Interview: Trends im E-Commerce (Teil 3/3)

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Fortsetzung von Teil 2

Kommen wir zu der Integration der Third Player Application, die Sie im Vorfeld ja auch schon angesprochen hatten. Sagen Sie doch bitte noch einmal was Sie damit genau verstehen und was Ihnen genau zu kurz kam.

Was mir zu kurz kam, ist quasi mein Shop. Die Leute wissen im Prinzip wo mein Shop ist und kommen zu mir einkaufen, aber das ist inzwischen nur die eine Seite der Medaille. Ich kann natürlich meinen Shop und seine Funktionalitäten in ganz andere Seiten mit integrieren lassen. Sei das Malls oder Marktplätze oder in Form von Widgets. Sprich, dass das Leute in ihren Blogs, auf ihren Seiten, auf ihren Vereinsseiten entsprechen einbinden und für mich mitverkaufen. Damit kann ich meinen Distributionskanal entsprechend breiter aufstellen und so eine viel größere Zielgruppe erreichen.

Wir haben mit Ebay to go diesbezüglich einen interessanten Ansatz. Wo ich einen mini Ebay Shop aufbauen kann und den dann bei mir in der Seite integrieren kann. Und da gibt’s noch andere Ansätze aus Amerika oder spreadshirt.de bietet ebenfalls solche Widgets an, die man auf den eigenen Seiten integrieren kann. Ich denke schon, das ist ein grosses Potenzial, dass sich Shopbetreiber zu Nutzen machen sollten. Und dann sehe ich eine Kundengruppe, die ist affin auf das. Aktionsangebote oder Produktangebote an denen man prozentual beteiligt wird.

Wie weit sind wir in diesem Trend?

Also technisch sind wir schon ziemlich weit. Verbreitet ist der Trend noch nicht sehr groß. Ich würde sagen so im ersten Viertel oder Drittel drinnen.

Meinen Sie das ist ein Konzept mit dem man wirklich Geld machen kann?

Ja ich denke schon. Das ganze kostet ja nicht viel. Sie können nur gewinnen mit dem Konzept. Die Funktionalitäten haben sie ohnehin oder mindestens, was im Hintergrund läuft. Und dann noch ein kleines Add on, das Sie realisieren müssen und sie können das dann viel breiter streuen. Also haben Sie ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Wer profitiert aus Ihrer Sicht mehr. Derjenige der das integriert oder derjenige der das bereitstellt?

Beide. Ausgeglichen. Also der eine probiert das als Shopbetreiber um an Kunden zu kommen, die er sonst nicht erreichen könnte und derjenige der das integriert, kann mit einer Kommission von um die 20% interessiert sein.

Wie ist das jedoch bei Services, wie beispielsweise Google Maps, wo derjenige der das integriert von dem Service selber profitiert. Meinen Sie dort ist der Integrierer auch bereit zu zahlen?

Google Maps ist natürlich ein anderer Aspekt, wo sich Google die Marktführerschaft in dem Bereich der Karten sichern wollte. Ich denke das hat mehr strategische Gründe. Das muss sich nicht rentieren vom preislichen her, sondern das niemand an Google Maps vorbeikommt. Ich weiß nicht in wieweit dort geographische Werbung schon eingesetzt wird. In der Schweiz haben wir mit map.search.ch bereits die Möglichkeit, Werbung auf Karten zu platzieren.

Könnte es trotzdem langfristig gesehen Mash ups geben für die man bereit wäre zu zahlen, dass man überhaupt integrieren kann?

Ja das kann ich mir schon vorstellen. Beispielsweise im Zahlungsbereich. Amazon hat da ein Modul das man Integrieren kann. Google Checkout haben wir. Paypal ist auch ein sehr schöner Vertreter dieser Serviceanbieter, bei denen ich von Drittanbietern die ganzen Zahlungstransaktionen relativ einfach bei mir integrieren kann.

Es gibt ja mittlerweile Lösungen, wo ein ganzer Shop innerhalb von einem Banner funktioniert. Meinen Sie Kunden sind wirklich bereit hier auch im Banner beispielsweise Kontodaten preiszugeben?

Wenn man den Anbieter kennt und das Angebot stimmt, dann ja. Mindestens der Checkout Prozess muss wahrscheinlich dann auf der Shopsite stattfinden. Aber das Angebot zu präsentieren und gewissen Suchfunktionalitäten darzustellen, das ist durchaus legitim, solange das anonym ist.

Gehen wir vielleicht noch schnell durch die letzten drei Trends. Kombination Online Offline Ansätze.

Synergien zwischen Retail und Onlinehandel – das ist relativ stark. Für Kataloge in bisheriger Form sehe ich persönlich keine große Zukunft. Eher als Synergie zum Onlineangebot oder zur Bewerbung eines Teilsortiments oder einer Aktion.

Aber dass Synergien bestehen, das ist sicher. Informiert sich z.B. online und kauft dann im Retail. Oder die Beratung findet im Geschäft statt und der Kauf online. Hier ist der Anbieter natürlich gefordert, dass sein Onlineangebot das Beste ist. Sonst hold sich der Konsument die kostenintensive Beratung und kauft beim Konkurrenten online. Da könnte man sicher auch mit kanalübergreifenden Anreizen arbeiten

Wie weit sind wir in der Entwicklung und kann das auch branchenübergreifend sein? Gibt es also Bereiche in denen das ganze mehr Sinn macht?

In der Entwicklung denke ich sind wir ziemlich am Anfang, was das Bewusstsein der Händler angeht, das Internet als zusätzlichen und bereichernden Vertriebskanals zu sehen. Das Denken ist hier nicht sehr weit fortgeschritten. Eigentlich müsste man Synergien überall optimal Nutzen können, wo man auf beiden Vertriebskanälen aktiv ist.

Meinen Sie es kommt zu einer Annäherung von Online und Offline Playern?

Es gibt natürlich eine viel größere Verbreitung von Offline Playern die Online gehen, als umgekehrt. Viele sehen nicht ein, dass sie noch einen Laden haben sollen, weil das natürlich mit hohen Fixkosten verbunden ist.

Sehen Sie eine komplette Migration auf Online?

Das ist natürlich branchenabhängig. Sicherlich gibt es Bereiche wo Sie komplett online gehen können. Also ich denke spontan an die Reisebranche. Ein Beratungsgespräch könnte mittlerweile auch multimedial durchgeführt werden. Und es gibt ja Dinge, die sie gar nicht online machen möchten.

Dann schauen wir uns doch den letzten Trend Mobile Shopping an. Wie schätzen Sie diesen ein?

Ja, dazu habe ich mir auch schon viel Gedanken gemacht. Vor allem mit den neuen Geräten, die erhältlich sind. Zumindest in der Schweiz ist das iPhone als Applikationsträger sehr verbreitet. Das ist natürlich als Träger explizit für Shop-Applikationen phänomenal. So bald die Verbreitung die nötige Grenze erreicht hat, kann ich mir Mobile Shopping sehr gut vorstellen.

Aber was ich mir viel besser vorstellen kann, ist wenn Sie auf Ihrem mobilen Endgerät Preisvergleichprogramm drauf haben. In der Schweiz gibt’s da schon einige erste Programme. Und das ist natürlich eine Killerapplikation. Wenn Sie beispielsweise in einen Unterhaltungs-Elektronik Grossmarkt gehen, sich einen Fernseher anschauen, dann kurz das Handy zücken und dann sehen, wo es das Gerät noch billiger gibt, kann das unser Kaufverhalten nachhaltend verändern. Das heißt, man nutzt das Handy nicht primär nur zum Kauf, sondern vielmehr zur Kaufunterstützung oder zur Kauffindung.

Vielen Dank für das Interview.



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