Schweizer E-Commerce Kunden bevorzugen Einkäufe im Ausland

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Der günstige Euro-Kurs fordert Tribut  – so das Fazit einer Kurzumfrage bei den Teilnehmern des E-Commerce Leader Panels im Oktober 2011.

E-Commerce Leader Panel Schweizer UmfrageDieses Panel von 23 Schweizer E-Commerce Anbietern ist von der Fachhochschule Nordwestschweiz ausgewählt worden und veröffentlicht jährlich einen E-Commerce-Report – die jüngste Ausgabe des Reports stammt vom Frühling 2011.

Gemäss der Kurzumfrage suchen die Schweizer Konsumenten gezielt nach günstigeren Einkaufsmöglichkeiten im Ausland, trotz erhöhten Anstrengungen wie kürzliche Wechselkurs-Anpassungen bei den Schweizer Onlineshops. Jeder der befragten Shopbetreiber bejaht den Einfluss des stark gefallenen Euro-Kurses. Der gefühlte Einfluss auf die Kundschaft variiert aber stark, die Mehrheit schätzt ihn zwischen 10 – 40% ein:

Vor allem bei internationalen Anbietern wurde beobachtet, dass Schweizer Kunden versuchen beim ausländischen Angebot desselben Anbieters in Euro einzukaufen. Sie zeigen somit, dass sie sich vom Schweizer Angebot ungerecht behandelt fühlen – damit haben z.B. auch Firmen wie Jura, Nike und Adidas zu tun, die im Visier der Weko sind. Zu kämpfen hat insbesondere die Reisebranche, da ausländische Unternehmen keine Hürden wie Zollkosten und Porto einkalkulieren müssen.

Umfrage E-Commerce Leader Panel SchweizerDennoch sehen fünf Mitglieder des Leader-Panels den Euro-Kurs als interessante Chance und beurteilen die Lage positiv. Als Gründe sehen sie vor allem den E-Commerce per se, wegen der höheren Flexibilität bei der Preisgestaltung und der entsprechenden Produkt-Bewerbung. Dies erfordert aber schnellere Wechselkurs-Anpassungen, wodurch 12 von 22 Befragten sogar in Betracht ziehen, ihre Waren vermehrt im Ausland zu beschaffen – nicht nur diejenigen, die von der Frankenstärke negativ betroffen sind.

Acht hingegen sehen sich eher im Nachteil, da sie trotz schnellern Preisanpassungen mit den tiefen ausländischen Preisen nicht Paroli bieten können.

Dank der Kursberuhigung der Nationalbank wird sich das Preis-Niveau mit der Zeit sicherlich etwas einpendeln. Die betroffenen Anbieter hoffen jetzt natürlich aufs Weihnachtsgeschäft, um die Verluste wieder wettzumachen. Schwierige Zeiten haben auch ihre Vorteile, muss man sich doch wieder vor allem qualitativ um seine Kunden kümmern und das Niveau insgesamt erhöhen.

Nachtrag: Nicht alle Branchen sind jedoch davon gleichermassen betroffen, vgl. hierzu auch unser Interview mit Radio DRS vom August dieses Jahres.

Der Quick-Poll als PDF-Download.

(via mpolzin.com)



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4 COMMENTS

  1. Ich denke die Aussage kann man nicht so generell machen. Es kommt dabei sehr stark auf die Branche an. Mit unserem PC Online Shop http://shop.at-a.ch sind die Preise nicht höher als zum Beispiel in Deutschland. Wir haben viele Deutsche Besucher die gerne bei uns einkaufen möchten, wir aber nur in der Schweiz ausliefern. Der Kampf unter den Schweizer Disti ist so gross, dass es gar nicht möglich ist, in diesem Bereich zu hohe Preise zu verlangen. Vom Preiskampf unter den Shop Anbieter will ich gar nicht sprechen, da gehen die gut laufenden Artikel ja fast zum Einkaufspreis über den Ladentisch, bzw. über die virtuelle Kasse.
    Ganz anderes sieht es natürlich beim Reisen aus, wenn man hier eine Reise von einem Deutschen Flughafen mit dem gratis Zubringer Bahn Billet bucht, so ist der Unterschied doch enorm. Am extremsten finde ich den Mehrwert bei den Deutschen Buchhändler wie Amazon gegenüber Büchern aus der Schweiz, hier liegen 30% problemlos drin.

  2. Klar, ist abhängig vom Sortiment. Besonders Elektronik ist da va. wegen unterschiedlichen Garantieleistungen und Steckern etwas isoliert zu beobachten.

    Hierzu auch unser Interview mit Radio DRS vom August: http://blog.carpathia.ch/2011/08/13/onlinehandel-mit-electronics-und-der-starke-schweizer-franken/

    Noch zu den Büchern; hier gibt es schon einige Shops in der Schweiz, die mit Amazon durchaus mithalten können. Schau Dir exlibris.ch oder auch storyworld.ch an – die Preis sind vergleichbar, oft gar günstiger in der Schweiz.

  3. Wir haben mit unserem Online-Shop (DE) die Erfahrung gemacht, dass der Anteil Schweizer Kunden recht hoch ist. Es sind nur halb soviele Österreicher. Welche Sparte von Artikeln spielt bestimmt auch eine tragende Rolle, Bücher werden wohl einen höheren Anteile haben wie z.B. unsere Artikel -> Autoteile.

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