BFS-Studie: Dreierlei Wachstumspotenzial im Schweizer E-Commerce

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Das Bundesamt für Statistik (BFS) hat eine Studie zum E-Commerce in der Schweiz 2010 bis 2017 herausgegeben.

Diese basiert auf den Ergebnissen der Erhebung zur Internetnutzung der Haushalte aus den Jahren 2017, 2014 und 2010, was interessante Vergleiche ermöglichte.

So zeigt sich, dass im Zeitraum von 2010 bis 2017 die Anzahl der sogenannten E-Konsumentinnen und -Konsumenten stark angestiegen ist:

2017 haben 4,9 Millionen Personen innerhalb von zwölf Monaten mindestens einmal im Internet eingekauft. Das sind 50% mehr als 2010.

Digitaler Graben verringert sich

Gemäss der Studie ist der Digitale Graben im E-Commerce immer noch stark präsent. Das heisst, dass es grosse Unterschiede in der Internetnutzung der Konsumentinnen und Konsumenten gibt abhängig von deren Bildungsstand, Alter und Geschlecht.

Ältere Menschen (auch Silver Surfer genannt) kaufen viel weniger online ein als jüngere: Bei den 25- bis 34- Jährigen bestellen 91 % online Waren oder Dienstleistungen, bei den 64- bis 74-Jährigen sind es noch 51 %, bei den 75-Jährigen sogar weniger als 20 %.

Personen, die einen höheren Bildungsstand, einen Tertiärabschluss haben, kaufen häufiger ein als Menschen mit einem tieferen Abschluss: 85% der Konsumentinnen mit Tertiärabschluss, hingegen nur 46% der Konsumenten ohne höhere Ausbildung kaufen online ein.

Das starke 50 %-Wachstum von 2010 bis 2017 sei aber auch zurückzuführen auf sogenannte Nachholeffekte beim Digitalen Graben, einerseits hinsichtlich des Geschlechts: die Frauen haben aufgeholt. Andererseits kaufen im Vergleich zu früher mehr Menschen ohne nachobligatorischen Schulabschluss online ein.

Zugbillete und Flugtickets werden am meisten gekauft

Folgende drei Produktarten werden derzeit am häufigsten via digitalen Vertriebskanal (E-Mail oder Fax werden da übrigens nicht dazugezählt) gekauft:

  • Transporttickets
  • Kleider, Sportausrüstung
  • Übernachtungen in Hotels und Ferienunterkünfte

Nachfolgend noch die vollständige Liste:

Im Internet gekaufte Produkte – Quelle: BFS – IKT-Omnibus

Spannend an dieser Auswertung ist auch, dass anscheinend noch kein Produkt von allen Konsumentinnen und Konsumenten online gekauft wird.

Betrachtet man das Wachstum in den verschiedenen Bereichen, lässt sich feststellen, dass von 2010 bis 2017

  • sich die Online-Kundschaft von Transporttickets, Übernachtungen in Hotels oder Ferienunterkünften sowie von Filmen verdoppelt hat
  • sich bei der Produktart Kleidung und Sportausrüstung die Kundschaft mehr als verdoppelt hat
  • die Kategorie Andere Waren und Dienstleistungen gar um 150 % zunahm

Des Weiteren zeigt sich, dass über den erhobenen Zeitraum zunehmend digitalisierte Produkte gekauft wurden. Das bekamen über die Jahre diejenigen Branchen zu spüren, die infolge der Digitalisierung gleich zweifach unter Druck geraten, weil nicht nur der Vertriebskanal digitalisiert wird, sondern auch die verkauften Produkte, wie Bücher, Filme oder Zeitschriften.

Am häufigsten kaufen Männer mit Hochschul-Abschluss

Interessant ist auch, wie häufig die Onlineshopper denn Einkäufe tätigen. 2017 haben 40 % innerhalb von drei Monaten ein bis zwei Einkäufe gemacht, 36 % kauften drei- bis fünf Mal online ein, 24 % mindestens sechs Mal. Hier besteht also durchaus noch Wachstumspotenzial.

Und auch bei der Häufigkeit gibt es einen der Digitalen Graben:

Die grösste Online-Kundschaft stellen die 25- bis 34-jährigen Männer mit einem Abschluss auf Tertiärstufe.

Insbesondere für Onlinehändler interessant ist die nachfolgende Grafik. Sie zeigt, mit welchen Problemen sich die Konsumenten beim Online-Einkauf am häufigsten herumschlagen.

Schwierigkeiten bei Online-Einkäufen – Quelle: BFS – IKT-Omnibus

Dreierlei Wachstumspotenzial

Die Verfasser der Studie gehen von einem Wachstumspotenzial bei der Anzahl der E-Konsumentinnen und -Konsumenten einerseits aus: Erst 80 % der Internetnutzerinnen und -Nutzer haben bisher innerhalb von 12 Monaten mindestens einmal online bestellt.

Ein zweites, noch grösseres Wachstumspotenzial sehen sie im Bezug auf die Kaufhäufigkeit.

Ein drittes Wachstumspotenzial eröffnet sich bei der Vielfalt der von den einzelnen Personen online gekauften Produkte: Derzeit bestellt nämlich mehr als die Hälfte der Onlineshopper nur vier Produktarten.

Die Studie vom BFS zum E-Commerce in der Schweiz 2010–2017 kann hier gratis bezogen werden.



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