Unglaubliches spielt sich diese Tage in Bundesbern ab. Unsere Volksvertreter sind drauf & dran, den Schweizer E-Commerce zu exportieren.
Zum einen wird die Verzollung abgeschafft stark vereinfacht und die Mehrwertsteuerfreigrenze bei importierten Waren von CHF 5.- auf 10 Franken erhöht. Damit werden Importe bis ca. CHF 130.- steuerfrei für den Endverbraucher, was grundsätzlich sehr zu begrüssen ist. Wie man die Verzollung bisher umgehen konnte, haben wir schon erklärt am Beispiel von Amazon.
Wie Patrick Kessler, Präsident des VSV, vorrechnet, ist der durchschnittliche Paketwert in der Schweiz im B2C Verkehr ca. 100.- und 80% der Pakete kommen heute schon aus dem Ausland. D.h. die ausländischen Anbieter können damit die Schweizer mehrheitlich frei von Mehrwertsteuer beliefern, Schweizer Versender werden wohl gezwungen sein, ihren Sitz ins nahe Ausland zu verlegen, und so den Heimmarkt wieder konkurrenzfähig zu beliefern.
Zum anderen haben sich die Schweizer wieder dem Diktat des Protektionismus’ unterworfen und sind nach 3-jähriger Abstinenz zur Buchpreisbindung zurückgekehrt. Einem Schutzgesetz für eine Branche die pennt und sowas nicht verdient wie es Andreas von Gunten zynisch auf den Punkt bringt.
Nochmals zusammenfassend Patrick Kessler in seinen VSV-News:
“Die ausländischen Buchversender und vor allem die Grossversender wird beides freuen, denn die tieferen Preise im Ausland kann die Schweizer Politik nicht verbieten, geschweige denn kontrollieren, es sei denn man unterbindet den Online-Buchhandel mit dem Ausland oder verpflichtet die ausländischen Anbieter die Buchpreisvorgaben in der Schweiz einzuhalten.”
Kurzfristig profitiert der Konsument und das ist zu begrüssen. Gut möglich aber, dass einige Anbieter der Schweiz den Rücken zuwenden und die Eidgenossen in Zukunft aus dem Ausland bedienen. Denn das könnte mit den heutigen Änderungen durchaus vorteilhaft sein.
Nur gut, dass engagierte Politiker(innen) doch noch ein Herz für Onliner haben.
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Aus der Serie E-Commerce Trends 2010:
War 2009 Social-Commerce oft als Megatrend kolportiert worden fragen wir uns, wohin es damit gehen wird. Bewertungen, Kommentare aber auch Vertrauen bildende Massnahmen haben sich etabliert. Es wird schon bald eine Sättigung in diesem Bereich geben und neue Anwendungen müssen die Käufer überraschen. Oder um es nochmals anders zu formulieren; „sozial“ und „Kommerz“ sind eigentliche Gegensätze und der Einsatz von sozialen Funktionen im Onlinevertrieb wurde zunehmend verwässert oder eben „verkommerzialisiert“.
Zudem verhält sich der Mensch nicht erst seit dem Zeitalter des E-Commerce sozial, sondern es ist eine urmenschliche Eigenschaft, Erfahrungen zu teilen, sich mitzuteilen oder im Handel Services und Produkte zu empfehlen. Social-Commerce bietet hierzu einfach eine neue, elektronische Form. Das Verhalten selbst ist uns grundsätzlich angeboren.
So wird Social-Commerce einerseits zunehmend Technologie getrieben sein. Die führenden Shopsysteme werden auf Open-Source Technologien basieren – also selber soziale Produkte sein und damit einen neuen Antrieb für das social behaviour im Commerce stellen, in dem sich die Technologien verschmelzen, integrieren und Shop wie auch Plattform übergreifende Funktionen zur Verfügung stellen.
Anderseits muss Social-Commerce vermehrt neue soziale Funktionen anbieten, die uns Menschen, uns Käufern, berühren und es uns wert sind, uns mitzuteilen und auch einzukaufen. Der Mensch muss wieder in dem Mittelpunkt gestellt werden und nicht das Produkt. Die Technologie dazu ist Mittel zum Zweck, dies möglichst akkurat und emotional zu unterstützen.
Selbstverständlich haben wir heute die Möglichkeit, das soziale Verhalten im Onlineshopping durch
- das Auslösen von Emotionen
- die Involvierung des Publikums
- die Festigung des Zusammengehörigkeitsgefühls
- die Steigerung des Selbstwertgefühls
- das Ansprechen des Spieltriebes
zusätzlich zu fördern. Ein paar Beispiele hierzu:

Spendentombola - Schweizer Internetunternehmen und Onlineshops spenden für Haiti

Tchibo ideas: Kunden entwickeln, Tchibo verkauft

Groupon-Klon citydeal.de - nur die Masse macht Kasse rsp. bringt den Deal zu Stande.

qype.com - wer viel und objektiv bewertet wird oft gelesen, vom Publikum gut gerated und gilt als Experte oder Insider für eine Gegend.

LBS-Dienst gowalla.com - Orte besuchen, sich identifizieren und Gegenstände sammeln, tauschen und dafür belohnt werden.
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Alexander Graf hat drüber in der Kassenzone kürzlich die Evaluationsphasen bei den Shoppingclubs definiert. Seine Überlegungen sind äusserst interessant und dürften auch für die Schweiz zu treffen. Vor allem auch vor dem Hintergrund, dass mit der Eröffnung des Outlet-Stores von Fashionfriends.ch in Luzern die Schweiz damit bereits Phase 4 erreicht hat, wogegen in Deutschland man auf die ersten Outlets noch wartet:
- Phase 1: Overstock Selling – Das ist die Grundidee der Clubs. Je nach Betrachtungsweise wird es als preisdiskriminierender Erlöskanal für Marken vermarktet oder als Tool zur Kostenreduktion ohne Markenwerte zu gefährden.
- Phase 2: Ergänzung mit MiniMarken – Die Skalierung ist die eigentliche Herausforderung der Clubs. Weil nicht schnell genug große Marken gewonnen werden können, wird auf kleine unbekannte Marken als Ergänzung zurückgegriffen. Diese Marken werden durch die Clubs teilw. erst zu Marken und müssen dafür ggf. sogar bezahlen.
- Phase 3: Ergänzungsproduktion – Die hohe Nachfrage muss bedient werden, um unzufriedene Nutzer zu vermeiden. Dafür wird bei vielen Aktionen Ware extra nachproduziert, um z.B. fehlende Artikel zu ergänzen. In Phase 3 sind nach Ansicht von Alexander Graf alle größeren Clubs mind. angekommen.
- Phase 4: Eigene Offline/Online Sales Channel – Vente Privée hat einen eigenen stationären Kanal, um Rest-Restbestände abzuverkaufen. Das ist auch bei anderen Anbietern zu erwarten, entweder online oder offline. Bei Vente Privée muss man allerdings erwähnen, dass sie aus dem Stationärhandel kommen.
- Phase 5: Eigene Kollektionen – Das erleben wir nun bei Gilt. Ware die es niemals im Stationärhandel geben wird, gibt es bei einem Club als Aktion. Das verändert die Rolle des entsprechenden Clubs maßgeblich. Damit wird er ein direkter Konkurrent der großen Fashion-Ketten.
- Phase 6: Eigenmarkenproduktion – Aufgrund von Margendiskussionen, ggf. getrieben durch einen Börsengang, werden Gilt & Co. eigene Marken produzieren und vermarkten. Das haben sie bereits in Phase 2 gelernt und wissen das nun zu skalieren. Wichtig ist nur eine gute Mischung aus Fremd- und Eigenmarken. Das Erfolgsrezept aller guten Onlineshops.
- Phase 7: Eigene Stores – Gilt & Co. eröffnen eigenen Flagshipstores in den großen Metropolen und sind damit etablierter Teil der Fashionindustrie geworden. Das Geschäft hat kaum noch was mit Phase 1 zu tun.
- Phase 8: Die Fashionindustrie hat sich verändert
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