Deutsche Handelskonzerne auf E-Commerce Kurs – und in der Schweiz?

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Der Grossteil der deutschen Handelskonzerne ist auf E-Commerce Kurs und in unserem nördlichen Nachbarland ist derzeit eine wahre Aufbruchstimmung zu verspüren. In der Schweiz ist die Stimmung nach wie vor verhalten, obwohl das Potential immens ist. Man hört zwar immer wieder von einzelnen viel versprechenden Startups und Shop-Ideen, aber die Umsetzung lässt oft auf sich warten. Es werden hauptsächlich Kopien und Klone lanciert.

Wo aber bleiben die grossen Schweizer Handelskonzerne? Der Migros-Genossenschaftsbund hat mit LeShop.ch, Office-World und ExLibris.ch sowie travel.ch oder vacando.ch einige top Onlineshops geschaffen, während die restlichen zur Gruppe gehörenden Marken eher ein bescheidenes Dasein fristen.

Beim zweiten grossen Detailhändler Coop sieht es ähnlich aus; neben coop@home sind v.a. Billig-Harddiscounter wie Fust, Interdiscount, Microspot/netto24 unter einem Dach versammelt.

Als weitere Grösse ist die Competec-Gruppe aus Mägenwil zu nennen, die neben Brack und Alltron auch DayDeal, Phonet und Wyscha betreibt, letztes Jahr Architronic übernahm und seit kurzem auch eine Beteiligung an der Ideenplattform Atizo hält.

Dann bleiben wohl noch die Medienkonzerne; allen voran Ringier (mediaswiss/Scout24, Geschenkidee, Good-News, Betty-BossiSchober und viele mehr) und Tamedia (Tilllate, Homegate, Search.ch, Piazza, jobwinner und einige mehr ) die in den vergangenen Jahren v.a. damit aufgefallen sind, dass sie sich querbeet an allen möglichen Onlineplattformen beteiligen. Man ist fast geneigt zu sagen:  Dabei sein ist alles und lieber heute sich beteiligen, als dass sich der Konkurrent morgen einen Anteil an der Plattform sichert.

Hab ich einen grösseren Konzern oder eine Unternehmensgruppe vergessen mit mehreren E-Commerce Plattform in der Schweizer Onlinelandschaft?

Jochen Krisch von Exciting Commerce inspirierte mich für diesen Beitrag weil er heute auch die Situation in Deutschland darstellte. Nachfolgend sein Beitrag „Was war, was wird: Handelskonzerne auf E-Commerce-Kurs“ den wir mit freundlicher Genehmigung auch hier publizieren:

Im E-Commerce ist plötzlich wieder alles möglich: Jahrelang haben sich die deutschen Handelskonzerne gesträubt, in reine Online-Konzepte zu investieren. Nun scheinen sie sich zu besonnen zu haben – und steigen wieder verstärkt in den Online-Handel ein.

Erfreulich ist dies nicht zuletzt für den Samwer-Clan, für den sich die jahrelange Lobby-Arbeit langsam zu lohnen beginnt: Ob Tengelmann, Otto oder Klingel – für viele Handelshäuser sind die Samwers nun der Online-Makler der Wahl.

Neben einer Fülle von Einzel-Startups im Rahmen der aktuellen Samwer E-Commerce Offensive baut Rocket Internet gerade mindestens an zwei E-Commerce-Gruppen – den FP Commerce Shops sowie den Internetstores.

Die Investmentaktivitäten ausgewählter Handelskonzerne

Hier zur besseren Orientierung ein schneller Überblick über die Investmentaktivitäten ausgewählter Handelskonzerne in den letzten Wochen und Monaten:

Die Tengelmann-Gruppe (Kaisers, Kik, Obi, Plus Online)
Durch den Verkauf der Plus-Filialen kam die Tengelmann-Gruppe 2008 mit Plus.de zu ihrem ersten reinen Online-Versender. Nachdem eigene Online-Experimente nicht gefruchtet haben, wird nun unter neuer Führung das Beteiligungsgeschäft ausgebaut:

Die Klingel-Gruppe (Klingel, Wenz, Mona)
Ein eher unerwarteter Player im Markt für Online-Investments ist der Klingel-Versand. Dort konnten die Samwers bisher mindestens zwei Online-Beteiligungen unterbringen:

Die Otto-Gruppe (Baur, Bon Prix, Heine, Otto, Schwab)
Die Otto-Gruppe scheint innerhalb kürzester Zeit wettmachen zu wollen, was sie in den zehn Jahren davor versäumt hat. Ob Citydeal, Dealstreet, Kaufda, Limango oder MyFab – investiert wird in unterschiedlichste Geschäftsmodelle, größtenteils über den eigens dafür eingerichteten Investment-Arm eVenture Capital Partners:

Die Metro-Gruppe (Kaufhof, Media Markt, Saturn, Real)
Die Metro-Gruppe zeigt zwar immer wieder Interesse an spannenden Online-Startups, kommt aber nie wirklich zum Zug. Nach den bitteren Erfahrungen in der New Economy scheinen der Metro-Gruppe ausgiebige Planspiele immer noch besser zu liegen als reale Experimente.

Bei reinen E-Commerce-Modellen lässt Metro-Chef Cordes momentan noch seinem Sohn den Vortritt:

Die Rewe-Gruppe (Rewe, Toom, Penny, Promarkt)
Die Rewe-Gruppe betätigt sich derzeit vor allem als Lumpensammler und schnappt sich im Online-Bereich einen insolventen Elektronikversender nach dem anderen:

Die Douglas Gruppe (Douglas, Thalia, Christ)
Die Douglas Holding hat ihre Online-Beteiligungen vor allem über die Buch.de Internetstores (Buch.de, Alphamusic, Flexist, bol.de, etc.) stark ausgebaut und wagte sich im letzten Jahr mit Douglas ins TV-Geschäft vor:

Nachdem sie den Online-Markt so lange vernachlässigt haben, fehlt allen großen Handelskonzernen heute die (Online-)Kompetenz. Da reine Online-Spezialisten hierzulande rar gesät sind, müssen sich die Konzerne zumeist mit Mulit-Channel-Experten behelfen, die zumindest schon ein bisschen Online-Luft geschnuppert haben – und auf die Samwers, die ihnen die vermeintlich risikoärmsten Investments frei Haus liefern.



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