Retail Outook 2013 – Festhalten an alten Denkmustern

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Verlässlich zum Jahresbeginn publiziert die Grossbank Credit-Suisse in Zusammenarbeit mit den Retail-Beratern von Fuhrer & Hotz den „Retail Outlook 2013 – Fakten und Trends„. Dem Schweizer Detailhandel wird darin weiterhin eine wenig rosige Zukunft prognostiziert. Zwar soll der Preiszerfall langsam den Boden erreicht haben, aber das Wachstum bleibt bescheiden – stationär notabene.

Nachdem man in den vergangenen zwei Jahren (2011 / 2012) den Onlinehandel entweder nicht erwähnte oder nur marginal, findet sich in diesem Jahr ab Seite 30 ein „Exkurs: Online-Handel“.

Aber die Ernüchterung stellt sich gleich zu Beginn ein. Denn die Bank-Analysten und Retail-Berater sehen die Hauptvorteile des Onlinehandels so:

„Schliesslich besteht der Hauptvorteil des Online-Shoppings darin, dass die Konsumenten auf die stressige und zeitraubende Anreise zum stationären Detailhandel verzichten können.“

Wer so argumentiert, hat vor 100 Jahren auch argumentiet, dass der Hauptvorteil von Automobilen darin liegt, dass diese gegenüber Pferden weniger Heu benötigen.

Der gesamte Bericht ist immer vom stationären Handel her gedacht und blendet komplett aus, dass es einen neuen überaus potenten Handel gibt, der mit seinen disruptiven Ansätzen den stationären Handel arg in Bedrängnis bringt oder bringen wird. Von Pure-Playern kein Ton im Bericht.

Unter dieser Denkhaltung sind mutmasslich auch die folgenden beiden Untersuchungsergebnisse entstanden, die trotzdem einige interessante Aspekte offenbaren:

Retail Outlook 2013: E-Commerce und Cross-Channel Reife - Quelle Ebeltoft Group, Fuhrer & Hotz

Die Schweiz nimmt bzgl. E-Commerce Penetration einen Platz im Mittelfeld ein mit deutlichem Defizit in der Reife des Cross-Channel-Retailings.

Im weiteren wurden die verbreitetsten Cross-Channel Funktionalitäten global untersucht was zeigt, dass man sich hier erst auf Basics konzentriert und das ganze in den Kinderschuhen steckt. Die wahren Potentiale werden kaum erkannt, zu viel wird darüber geredet statt umgesetzt und es fehlen wegen ahnungslosen Beratern weiterhin innovative Konzepte.

Retail Outlook 2013: Cross-Channel Leistungen - Quelle Ebeltoft Group, Fuhrer & Hotz

Funktionen wie diese werden den Handel kaum retten. Das sind Begleiterscheinungen der Zeit, aber keine fundamentalen Erfolgsfaktoren sondern entsprechen einfach der Erwartungshaltung heutiger Konsumenten.

Der Handel muss sich neu erfinden – oder er wird neu erfunden

E-Commerce ist keine Nischen-Disziplin sondern wird den Handel wandeln wie kaum etwas anderes zuvor. Und dieser Wandel wird drastische Auswirkungen zeigen. Zum einen auf die Mobilität, dem Schwerpunkt der Analyse. Aber beispielsweise auch auf den Immobilienmarkt.

Die Intelligence Unit vom Economist geht bspw. davon aus, dass in 10 Jahren ein Drittel der Detailhandelsumsätze online generiert wird. Oder die Analysten von Morgan Stanley schätzen, dass bereits 2016 der weltweite E-Commerce USD 1 Billion umsetzen wird, wie Bloomberg anfangs Woche berichtete.

Von all dieser Aufbruchstimmung ist wenig zu lesen im diesbezüglich etwas behäbig wirkenden Retail Outlook. Oder anders gesagt nützt es auch dem Detailhandel wenig, wenn man ihn nicht dringend weckt und mit diesen immensen Herausforderungen konfrontiert.

Ein klein wenig Hoffnung keimt beim Ausblick auf – aber auch dieser ist (zu) traditionell gedacht:

„Die Ergebnisse des Reports lassen den Schluss zu, dass internetbasierte Verkaufs- und Wertschöpfungsstrategien für den Handel mittel- bis langfristig nicht mehr bloss eine Option sein werden, sondern ein Imperativ. Sie erfordern allerdings eine eindeutige Positionierung, eine entsprechende (Unternehmens-)Kultur und ein fokussiertes Leistungsversprechen, welches sich konsequent den Kundenbedürfnissen bzw. Zielgruppen angepasst (und nicht umgekehrt).“

Der Retail Outlook kann online bei der Credit Suisse bestellt werden.


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3 COMMENTS

  1. Ich empfehle allen Experten des CS Outlooks ein paar Tage in UK zu verbringen (aber nicht nur in London City) und sie werden sehen, was es heisst, wenn online Handel mal gegen 10 % und mehr des Detailhandels ausmacht. Es werden sehr viele Ladenflächen an 2. klassigen Lagen frei werden. Und was passiert, wenn der OnlineAnteil mal bei 20% steht?

    Also geschätzte Kollegen vom stationären Handel: die Standorte mit den schwaechsten Frequenze lieber heute als morgen auf den Prüfstand und richtig in den Onlinekanal investieren. Eine kleine Chance besteht noch, aber der Zug faehrt schon ziemlich schnell.

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