Facebook Deals: Alles halb so schlimm?

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Am Samstag musste ich kurzfristig eine Folie für meinen Kurstag im CAS Social Media Management an der HWZ abändern: Facebook kündigte an, Facebook Deals nach nur vier Monaten sterben zu lassen. Hat der Social-Network-Riese damit vor Foursquare und Konsorten kapituliert?

Ein zweiter Blick lohnt sich. Facebook  stampft lediglich die erst in fünf amerikanischen Städten ausgerollten Daily Deals ein. Somit können vielleicht Groupon und LivingSocial vorläufig etwas aufatmen.  Die Check-in Deals leben aber weiter –  unternehmungslustiger und optimistischer denn je!

Facebook zieht nämlich auch die bisherige Places-Funktionalität zurück und verkündet: „Now you can add location to anything.“ Der Check-in steht als Aktivität per se nicht mehr im Vordergrund, sondern soll ein ganz natürlicher Teil jedes Posts werden. Gibt es an einem Ort ein Schnäppchen zu holen, erscheint es unterhalb des Statusupdates.

Der vermeintliche Rückzug ist also ein wohl durchdachter Schachzug. Gowalla hat letzte Woche die virtuelle Schnitzeljagd beerdigt, weil nur jeder 200. Nutzer überhaupt mitmachte –  ein weiteres Indiz dafür, dass der Spieltrieb als alleiniger Motivator für den Erfolg von Location Based Services nicht ausreicht. Die Nutzer dazu zu bringen, ihren Standort sozusagen beiläufig zu verraten, ist somit genau das Richtige.

Um den Nachschub an Deals muss sich Facebook keine Sorgen machen. Groupon Now, LivingSocial Instant oder Dienste wie ThinkNear geben die Richtung vor: Die Faktoren Ort und Zeit sind in Zukunft die Hauptakteure in diesem Spiel – und zwar sowohl für den Nutzer (der seinen Deal hier und jetzt haben will) wie für den Merchant (der mit orts- und zeitabhängigem Yield Management wesentliche Schwächen des klassischen Grouponkonzepts ausmerzen kann). Vor diesem Hintergrund steigen die verschiedenen Services mitunter sogar schon zusammen ins Bett.

Dass Facebook sich – schaut man genau hin – so viele Gedanken über Location Based Services macht, hat wohl primär mit dem Rivalen Google zu tun. Dort gibt es nicht nur Places mit ausgeprägten sozialen Funktionen wie Bewertungen und Reviews, sondern auch schier unendliche Synergien mit anderen Diensten wie Google+ und dem allerdings auch noch recht jungfräulichen Google Offers.

Mit Google Wallet steht zudem eine Lösung in den Startlöchern, wie wir für unsere Schnäppchen gleich vor Ort bezahlen können – berührungslos und mit einem Klick. Das nächste Schlacht- (oder zumindest Tummel-)feld ist also schon in Sichtweite.



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6 KOMMENTARE

  1. Hallo Daniel,
    Danke für den interessanten Post. Ich hatte schon immer Mühe, die Facebook-Deals von den Facebook Check-in-Deals zu unterscheiden. Ich bin nun gespannt, wann die Check-in-Deals auch bei uns eingeführt werden.

  2. […] UPDATE: Die Abschaltung betrifft nur die Facebook-Deals” In  Deutschland heisst dieser Dienst “Facebook-Angebote”. Die von mir ebenfalls “totinterpretierten” Check-In-Deals bleiben bestehen. Ob und wann sie dann auch in Europa ausgerollt werden, ist noch ungewiss. Siehe auch den Beitrag auf  Heise oder noch besser drüben im Blog von Carpathia wo Daniel Ebneter die Situation treffend analysiert hat. […]

  3. find die strategie von facebook nicht ganz nachvollziehbar. wenn jmd die macht hat, gute deals unters volk zu bringen, dann ist es meiner meinung nach facebook und google. umso erstaunlicher, dass das große social network da nicht mehr gas gibt.

  4. @stefano: Ich nehme nicht an, dass sich die Pläne von FB diesbezüglich ändern. Also wohl in den nächsten paar Monaten. SMS finde ich nicht die dümmste Idee: Man soll Mechanismen nutzen, die die Kunden kennen.
    @Ilberg: Facebook gibt schon Gas. Orts- und zeitbezogene Deals werden sicher über eigene Angebote oder Kooperationen massiv ausgebaut.

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