-Commerce noch nicht entdeckt. Die CS sagt einen Umsatzrückgang im Detailhandel um 0.5% voraus – ich differenziere diesen wie folgt:

Der stationäre Verkauf wird weit mehr als diese Prognose einbüssen und weiter Marktanteile an den Onlinevertrieb verlieren. Der Onlinemarkt wird weiter wachsen – auch im Detailhandel – und Wachstumsraten im zweistelligen %-Bereich werden weiterhin an der Tagesordnung sein. So weit lehne ich mich aus dem Fenster.

Unternehmen des grössten Schweizer Detailhändlers, der Migros, haben in den vergangenen Tagen gleich zwei Mal darauf hingewiesen, wo der Markt am stärksten wachsen wird:

Thomas Lang

Geschäftsführer und Inhaber der Carpathia Consulting GmbH, der unabhängigen und neutralen Unternehmensberatung für E-Business und E-Commerce. Autor von zahlreichen Fachartikeln und -studien, Dozent für Onlinevertriebskanäle sowie Referent an Konferenzen zum Thema E-Commerce.

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