Outfittery: So gelingt der Sprung ins Ausland

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Anna Alex, Mitgründerin von Outfittery
Anna Alex, Mitgründerin von Outfittery

Anna Alex ist Mitgründerin und Geschäftsführerin der Outfittery GmbH, einer Curated Shopping-Plattform für Männer.

An der E-Commerce Connect Konferenz im Mai dieses Jahres hat sie in Zürich auf der Bühne über die Marktentwicklung in der Schweiz berichtet (Video-Aufzeichnung)

In diesem Gastartikel von Anna Alex, der ursprünglich bei Xing publiziert wurde, wird auf die Stolpersteine der Internationalisierung hingewiesen und worauf speziell zu achten ist.


Ein Thema, auf das ich immer wieder angesprochen werde, egal ob von Freunden oder anderen Gründern, ist, wie wir es geschafft haben, mit OUTFITTERY innerhalb von nur ein paar Jahren in acht verschiedene Länder zu expandieren – und welche Learnings wir daraus gezogen haben, was lokale Besonderheiten und Markt angeht. Diese möchte ich im Folgenden gern teilen.

Als Julia Bösch und ich OUTFITTERY 2012 gegründet haben, haben wir früh entschieden, dass wir schnell wachsen wollen. Da gehört eine Expansion in Märkte außerhalb unseres Heimatmarktes Deutschlands natürlich dazu. Wir waren uns sicher, dass auch Männer in der Schweiz oder in Schweden keine Lust auf volle Kaufhäuser und Warteschlangen an den Umkleidekabinen haben und einen Personal Shopping Service nutzen würden. Ganz davon abgesehen, dass der Männermodemarkt in Europa 100 Milliarden Euro schwer ist und somit das Potenzial für unseren Service riesig.

Ich empfehle übrigens, schon bei Gründung die nötigen Länderdomains auf Verfügbarkeit zu testen und vorab schon zu kaufen – egal, ob man zu dem Zeitpunkt schon in das Land gehen will oder erst später! Es ist nämlich wirklich doof, wenn man seinen Service in einem Land launchen möchte, in dem der Name der entsprechenden Website dann schon anderweitig vergeben ist.

Zunächst haben wir zeitnah einen Fahrplan für in Frage kommende Märkte erstellt. Wichtig: Es kommt bei der Wahl dieser Länder nicht unbedingt nur auf die Größe des Landes an, sondern eher darauf, wie online-affin die Leute sind. Man sollte sich fragen: Wie groß ist meine Zielgruppe hier? Und vor allem: Shoppt sie online (oder mobile)?

Ich kann nur empfehlen, erst einmal mit so wenig Aufwand wie möglich zu testen, ob der Markt für sein Produkt auch funktioniert. Also zunächst einen sehr „schlanken“ Service anbieten. Da sind deutschsprachige Märkte wie Österreich und die Schweiz natürlich naheliegend, da die Website nicht erst auf eine andere Sprache umgestellt und übersetzt werden muss.

Das waren auch bei uns die ersten ausländischen Märkte. Auch sollte man schauen, ob das Geschäft bspw. wirklich ein Büro vor Ort erfordert, oder ob man es nicht zunächst auch mithilfe von Muttersprachlern und Landeskennern vom eigentlichen Bürostandort aus – wie in unserem Falle Berlin – steuern kann. Unsere Country Manager – die Länderverantwortlichen für jeden einzelnen Markt – sind bei uns z.B. auch am Berliner Standort tätig und reisen dann immer mal wieder für einige Zeit dorthin.

Generell ist lokales Wissen von unschlagbarem Vorteil. Man muss verstehen, wie ein Land tickt, wenn man dort ein erfolgreiches Geschäft aufbauen will. Das geht meistens nur mit Hilfe von Kollegen, die aus dem entsprechenden Land kommen. Einfach das Modell eins zu eins aus Deutschland zu kopieren, ist selten von Erfolg gekrönt.

Das mussten auch wir lernen! So haben wir z.B. zu Beginn das gleiche Sortiment an Ware auch nach Holland oder Schweden verschickt. Wir wussten vom deutschen Markt, dass die Männer am liebsten Business Casual Outfits tragen. Da kam sehr schnell das Feedback unserer niederländischen und schwedischen Stylisten, dass die dortigen Männer sich ganz anders anziehen als die deutschen und das Sortiment, was wir bis dato angeboten hatten, nicht passte. Die Holländer z.B. lieben es bunt und sportlich, auch gerne mit Prints, und sind beim klassischen Business Casual Outfit eher skeptisch.

Die Schweden hingehen kaufen so gut wie gar keine Farben. Alles ist schwarz, grau oder weiß, und sie bevorzugen hochpreisigere Marken als die Deutschen es tun. Da haben wir schnell reagiert und seither kauft unser Einkaufsteam für diese Märkte nochmal extra anders ein. Oder es in Schweden total unüblich, dass ein Postbote das Paket an die Tür bringt. In Schweden holen alle ihre Pakete selbst an der Post ab. Die Dänen hingegen kennen den Rechnungskauf nicht. Das ist dann natürlich eine andere Serviceerfahrung als in den anderen Ländern.

Aber das A und O ist, das Produkt so schnell es geht am Kunden direkt zu testen und sein Feedback in die Weiterentwicklung bzw. -aufstellung des jeweiligen Landes einfließen zu lassen. Es bringt nichts, die perfekte, fehlerfreie Website zu bauen und seinen Blog auf Flämisch anzubieten, wenn man noch gar nicht weiß, ob der Markt überhaupt der richtige ist. Von daher: Gut vorbereiten, loslegen, lokalen Input holen, nachbessern, perfektionieren. Viel Erfolg!


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