Post und Onlinehandel mit gemeinsamen Massnahmen gegen Paket-Stau und -Kontingente

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Seit dieser Woche sind den 100 grössten Onlinehändler der Schweiz Paket-Kontingente auferlegt, vorerst bis Ostern. Das heisst, sie können nicht mehr alle ihre Pakete der Post übergeben, was zu längeren Lieferfristen und einem Rückstau führt.

Grund hierfür ist, dass die durch den Lockdown des stationären Handels immens angestiegenen Paketvolumen aus dem Onlinehandel von der Post nicht mehr verarbeitet werden können, da die Post ihrerseits in der Paketsortierung stark limitiert ist aufgrund der Sicherheitsmassnahmen gegenüber ihren Mitarbeitern wie Social-Distancing und mehr.

Die sonst im Weihnachtsgeschäft gewohnten Paket-Volumen können durch die wg. der Schutzmassnahmen gedrosselte Produktivität nicht verarbeitet werden. Es wurde noch einmal betont, wie bereits am Sonntag von uns geschrieben, dass der Kapazitätsengpass nicht in der Zustellung liegt, sondern in den derzeit fast im Nonstop-Betrieb stehenden Sortierzentren. Und diese gilt es zu entlasten.

Post Paketsortierung / Photo: post-medien.ch
Post Paketsortierung / Photo: post-medien.ch

Gestern hat der Handel – u.a. mit den Chefs von Coop, Migros, Brack u.a. – gemeinsam mit der Post und Sozialpartnern am runden Tisch nach Lösungen gesucht und folgende Massnahmen beschlossen:

  • Die Verarbeitung von kleinen Paketen erfolgt künftig verstärkt über die Logistikkette des Briefversandes → Durch den kleineren Anteil an Kleinwarensendungen aus China und dem weiteren Rückgang an Briefen werden diese Kapazitäten angezapft 
  • Mehrere Schweizer Paketdienstleister und Logistiker stellen einen Teil ihrer Sortier- und Transportkapazitäten der Post zur Verfügung → Diese Massnahme dürfte aufgrund von Prozessumsstellungen etwas Zeit beanspruchen, bis sie greift. Sie zeigt jedoch auch die Bereitschaft, wie man sich in dieser Zeit gegenseitig unterstützt
  • Click&Collect: Dieses System sieht vor, dass die online bestellten Waren vermehrt in den offenen Verkaufsstellen der Händler und den Postfilialen abgeholt werden können → Dies setzt jedoch auch voraus, dass die Händler ihre (wenn auch nur partitiell geöffneten) Verkaufsstellen mit der eigenen Logistik anfahren und damit die Postkapazitäten entlasten
  • Die Händler übernehmen für die Post individuell einen Teil der Vorsortierung → Dies war mitunter eine Idee, welche wir im Blog aufgegriffen haben. Sie kann sich jedoch nebst regionalen Sortierzentren auch auf Gewichte und Grössen erstrecken, die der Post einen Teil der Sortierung abnimmt
  • Im Sinne einer gemeinsamen Bewältigung der aktuellen Herausforderung stimmen sich die Akteure eng ab, um eine optimale Steuerung der Mengen sicherstellen zu können.

Abhängig von der Entwicklung der Pandemie-Lage und den Entscheiden und Empfehlungen der Behörden wie u.a. der teilweisen Wiedereröffnung des Detailhandels (u.a. eine Forderung des VSF [PDF]) wird sich die Lage bei der Paketzustellung weiter zuspitzen oder entspannen.

Hierzu Roland Brack,Gründer und Inhaber der Competec Holding AG (Brack.ch / alltron.ch)

Das gesamte Nonfood-Marktvolumen auf einen Schlag im Onlinehandel und per Zustellung abzuwickeln ist mit den vorgegebenen Versandkapazitäten nicht möglich.

Es ist deshalb dringend nötig, stationäre Ladenformate in die Landesversorgung miteinzubeziehen, wenn sie die Vorgaben des BAG bezüglich Social Distancing gewährleisten können.

Durch die beschlossenen Massnahmen dürfte sich vorerst eine leichte Entspannung einstellen, was mutmasslich die Aufhebung der bis Ostern verhängten Paket-Kontingente mit sich bringt.

Nehmen die Paketmengen jedoch weiterhin in ähnlichem Masse zu, bleibt die Situation angespannt und weitere Einschränkungen trotz der Massnahmen dürften nicht ausgeschlossen sein.



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