Globus geht an KaDeWe: Digitaler Highway oder Sackgasse?

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Was am Wochenende durchgesickert ist, ist nun offiziell. Die Eigentümer der KaDeWe-Gruppe übernehmen von der Migros die Magazine zum Globus AG, wie die Warenhaus-Unternehmung Globus offiziell heisst.

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In den vergangenen Jahren hat sich Globus umfassend neu strukturiert. Marken wie Schild und Herren Globus wurden konsolidiert und sind verschwunden. Dasselbe ist auch online passiert; schild.ch ging in globus.ch auf. Man beabsichtigte, sich neu im Premium-Segment zu positionieren, also näher zu Jelmoli, dessen CEO Franco Savastano im Sommer zu Globus als Einkaufs-Chef gewechselt hat.

Den neuen Eigentümern – die österreichische Signa-Gruppe und die thailändische Central Group die je 50% halten – wird allgemein eine hohe Warenhaus-Kompetenz im Luxus-Segment zugestanden. Häuser wie das KaDeWe in Berlin, das Illum in Kopenhagen, Alsterhaus Hamburg oder Oberpollinger München gehören ebenso dazu wie ähnliche Flächen in Italien und Asien.

Luxus != Digital

Allen erwähnten Luxushäusern gemeinsam ist, dass sie digital kaum präsent sind, geschweige denn auch online verkaufen. Und dies, obwohl gerade im Luxussegment der Onlineanteil stark im Ansteigen begriffen ist.

Porsche verkauft online, Luxusuhren und Schmuck wird stark digital nachgefragt und auch im Modebereich wachsen luxusnahe Konzepte wie Richemonds Net-a-Porter, MyTheresa und weitere Formate. Gerade im Luxusbereich scheint der Handel seine Mühe zu bekunden mit der Digitalisierung der Vetriebsmodelle.

Es sind da die Marken und Hersteller, die das Heft in die digitale Hand genommen haben und zunehmend direkt verkaufen. Ob Porsche, Uhrenhersteller, Modemarken – alle forcieren sie den direkten Vertrieb.

Globus hat in den letzten Jahren viel in die Digitalisierung investiert, bis zur Hälfte der Unternehmens-Investitionen und ist online umsatzmässig deutlich gewachsen. Hat alleine im vergangenen Jahr seine Onlineumsätze mehr als verdoppelt – wie profitabel, bleibt offen.

Nun soll Globus weiter Richtung Luxussegment positioniert werden unter neuer Eigentümerschaft, die extra dafür eine neue Onlineplattform aufgeschaltet hat: welcome-globus.ch. 

Der digitale Treiber Thomas Herbert wird seinen Posten als Globus-CEO verlassen und im Globus-VR Einsitz nehmen. Der ehemalige CEO von Jelmoli Franco Savastano wird neuer Globus-CEO. Damals bei Jelmoli hat er vor 3 Jahren noch den begehbaren Onlineshop angekündigt, umsatzmässig ist man seither online bei Jelmoli doch auch eher überschaubar unterwegs mit geschätzten CHF 6 Mio Onlineumsatz für 2018.

Was passiert nun mit den digitalen Initiativen?

Die Ausgangslage ist interessant: Globus mit bisher grossen Investitionen ins Digitale mit ambitionierten Umsatzzielen soll zum Luxuswarenhaus umgebaut werden von den neuen Eigentümern, die im Luxus-Warenhaus-Segment keine digitalen Initiativen erkennen lassen (sehr wohl jedoch in anderen Segmenten wie bspw. Signa Sports). Folgende zwei Szenarien sind a-priori denkbar:

  1. Globus wird “analog” der anderen Luxus-Warenhäuser der Gruppe digital zurückgebunden und vor allem offline weiter entwickelt.
  2. Globus wird zum digitalen Benchmark innerhalb der Gruppe und dient als Beispiel für die Häuser wie KaDeWe, Illum & Co.

Ähnliches haben wir schon vor über 6 Jahren geschrieben: Globus/Schild; die richtige Onlinestrategie wird entscheiden.

Kommt es zur Rochade an der Bahnhofstrasse?

Die Handelszeitung meint in ihrem Kommentar, dass es für Globus eine gute Lösung sei mit zahlreichen Gewinnern. Verlieren werden wohl zahlreiche Orte ihre Globus-Filialen, denn es braucht kaum gegen 50 Standorte von Luxus-Verkaufsstellen in der Schweiz, auch keine 12 Warenhaus-Standorte wie heute. Ein Halbes Dutzend wird wohl mehr als ausreichend sein.

Als Verlierer wird zudem das Warenhaus Jelmoli genannt, der selbsternannte führende Premium Department Store in Zürich.

Der bisherige Warenhausplatz-Hirsch im Besitz der Immobilienfirma Swiss Prime Site sieht mit der Globus-Übernahme die Karten neu gemischt.

Es würde nicht erstaunen, wenn SPS das Haus angesichts der neuen Ausgangslage demnächst zum Verkauf stellen wird.

Jelmoli schrieb in den letzten Jahren operativ Verluste in Millionenhöhe und war immer ein Fremdkörper im Immoblienkonzern SPS.

Der lachende Dritte könnte nun Manor sein, die SPS von Jelmoli “erlösen” könnten und gleichzeitig ihr Standort-Problem an der Banhofstrasse lösen würden.

 



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