Der E-Commerce in Deutschland legt um satte 50% zu im 2. Quartal 2013 ggü. Vorjahr

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Bereits nach dem 1. Quartal war hier von einem Dammbruch die Rede. Nun stellen die heute vom BVH publizierten Umsatzzahlen für das 2. Quartal 2013  nun regelrecht den bereits verschiedentlich angekündigten Tsunami dar.

In den Monaten April-Juni dieses Jahres setzte der gesamte Versandhandel in Deutschland EUR 11.8 Mrd. mit Waren um. Davon gehen 84.5% oder EUR 9.9. Mrd. auf das Konto des E-Commerce, der damit 50% mehr umsetzte als noch im 2. Quartal 2012 (EUR 6.6 Mrd.).

Interessant auch, dass Versender mit Wurzeln im stationären Handel mit dem Wachstum der Internet Pureplayern fast Schritt halten konnten im Vergleich mit dem 1. Quartal dieses Jahres, jedoch noch auf tieferem Niveau.

 Versandtyp2. Quartal 20131. Quartal 2013Wachstum
 Internet PureplayerEUR 1’572 MrdEUR 1’152 Mrd+36.5%
 Stationäre VersenderEUR 1’088 MrdEUR 0.806 Mrd+35.0%

Währenddessen die Onlinemarktplätze (eBay, Amazon, Rakuten etc.) um 1.9% auf knapp EUR 6.3 Mrd. gewachsen sind und die Multichannel-Versender nach Definition BVH doch noch um beachtliche 11.9% auf knapp EUR 2 Mrd. im Vergleich zum 1. Quartal 2013.

Interessant in diesem Zusammenhang aus Schweizer Sicht ist die Definition von ‘Multichannel’, die bei unseren nördlichen Nachbarn auf die klassischen Katalogversender mit Onlineangebot angewandt wird. Andersrum in der Schweiz, wo dieser Begriff grundsätzlich für den stationären Handel verwendet wird, der den Onlinekanal ebenfalls erschliesst oder in Ausnahmefällen vice-versa.

Eine wahre Onlinehandels-Welle ergiesst sich über den Handel – auch den Schweizer?

Von 50% Wachstumsraten im E-Commerce kann man in der Schweiz nur träumen. Aktuell dürfte man knapp ein zweistelliges Wachstum erreichen und auch die führenden Schweizer Onlineshops leiden unter den eingeschränkten Skaleneffekten, die der Heimmarkt bietet.

Es macht den Eindruck, dass nicht nur der Schweizer Handel allgemein sondern insbesondere auch der Onlinehandel zunehmend aus dem Ausland unter Druck kommt – das mit dem nicht mehr existierenden Heimatschutz wollen wir nicht nochmals erwähnen.

Mutmasslich dürften auch Schweizer Konsumenten an den exorbitanten Wachstumsraten im deutschen E-Commerce nicht ganz unbeteiligt sein. Denn Fakt ist, dass bereits heute ein Grossteil der Pakete direkt aus dem Ausland zu den Schweizer Käufern kommt, wenn auch erworben auf “Schweizer” Onlineplattformen wie Zalando.ch & Co.

So beispielsweise Patrick Kessler, Präsident VSV – Verband des Schweizerischen Versandhandels, an der gestrigen Crossborder Veranstaltung in Zürich:

Die Mitglieder des VSV versenden pro Jahr über 20 Mio Pakete, von denen bereits heute 2/3 aus dem Ausland stammen, allen voran Deutschland, Frankreich, USA u.a.

Diese Entwicklung wird unweigerlich zu Marktbereinigungen führen und Schweizer Onlinehändler sollten schleunigst ihre Wachstums- oder Differenzierungsstrategien umsetzen oder neu definieren.

Oder wird dies am Ende gar die hiesigen Multichannel-Versender (Anm: Nach Schweizer Definition, also mit Wurzeln im stationären Geschäft) begünstigen, die durch die lokale Verankerung und Präsenz ihre Trümpfe ausspielen statt nur Jammern sollten.


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3 KOMMENTARE

  1. Mehr als beeindruckend. Aber wer hat eigentlichen nochmal disen lustigen Begriff “interaktiver Handel” erfunden? Kann mich immer noch nicht damit anfreunden. Es brauchte wohl etwas, um Versand und Online pure statistisch zusammenzubringen, aber der gewählte Begriff ist bei näherer Betrachtung doch echt nur Quatsch. Handel war schon immer interaktiv. Und die Abgrenzung zwischen Versandhandel und Online erscheint je länger je mehr auch immer schwieriger. Da könnte man noch etwas Energie reinstecken in diese ganzen Definitionen und Schlagworte. Social Commerce lässt grüssen: habe ich auch jeden Tag beim Beck und beim Coiffeur. OK genug der Stänkerei, danke für den Beitrag, der ist nämlich wirklich hilfreich! 🙂

    • Hoi Ben – da hast Du natürlich Recht. Gehe davon aus, dass man sich am informationstechnischen Begriff der “Interaktivität” orientiert der lt. Wikipedia die Beziehung zwischen Mensch und Maschine bezeichnet. Online war schon immer Bestandteil des Versand- oder Distanzhandels wie auch Katalog oder Telefon oder Teleshopping. Wir unterscheiden jeweils zwischen Online und traditionellem Versandhandel wenn wir selber definieren dürfen. Und natürlich Danke für das Kompliment!

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