Wie skalierbar ist der Schweizer E-Commerce?

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Vorbei ist es mit dem Heimatschutz; Zalando ist seit rund einem Jahr eine feste Grösse im Schweizer E-Commerce, Home24 scheint vor dem Start zu stehen und auch andere intl. Schwergewichte sind präsent.

Es scheint, als hat ein Schweizer Anbieter der übermächtigen ausländischen Konkurrenz wenig entgegenzusetzen. International expandiert nur, wer eine Nische besetzt (zB Blacksocks), ein Quasi-Monopol hat (zB. Nespresso) oder über einzigartige Produkte verfügt (z.B. Freitag).

Währenddessen schreitet das E-Commerce Wachstum bei unseren nördlichen Nachbarn geradezu explosionsartig voran. Wachstumsprognosen werden nahezu im Quartalstakt nach oben korrigiert.

Wird die Schweiz überrollt?

An einer kürzlichen Veranstaltung zum Thema Crossborder mit Deutschen wie auch Schweizer Vertretern wurde schnell klar, dass Zollformalitäten, Wechselkurse oder auch Sprachen heute Hürden darstellen, die man mit entsprechenden Dienstleistern elegant nehmen kann. Der Druck aus dem Ausland wird zunehmen.

Entgegensetzen können wir einiges. Aber es wird auch einiges kosten. Im E-Commerce wird nach wie vor stark über den Preis verkauft, und da können wir mit unseren Kostenstrukturen und dem starken Franken nur schlecht mithalten. Zudem greifen auch die Skaleneffekte wenig.

Ein Heimmarkt mit 8 Mio. Einwohnern, dafür mit 4 Sprachen, steht einem 10 x grösseren Deutschland gegenüber, wo sich Business-Cases entsprechend hochdrehen lassen.

Aber dass „small is beautiful“ ist, zeigen wiederum Geschäftsmodelle, die genau hier den ökonomischen Vorteil herausholen. So ist es nicht verwunderlich, dass Lebensmittel Online in der Schweiz funktioniert. Denn bspw. LeShop kann den gesamten Markt mit 2 Logistikzentren bearbeiten – in Deutschland, wo noch viel agressiver über den Preis verkauft wird mit geringeren Margen, wären mind. 10 Mal höhere Investitionen nötig. Daher ist es dort bei Food bislang bei Versuchen in Ballungsgebieten oder in Nischensortimenten geblieben.

Einzigartiger werden!

Über die Skaleneffekte können wir wenig ausrichten – auf jeden Fall nicht in der Dimension, wie es internationale Mitbewerber tun können. Aber wir können unsere helvetischen Werte in den E-Commerce transportieren und einzigartigen Kundennutzen stiften. Unsere kulturellen Besonderheiten dürfen durchaus auch im Onlinekanal präsent sein.

Und, dass dem Schweizer nach wie vor ein hervorragender Service mehr wert ist als den letzten Euro-Cent Rabatt, dürfte sich auch schon herumgesprochen haben.

Dass internationale Konzepte, die im Heimmarkt Erfolge haben, im Ausland kapitulieren, zeigen auch die aktuellen Wirren um Saturn. Scheinbar war die „Kommunikation den Schweizern zu laut„, so dass nun gar die Saturn Filialen verschwinden sollen.

Die Einzigartigkeit bietet Potentiale, die in den meisten Schweizer Onlineshops noch brach liegen und Möglichkeiten bieten, sein Profil zu schärfen und die Kunden zu binden.

Und dass es auch im Schweizer E-Commerce klappen kann mit der Skalierung, zeigt das Paradebeispiel Digitec mit den durch die Presse kolportierten CHF 400 Mio. Umsatz im vergangenen Jahr. Das wäre auch ein Top-10 Platz in Deutschland – notabene bei 10 x kleinerem Markt.

Die umsatzstärksten deutschen Onlineshops 2012 - Quelle iBusiness
Die umsatzstärksten deutschen Onlineshops 2012 – Quelle iBusiness

Poster der umsatzstärksten Deutschen Onlineshops 2012 – Download bei iBusiness

 



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