In der traditionellen Volkswirtschaftslehre nach Smith & Co. galten Arbeit, Kapital und Boden als Produktionsfaktoren im herkömmlichen Sinne. Die Neuzeit brachte dann weitere Faktoren wie Wissen (Humankapital) oder Unternehmensführung als weitere Erfolgsfaktoren für die Produktion (vgl. auch Wikipedia).

Doch hat dies nach wie vor Gültigkeit im E-Business? Alexander Graf von der Kassenzone hat einen bemerkenswerten Artikel darüber geschrieben, den ich gerne wie folgt zitiere:

Boden spielt im Internet keine Rolle mehr (abgesehen von Domains) und auch die Bedeutung von Kapital hat sich verringert. Arbeit ist eher wichtiger geworden, allerdings ist damit nicht mehr die Massenarbeit/Stückarbeit gemeint, sondern der Zugang zu Know How. Ein guter Programmierer ersetzt hundert Dumme.

Zu den drei “alten” Produktionsfaktoren gesellt sich nun ein neuer. Daten bzw. der Zugang dazu spielt eine immer größere Rolle für den Erfolg von Online Geschäftsmodellen. Insofern halte ich die Google Aktie noch für deutlich unterbewertet. Wenn Google seine Daten tatsächlich vollständig nutzen könnte, dann wären noch viel mehr Profite möglich. Das erklärt ggf. auch die hohe Bewertung von Geschäftsmodellen die noch gar kein Geld verdienen (Twitter, Facebook, lastfm…). Sie produzieren massenweise Daten mit denen man (ggf. erst morgen) viel Geld verdinen kann.”

Damit gibt mir Alexander Graf eine Steilvorlage rsp. ein weiteres griffiges Argument. Denn immer wieder stosse ich bei Zuhörern von Referaten oder Teilnehmern von Studiengängen auf Unverständnis, wie Plattformen im Stile von Polyvore, Twitter, Flickr, Facebook etc. rentieren können. Rsp. wie diese Kapitalgeber finden ohne (im klassischen Sinne) Aussicht auf baldigen Gewinn.

Das wichtigste Asset von – sagen wir mal salopp – Web 2.0 Unternehmen ist nicht mehr primär der Umsatz, sondern das generierte “Datenkapital”. Die heute generierten Informationen werden den Wert und das Umsatzpotential von morgen sein. Das gilt u.a. auch für Onlineshops, die ihren Wert nicht nur manifestieren in Umsatzzahlen, sondern immer mehr auch im generierten Datenmaterial.

Aber das kannten auch schon “unsere Vorfahren” aus dem klassischen Katalogversand. Beispielsweise als man sich auf den Nachlass von Quelle stürzte. Nicht Kaufhäuser, Lager oder Infrastruktur stellten den wahren Wert dar: Nein, man hatte es primär auf die Kundendaten abgesehen.

Daten als Produktionsfaktor im E-Commerce (Quelle: Kassenzone.de)

Daten als Produktionsfaktor im E-Commerce (Quelle: Kassenzone.de)

Thomas Lang

Geschäftsführer und Inhaber der Carpathia Consulting GmbH, der unabhängigen und neutralen Unternehmensberatung für E-Business und E-Commerce. Autor von zahlreichen Fachartikeln und -studien, Dozent für Onlinevertriebskanäle sowie Referent an Konferenzen zum Thema E-Commerce.

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