Cross-Channel Praxis: Online Shop Lager erweitern auf Filialen – was zu beachten ist

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Cross-Channel Praxis: Online Shop Lager erweitern auf Filialen – was zu beachten ist

Wenn ein Detailhändler Filialen und einen Online Shop betreibt, dann erhält der Online Shop überlicherweise neben dem zentralen Lager für die Filialen eine eigenes Online Shop Lager.

Dies ist durchaus sinnvoll, denn so sind die Systeme getrennt und der Online Shop „weiss immer“, was er verkaufen kann. Die Prozesse rund um den Online Shop können optimiert werden, ohne dass die Filial-Prozesse tangiert werden.

Doch es gibt auch Gründe um das Konzept vom reinen Online Shop Lager zu hinterfragen:

  • Grosse Anzahl Artikel: Wenn der Händler ein breites Produkt-Angebot anbietet, wird ein Online Shop Lager gross und teuer.
  • Geringe Mengen pro Artikel: Je weniger Stk. pro Artikel im zentralen Lager für die Filialen gelagert werden, desto teurer wird ein zweites Lager. Im Extremfall wird die Lagerfläche verdoppelt.
  • Keine Artikel im zentralen Lager: Ein Teil der Artikel wird zu 100% an die Filialen verteilt. Das zentrale Filiallager hat gewisse Artikel gar nicht.

Speziell, wenn der letzte Punkt zutrifft und man als Händer möglichst das gesamte Sortiment im Online Shop zeigen will, kommt man nicht darum herum, sich Gedanken über die Einbindung der Filialen zu machen. Mit Einbindung meine ich nicht nur eine einfache Verfügbarkeitsanzeige von Produkten in Filialen, sondern dass die Produkte im Online Shop auch effektiv bestellt werden können.

Dazu einige aus der Praxis gesammelte Fragen und Stolpersteine:

  • Wieviele Lager-Orte braucht es noch? Gibt es eine Filiale, welche immer alle Artikel hat oder muss im Extremfall auf alle Filialen und das zentrale Lager zugegriffen werden? Braucht es trotzdem noch ein separates Online Shop Lager?
    Je weniger Lagerorte es gibt, desto weniger aufwändig werden die Logistik-Prozesse. Die Möglichkeiten vom ERP und Warenwirtschaftsystem müssen beachtet werden. Ist das ERP in der Lage, aus einer Online Shop Bestellung, welche Artikel aus unterschiedlichen Lagerorten enthält, mehrere Teil-Aufträge zu generieren (je einen Teil-Auftrag pro Lagerort)?
  • Soll es einen zentralen Versand der bestellten Produkte geben oder sollen auch die Filialen Ware versenden dürfen? Gibt es dazu in Filialen genügend Platz und lohnt es sich, Infrastruktur aufzubauen und Personal aufzustocken? Wie werden Spitzen, z.B. während der Vorweihnachtszeit gemanagt, wenn das Personal auf der Verkaufsfläche benötigt wird und es auch viele Online Bestellungen gibt?
  • Sollen die Produkte aus mehreren Lagerorten zusammengeführt werden, so dass der Besteller nur ein Paket erhält oder soll/darf jeder Teilauftrag einzeln verschickt werden?
  • Auch wenn der Online Shop jederzeit aktuelle Bestände aus den Filialen zur Verfügung hat, wird es Bestellungen geben, bei welchen Ware fehlt. So kann es vorkommen, dass in einer Filiale ein Kunde mit einem bestimmten letzten Stück eines Artikel an der Kasse steht und ein anderer Kunde denselben Artikel gerade online bestellt. Diebstähle oder falsch ausgezeichnete Artikel sind weitere Gründe, welche dazu führen können, dass Artikel für Online Bestellungen fehlen können. Soll dann in andern Filialen nach fehlenden Artikeln gesucht werden? Das Handling dieser Fehlbestände darf nicht unterschätzt werden!
  • Enthält eine Online Bestellungen Artikel aus einer Filiale, müssen diese Artikel manuell kommissioniert werden. Die Artikel müssen gesucht werden, denn sie können auch im Sale-Bereich stehen oder vom Kunden falsch zurück gelegt worden sein und es ist offensichtlich, dass die Suche deutlich aufwändiger wird, als in einem Lager mit fix definierten Lagerplätzen. Ein Vergleich mit einem automatischen Lager wäre noch extremer.
  • Es gibt weitere Punkte, auf welche man zwangsläufig stösst, an welche man erst aber nicht denkt, z.B. Originalverpackungen. Haben Sie schon einmal in einem Geschäft Skischuhe in der Originalverpackung  gesehen? Ich nicht! Es gibt bei Detailhändlern diverse Produkte, bei welchen die Originalverpackung für den Verkauf in der Filiale entfernt und entsorgt wird. Wenn nun solche Artikel online bestellt werden, was bentzt man dann als Verpackung, wenn der Kunde eine Origianlverpackung erwarten würde, diese aber nicht mehr vorhanden ist?

Diese und weitere Fragen muss ein Händler beantworten, wenn er Produkte von Filialen online verkaufen will!

 


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Walter Oberli

Jahrgang 1972 E-Commerce-Spezialist mit je einer betriebswirtschaftlichen und technischen Ader für die Konzeption/Umsetzung, aber auch für die Analyse/Optimierung von Business-Cases im e-Business (Online + Mobile).

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1 Kommentar

  1. karsten groenewold

    Für den Umgang mit Spitzen kann eine Lösung Warehousing sein. Die Logistikbranche stellt sich schon seit Jahren auf diesen Bereich ein und bietet freie Lagerfläche mit Dienstleistungen zur Nutzung an. Dies ist vielleicht für den einen oder anderen eine Alternative zum eigenen „Weihnachtslager“.

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