VSV/GfK: Schweizer Onlinhandel knackte 2019 die CHF 10 Milliarden Grenze und Schweizer Händler wachsen schneller als internationale

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Heute sind die Umsatzzahlen zum Schweizer Online-Versandhandel gemeinsam durch den Verband Schweizer Versandhändler (VSV) zusammen mit GfK und Schweizer Post veröffentlich worden. Diese basieren auf direkten Erhebungen der Händler und unter Berücksichtigung weiterer Messgrössen wie Versand- und Importstatistiken.

Der Schweizer Online-Konsum ist laut Studie 2019 um 8.4% angestiegen und hat die CHF 10 Milliarden Marke deutlich überschritten. Mit einem B2C Umsatz von CHF 10.3 Milliarden mit Waren konnte der Onlinehandel erneut um 800 Millionen zulegen.

Dies entspricht dem Bestellwert von Schweizer Konsument*innen bei in- und ausländischen Onlineshops. Werden noch die Bestellungen hinzugerechnet, die aus der Schweiz bei internationalen Onlinehändlern bestellt und nur bis zu Abholstationen im grenznahen Ausland geliefert werden, dann erhöht sich der Umsatz nochmals um gut 350 Mio. Dies haben wir anders als in anderen Jahren in der Grafik nicht mehr berücksichtigt.

Umsatzentwicklung Online- und Versandhandel 2008-2019 – Quelle: VSV/GfK – Grafik: Carpathia
Umsatzentwicklung Online- und Versandhandel 2008-2019 – Quelle: VSV/GfK – Grafik: Carpathia

Damit behauptete sich der Onlinehandel weiterhin stark und wächst deutlich schneller als der Detailhandel. Die CHF 10.3 Milliarden Umsatz mit Waren welche die Schweizer Konsument*innen bestellt haben, teilen sie wie folgt auf:

  • Inland: CHF 8.3 Milliarden bei Onlinehändlern, Plattformen und Marktplätzen in der Schweiz
  • Ausland: CHF 2 Milliarden bei internationalen Anbietern

Hier bleibt anzumerken, dass Zalando.ch mit seinen geschätzten CHF 920 Mio. Umsatz 2019 als inländischer Onlinehändler gezählt wird.

Schweizer Onlinehändler primär für Wachstum verantwortlich

Nachdem in den vergangenen Jahren der Anteil am Schweizer Onlinehandel durch internationale Player stetig zugenommen hat, zeichnete sich im vergangenen Jahr eine Trendwende ab.

Der Onlinehandel in der Schweiz wächst erfreulicherweise stärker als die Onlineeinkäufe im Ausland.

Erstmals seit Jahren hat sich der Schweizer Onlinehandel (inkl. Zalando.ch) wieder Marktanteile zurückgeholt gegenüber den Anbietern aus dem Ausland.

Anteile inländische / ausländische Onlineshops 2010-2019 – Quelle: VSV/GfK – Grafik: Carpathia
Anteile inländische / ausländische Onlineshops 2010-2019 – Quelle: VSV/GfK – Grafik: Carpathia

Onlineanteile am Schweizer Detailhandel

Der Onlineanteil am Schweizer Detailhandel beläuft sich auf insgesamt 9.1% für das vergangene Jahr. Differenziert sind es 2.8% bei Food & Near Food (Lebensmittel, Wein und Kaffee[-kapseln]) und 16.8% bei Non-Food:

Onlinanteile Food und Non-Food am Detailhandel 2019 – Quelle: VSV/GfK
Onlinanteile Food und Non-Food am Detailhandel 2019 – Quelle: VSV/GfK

Damit hat sich das Wachstum des Online-Anteils beim Non-Food etwas verlangsamt, auch dem Umstand geschuldet, dass der Detailhandel insgesamt im verganenen Jahr nach Jahren der Stagnation und Rückgangs 2019 wieder etwas zulegen konnte, wenn auch nur um 0.3%.

Onlinanteile Food und Non-Food am Detailhandel – Quelle: VSV/GfK
Onlinanteile Food und Non-Food am Detailhandel – Quelle: VSV/GfK

Onlineanteile der grössten Sortimente

Alle wichtigen Non-Food Sortimente konnten im vergangen Jahr ihre Onlineanteile weiter ausbauen. Gerade in den noch unterdurchschnittlich entwickelten Bereichen haben die Onlineanteil relativ gesehen massiv zugenommen. So beispielsweise ist der Anteil bei DIY/Garten von 5% auf 7% angestiegen (+40%), Home & Living von 8% auf 9% (+12.5%), Spielwaren und Sport beide ca. +25%. Wer also in diesen Branchen weniger zulegen konnte, ist hinter der Marktentwicklung zurückgeblieben.

Im Bereich Fashion & Shoes geht bereits jeder fünfte Franken in Online, Heimelektronik konnte markant zulegen auf einen Onlineanteil von 36% und die Medien dürften die 40% Marke erreicht haben.

Onlineanteile wichtigste Sortimente Non-Food 2017-2019 – Quelle: VSV/GfK – Grafik: Carpathia
Onlineanteile wichtigste Sortimente Non-Food 2017-2019 – Quelle: VSV/GfK – Grafik: Carpathia

Trendwende: Kleinwarensendungen aus Asien mengenmässig rückläufig

Laut der Studie sind 2019 immer noch 31 Mio. Kleinwarensendungen, zumeist ohne MWST- und Zollabgaben, in die Schweiz gelangt. Davon würden ca. 21 Mio Sendungen aus dem Asiatischen Raum, insbesondere aus China, stammen.

Erstmals seit vielen Jahren ist ein Rückgang bei diesen Mengen festzustellen. Hingegen steigen die bestellten Warenwerte pro Paket weiter an, so dass wir insgesamt von einem geringen wertmässigen Wachstum 2019 ausgehen. Dies jedoch in keinem Vergleich zu den Wachsstumsraten der vergangenen Jahre. Und die aktuelle Krise rund um den Corona-Virus ist 2019 noch gar nicht berücksichtigt und wird sich dann im aktuellen Jahr entsprechend niederschlagen.

Entwicklung Kleinwarensendungen aus dem Ausland – Quelle: VSV/GfK
Entwicklung Kleinwarensendungen aus dem Ausland – Quelle: VSV/GfK


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Thomas Lang, Betriebsökonom und Wirtschaftsinformatiker, unterstützt Unternehmen bei der Strategieentwicklung von digitalen Vertriebsmodellen, beim Aufbau von digitalen Geschäftsmodellen, bei Expertisen rund um Onlinehandel und der operativen Umsetzung im Bereich Organisation, Prozesse, Innovation, Change-Management und Unternehmenskultur. Er ist Gründer und Geschäftsführer der Carpathia AG, der unabhängigen und neutralen Unternehmensberatung für Digital-Business, E-Commerce und Digitale Transformation im Handel. Zudem ist er Autor von zahlreichen Fachartikeln und -studien, Dozent für Online-Vertriebsmodelle an verschiedenen Hochschulen sowie gefragter Keynote-Speaker zu E-Commerce und Digital Transformation im Handel. Er ist Initiator und Organisator der Connect - Digital Commerce Conference sowie des Digital Commerce Awards. Der von ihm gegründete Carpathia Digital-Business-Blog (https://blog.carpathia.ch) zählt im deutsch-sprachigen Raum zu den wichtigsten unabhängigen Publikationen im Digitalen Handel. Medien bezeichnen ihn als digitalen Vordenker, zitieren und interviewen ihn regelmässig .

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