Black Friday: Wie sich die Zusteller auf den Ausnahmezustand vorbereiten

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Der kommende Black Friday dürfte wohl alles Bisherige in den Schatten stellen, wenn man aktuell beobachtet, wie kommunikativ und rabattmässig in der Schweiz aufgerüstet wird. Bereits überbietet sich der Handel gegenseitig mit Promotionen. Über Sinn und Unsinn dieser Rabattschlachten wurde schon viel diskutiert – eines bleibt; der Handel lebt nicht von Umsatz, sondern von Marge.

Kommunizieren und Verkaufen ist das eine, Kommissionieren, Verpacken und Versenden das andere wofür sich die Händler seit Wochen vorbereiten und entsprechend aufgestockt haben.

Doch wie und wann kommt die Ware zur Kundin und zum Kunden?

Logistics is key: Die Zustellung als Reality-Check im Digital Commerce

Erst mit der Zustellung vollendet sich für den Onlinekunden seine Bestellung und seine Erwartungen sind hoch rsp. werden immer höher. Endlich hält er oder sie in den Händen und kann nutzen, was man sich online gekauft hat. Nur wie kommen die Millionen von Pakete schnellstmöglich zu den Empfänger*innen?

Mit einem Marktanteil von über 80% ist die Schweizer Post in diesen Tagen besonders gefordert und sie hat sich offenbar umfassend darauf vorbereitet, wie sie selber in einem Blick hinter die Kulissen verrät.

Im vergangenen Jahr wurden in der sogenannten Black-Friday-Woche fast 7 Millionen Pakete zugestellt, dies ist deutlich mehr als im eigentlichen Weihnachtsgeschäft. Und auch für dieses Jahr wurde vorgesorgt.

Bis unters Dach vollgepacktes Zustellfahrzeug der Schweizer Post - Bildquelle: Die Schweizerische Post
Bis unters Dach vollgepacktes Zustellfahrzeug der Schweizer Post – Bildquelle: Die Schweizerische Post

Umfangreiche Kapazitätssteigerungen zur Vermeidung des Kollaps’

Das Personal in den Paketzentren und in der Zustellung wurde mit Temporärkräften um zusätzliche rund 30% aufgestockt. Nur alleine auf der letzten Meile hat die Post gegen 300 zusätzliche Lieferfahrzeuge dazu gemietet.

Die bestehende Infrastruktur wird bis an die Kapazitätsgrenzen hochgefahren – so laufen die Sortieranlagen in den drei grossen Paketzentren in den vier Wochen vor Weihnachten praktisch rund um die Uhr von Montag bis und mit Samstag und stehen lediglich jeweils von 2:30 Uhr bis 6:00 Uhr für die Wartung still.

Die Post erwartet an den Tagen rund um Black-Friday ein um rund 30 Prozent grösseres Paketvolumen. Die Wachstumsraten sind jedoch sehr unterschiedlich. Während einige Händler deutlich mehr als 30 Prozent Zuwachs haben, sei das Wachstum bei anderen Anbietern tiefer.

Um die Mengen und Auslastung der Paketzentren optimal zu verteilen, erfolgen an diesen Tagen die Abholungen der Pakete bei den grössten Händlern beispielsweise in Wohlen (Digitec Galaxus), Willisau (Brack) oder Jegenstorf (Microspot) im Pendelverkehr rsp. in der doppelten Kadenz als normal.

Neben den zusätzlichen 300 Lieferfahrzeugen auf der letzten Meile hat man für die Abholungen bei den Händlern und die Transporte zu den Paketzentren die LKW-Kapazität um 20% erhöht, die für diese Zeit dazu gemietet wird.

Hinzu kommt ein stark erhöhtes Volumen an Paketen in dieser ausserordentlichen Woche von den internationalen Händlern. Rund ein Drittel mehr Sattelschlepper von internationalen Onlineanbietern voller Pakete an Schweizer Adressen steuern die Paketzentren an.

Neben der sogenannten Vorwärtslogistik, der Zustellung der Pakete zum Kunden, sind die ganzen Retouren nicht zu unterschätzen, gerade im Bereich der Mode. Auch für diese Volumen wird sich die Post vorbereiten und rechnet mit einigen Tagen Verzögerung auch hier mit einem um 30% höheren Volumen.

Insgesamt betrachtet hat sich die Post auf diesen Ausnahmezustand in der Logistik generalstabsmässig seit über 6 Monaten vorbereitet (die Definition der zusätzl. Sortier- und Zustelltage erfolgt bereits im Februar) und alles aufgeboten, was Pakete sortieren, befördern und zustellen kann.

Auch DPD und Quickpac rüsten auf

Ähnlich tönt es bei DPD wo Produktionszeiten und Personalbestände ebenfalls hochgefahren werden und in Zusammenarbeit mit den Zustellpartnern die Routen und Flotten erweitert werden, dasselbe gelte für die internationalen Transportlinien.

Bei einzelnen Grosskunden würden DPD Mitarbeitende vor Ort in deren Räumlichkeiten unterstützen. Bei DPD geht man von einem Volumenwachstum von 15% im November und Dezember aus, an den Spitzentagen rund um Black Friday dürften es 60% mehr Sendungen sein.

Ebenfalls mit einem Zuwachs an Paketen von rund 50% rechnet Quickpac für die erste Dezemberwoche, also nach Blackfriday. Zur Bewältigung wird Quickpac in dieser Zeit auch am Samstag mit seiner Flotte von über 100 elektrischen Zustellfahrzeugen unterwegs sein und damit klimaneutral die Pakete zustellen.

Quickpac ist übrigens der erste Zusteller in der Schweiz, der eine 100% elektrisch betriebene Flotte betreibt.



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