Zalando will innert 30 Minuten liefern – Mithilfe des stationären Handels

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Drei primäre Nachteile verzeichnet der E-Commerce gegenüber dem stationären Handel nach Gesichtspunkten der Konsumenten:

  1. Keine persönliche Fachberatung von Angesicht zu Angesicht
  2. Kein physischer Produktkontakt
  3. Keine unmittelbare Verfügbarkeit (man kann’s nicht gleich mitnehmen)

Nr. 1 hat der stationäre Handel bereits grossflächig selber abgeschafft wie man unschwer am eigenen Leib erfahren kann. Doch es gibt sie noch, die kleinen Juwelen der fachmännischen und persönlichen Beratung. Sie sind leider mittlerweile sehr rar gesät. Währenddessen die Onliner hier stark zulegen konnten, entweder mit neuen Technologien wie bei die Video-Beratung bei Butlers oder Jura-Kaffeemaschinen oder Konzepten im Rahmen von Curated-Shopping Modellen à la Outfittery, Modomoto oder Zalon.

Nr. 2 drängt sich je länger je weniger auf; ebenfalls dank dem Einsatz von How-To-Videos, grossflächigen Bildern, 3D-Animationen und mehr.

Bleibt Nr. 3; und hier dreht sich die Innovations-Spirale ständig schneller und alle Akteure, vom Hersteller über den Händler bis zum Logistiker versuchen, die Kontrolle über die letzte Meile zu erlangen und damit die Ware primär verlässlich und sekundär immer schneller zum Kunden zu bringen. Denn je länger die Zeit zwischen Kaufabschluss und Zustellung, je höher auch die Chance, sich es anders zu überlegen und eine Retoure zu riskieren. Daher gilt, Logistik ist Key.

Amazon machte kürzlich Furore mit der Zustellung innerhalb von 60 Minuten in New York (Amazons 1 Stunden Lieferversprechen mit Prime Now).

Zalando liefert innert halben Stunde in Zusammenarbeit mit Stationären

Einen anderen Weg will Zalando gehen, wie kürzlich in der Beliner Morgenpost zu lesen war (via Shopbetreiber-Blog). Eine Zustellung in 30 Minuten soll möglich sein, so der Plan.

Dies nicht mittels noch höherer Investitionen in die Logistik, sondern durch die technische Anbindung des stationären Handels. Und vor allem, in dem Probleme und deren Lösung komplett neu gedacht werden wie Zalando Geschäftsführer Robert Gentz in der Morgenpost zitiert wird:

Aber wir müssen als Unternehmen völlig anders über die Probleme nachdenken, die wir lösen wollen und können. Es geht nicht mehr nur darum, Waren bereitzustellen und dann zu hoffen, dass der Konsument bei uns auf die Seite kommt und etwas bestellt, was wir dann verschicken.

Der Konsument kommt zu uns, weil wir sein Problem lösen. Er möchte etwas entdecken und dann möglichst schnell haben – zu dem Preis, den er bei uns auf der Seite sieht. Ihm ist egal, ob wir das Produkt in Erfurt im Logistikzentrum haben oder ob es der Laden an der Ecke hat. Wir müssen also auch dem Laden die Möglichkeit geben, das Produkt schicken zu können. Wir sind dann Vermittler.

Zalando vermittelt – Stationäre versenden

Zalando will damit den stationären Modehandel zu seinen Logistikpartnern machen und damit auch deren Bestände und Sortimente anzapfen. Genauer gesagt, könnte sich damit der gesamte von Zalando gezeigte Fashion-Bestand über meinen Wohnort erstrecken. Fachbegriffe wie City as a Warehouse machen schon länger die Runde.

Zalando ist nun einer der ersten prominenten Händler, der in diese Richtung entwickelt. Und gerade der Modehandel (in der Schweiz) ist unter extremem Druck und machte unlängst mehr durch Schliessungen von sich Reden (Mortalitätsrate im stationären Schweizer Mode-Handel).

Damit würde der stationäre Modehandel zum Fulfillment-Gehilfen von Zalando werden, was nicht nur ein neues Selbstverständnis der Branche verlangt, sondern diesen grundsätzlich in Frage stellt. Jedoch angesichts der Dominanz von Zalando in der einen oder anderen Form fast unausweichlich ist.

Dass auch Zalando definitiv (auch in der Schweiz) in diese Richtung denkt, hat Country-Manager Dominik Rief im Rahmen der 7. Geburtstags-Kampagne von Zalando vor wenigen Tagen aufgrund unserer Anfrage via Twitter-Video bestätigt:


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