Ocado: Marks & Spencer erkauft sich Anschluss im Online-Lebensmittelhandel teuer mit knapper Milliarde Franken

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Die stolze Summe von 750 Mio. Pfund hat der britische Retailer Marks & Spencer für eine 50% Beteiligung an Ocado bezahlt und sich damit den verschlafenen Anschluss an den Food-Onlinehandel teuer erkauft.

Für Ocado selber, das nach eigenen Angaben bereits profitabel ist, bedeutet diese Kapitalspritze von fast einer Milliarde Franken erstmals eines: Eine deutlich verbesserte Wettbewerbsposition gegenüber Tesco und auch Amazon Fresh wie auch eine prall gefüllte Kasse für Investitionen und damit eine rasante und aktive Gestaltung des Food-Onlinehandels.

Jochen Krisch hat die strategischen Optionen drüben bei ExcitingCommerce hergeleitet und gerne geben wir diese mit freundlicher Genehmigung wieder. Denn mit diesem Joint-Venture stehen Ocado jetzt im (Online-)Foodmarkt mehr Möglichkeiten offen denn je.

Hier, was den Deal so spannend macht für Ocado und für den Online-Handel im allgemeinen:

  1. Ocado bekommt Zugriff auf das Frische-Sortiment von M&S Simply Food, das mit zum besten gehört, was der britische Markt zu bieten hat.
  2. Zugleich bekommt Ocado Zugang zu den Food-Kunden von Marks & Spencer, die Ocado direkt beliefern kann.
  3. Ocado bekommt eine Kapitalspritze von 750 Mio. Pfund, denn Ocado erledigt nicht nur das Online-Food-Geschäft für Marks & Spencer. Marks & Spencer steigt auch als Gesellschafter ein und bekommt die Hälfte der Anteile an Ocado. Das heißt zugleich auch:
  4. Ocado und M&S Food können irgendwann zusammengehen. Entweder übernimmt Marks & Spencer Ocado einmal komplett oder aber – und das dürfte der wahrscheinlichere Fall sein – Marks & Spencer bringt mittelfristig sein Foodgeschäft, das mit 5,9 Mrd. Pfund 61% der Umsätze ausmacht, komplett in Ocado ein.
  5. Mit dem Deal vollendet Ocado die Trennung von Foodgeschäft und Solutions. Ocado und M&S Food werden im Heimatmarkt zu den ersten Kunden der Ocado Solutions, die Ocado dann in andere Märkte verkaufen kann. Das könnte sogar soweit gehen, dass sich Ocado irgendwann komplett aus dem operativen Foodgeschäft zurückzieht (siehe 4.) 
  6. Ocado kann mit M&S Food zusammen neue Services entwickeln, wie sie heute Lieferdienste wie Lieferando anbieten oder aber wie das angekündigte Ocado Zoom für Express-Lieferungen (aus den Läden).
  7. Ocado gewinnt gegenüber Tesco und Amazon Fresh an Marktmacht. Denn Tesco wird mit seiner stationären Verankerung nie so frei und unabhängig agieren können wie Ocado. Und Amazon Fresh wird sich schwer tun, schnell genug eine adäquate Infrastruktur aufzubauen.

Wie Ocado dem Online-Handel den Weg weist

Spannend auch, was der Deal für den Online-Handel bedeutet. Denn wohl niemand wurde so lange belächelt und so oft abgeschrieben wie Ocado – zunächst gegenüber Tesco und zuletzt gegenüber Amazon Fresh.

Doch Ocado hat sich auf seinem Weg nicht beirren lassen, ist kontinuierlich gewachsen, hat dabei sein Geschäftsmodell verfeinert und seine Prozesse optimiert und hat am Ende sogar gezeigt, dass es sich international als Technologie-Provider etablieren kann.

Bereits auf der Shoptalk im letzten März in Las Vegas ist Ocado CEO Tim Steiner äusserst positiv aufgefallen – und war eines meiner Highlights – und hat den US-Amerikanern in seiner eher unzimperlichen Art vorgeführt, zu was man in UK bzgl. Online-Food mittlerweile schon in der Lage ist. Den absolut sehenswerten Speach gibt es mittlerweile auch auf Youtube.

Marks & Spencer beteiligt sich mit 750 Mio. Pfund an Ocado. / Bild: Supermarktblog
Marks & Spencer beteiligt sich mit 750 Mio. Pfund an Ocado. / Bild: Supermarktblog

Was lernt man aus diesem Mega-Deal?

Peer Schrader hat im Supermarktblog die Learnings für den Lebensmittelhandel identfiziert und was man daraus lernen kann. Was er für den deutschen Food-Retail erkannt hat, kann man sinngemäss auch für den Schweizer übernehmen:

Was kann der deutsche Lebensmitteleinzelhandel von alldem lernen – außer der Tatsache, dass man schon sehr viel Gottvertrauen haben muss, um zu glauben, man könne die Zukunft erstmal weglaufen lassen, um sie später dann wieder einzufangen und dabei auch noch Geld zu sparen?

1) Dass alle, die ihre Existenz in einem zunehmend zur Konsolidierung neigenden Markt absichern wollen, womöglich auch hierzulande stärker über neue Allianzen nachdenken müssen.

2) Dass es nur eine begrenzte Anzahl an Schollen gibt, auf denen es sich gut schwimmen lässt, wenn außenherum die großen Tanker Wellen schlagen.

3) Vor allem aber, dass dem Lebensmitteleinzelhandel – egal, in welchem Land – ein paar ziemlich aufregende Jahre bevorstehen.

Online-Food an der Connect – Digital Commerce Conference

Der Lebensmittel Onlinehandel wird auch Thema sein an der Connect – Digital Commerce Conference am 22. Mai 2019 in Zürich. Diesmal liegt der Fokus weniger auf den etablierten Playern LeShop und Coop@Home sondern auf den neuen Modellen. Bereits zugesagt rsp. angefragt wurden Vertreter von Miacar, Farmy und weiteren.

Noch sind wenige limitierte Tickets aus den vergünstigten Kontingenten online verfügbar. Gerne weisen wir auch auf die Kombi-Tickets K5/Connect hin, die ebenfalls zu reduzierten Preisen erhältlich sind.



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