Digitaler Handel: Kampf der Triade GAFAE-TAB-ZERO

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Gastbeitrag von Professor Dr. Gerrit Heinemann. Er leitet das eWeb Research Center der Hochschule Niederrhein, wo er auch BWL, Managementlehre und Handel lehrt.

Gerrit Heinemann gilt als einer der führenden E-Commerce-Experten im deutschsprachigen Raum und ist Autor zahlreicher Fachliteratur


In der westlichen Hemisphäre dominiert Amazon ganz klar die E-Commerce-Welt. Mit rund 136 Milliarden US-Dollar Umsatz, hochgerechnet mehr als 200 Milliarden Handelsvolumen – inklusive echter Marktplatzumsätze – und wieder beschleunigtem Wachstum um mehr als 27 Prozent im letzten Jahr, ist diese „Killermaschine“ eigentlich nicht mehr einzuholen.

Der Vergleich mit den Top-Einzelhändlern auf dem amerikanischen Markt zeigt, dass Amazon im Grunde genommen kein Verfolgerfeld mehr hat. Apple konnte zwar bis 2015 zwar im eigenen Online-Handel leicht aufholen, hat jedoch seitdem aufgrund der Einproduktabhängigkeit vom iPhone rückläufige Online-Umsätze zu verzeichnen.

Eigentlich müsste WalMart ein existenzielles Interesse daran haben, als (noch) mit Abstand größter Einzelhändler der Welt alles dafür zu tun, sich nicht von Amazon die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Einige Experten trauen zudem WalMart durchaus zu, schon aufgrund der schieren Größe über ausreichende Ressourcen zu verfügen, gegen Amazon in die Offensive gehen zu können. Die Realität sieht jedoch anders aus. So ließ WalMart zwar Anfang 2016 verkünden, rund zwei Milliarden US-Dollar in den Ausbau der E-Commerce-Plattform zu investieren und 269 unrentable Märkte zu schließen.

Zwischenzeitlich wurden zwar die digitalen Investitionen leicht aufgestockt und auch das E-Commerce-Start-up Jet.com für rund 3 Milliarden US-Dollar übernommen. Im Vergleich zu den 9,8 Milliarden US-Dollar an „Digital Investings“, die Amazon alleine in 2016 investiert hat, dürfte das wohl eher ein Tropfen auf dem heißen Stein gewesen sein, zumal die digitalen Investitionen bei WalMart überwiegend in den Aufbau von „Click&Collect“ fließen und weniger für Web-Exzellenz investiert werden.

Die Online-Umsätze werden nicht einmal mehr veröffentlicht und neben der Information, dass WalMart 11.695 Läden in 28 Ländern betreibt, findet sich im neuesten Geschäftsbericht lediglich der Hinweis, dass es E-Commerce-Websites in 11 Ländern gibt. Gemessen an Amazons Investitionen in die digitale Aufrüstung hätte WalMart in Relation zu seinem Umsatzvolumen in Höhe von rund 485 Milliarden US-Dollar im letzten Jahr rund 34,7 Milliarden US-Dollar in die Digitalisierung investiert haben müssen.

Ein Blick in die Bilanz des Handelsgiganten lässt erahnen, dass WalMart vielleicht gar nicht mehr in der Lage ist, die digitale Mobilisierung in adäquatem Ausmaß zu stemmen. Denn bei rund 107,7 Milliarden US-Dollar bilanziertem Immobilienvermögen ist anzunehmen, dass die rund 22,7 Milliarden US-Dollar ausgewiesenes EBIT nicht zuletzt durch nichtverkalkulierte Mietzahlungen zustande gekommen sind.

Bei rund 80,5 Milliarden US-Dollar Eigenkapital dürfte sich im Top-Management von WalMart wahrscheinlich alles um das potenzielle Immobilienrisiko drehen, für das es wahrscheinlich keine Lösung mehr gibt. Denn wer sollte an den Handelsimmobilien von WalMart ein Interesse haben?

GAFAE vs. TAB

Amazon ist nicht alleine, sondern Mitglied der „GAFAE-Gruppe“ (Google, Amazon, Facebook, Apple, eBay), die zusammen auf mehr als 600 Milliarden US-Dollar Handelsvolumen in 2016 kommt.

Dieser US-Gruppe steht in der östlichen Hemisphäre die TAB-Gemeinschaft gegenüber, nämlich Tencent (inklusive WeChat), Alibaba (inklusive T-Mall und Taobao) und Baidu mit zusammen ebenfalls mehr 600 Milliarden US-Dollar Handelsvolumen. Diese Gruppe steht nach Expertenmeinung den GAFAEs in nichts nach und praktiziert derzeit eindrucksvoll das „chinesische Leapfrogging“.

Insofern ist die Frage erlaubt, welche Gruppe Europa aufzufahren hat. Bisher kann diese Frage nicht beantwortet werden, also „Zero“. Deswegen ist der digitale Kampf der Triade wohl eher ein „GAFAE-TAB-ZERO“ (vgl. Abbildung).

Die Zukunft des Handels – ein GAFAE-TAB-ZERO-Szenario?
Die Zukunft des Handels – ein GAFAE-TAB-ZERO-Szenario?

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