Stationäre Detailhandels-Nostalgiker wünschen sich Abflachen des Onlinehandel-Booms

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Die SDA sah sich heute bemüssigt eine Publireportage eine Meldung zu publizieren, die das Ende rsp. das Nachlassen des Onlinehandel-Booms prophezeit. Nur schade, dass darin weder Onlinehändler noch mit dem Onlinehandel Vertraute zu Wort kommen sondern stationäre Detailhandels-Nostalgiker.

Denn Onlinehändler haben nach wie vor alle Hände voll zu tun. Angesichts der weiter stark anhaltenden Nachfrage bei den Händlern wirken die Prognosen des Retail-Veteranen Gotthard Wangler wie Stossgebete nach einer Rückkehr von Zeiten, die es nicht mehr geben wird:

Im Juni wird die Kurve bereits wieder abflachen.

Es werde im aktuellen Monat wieder eine zögerliche Entwicklung geben und die Verkäufe dürften sich auf Vorjahresniveau einpendeln, so Wangler weiter, und:

Ich gehe nicht davon aus, dass die Konsumenten künftig weiterhin besonders viel online bestellen. Die Leute wollen die Produkte ansehen und anfassen. Das wird sich nicht plötzlich ändern.

Ähnlich tönt es von der Branchen-Organisation Swiss Retail die von enttäuschenden Erlebnissen von Onlinekäufern berichten wegen Nichteinhaltung des Lieferversprechens, was es zweifelsohne auch gab, jedoch die Ausnahme und nicht die Regel war und dem Online-Boom kaum Einhalt gebieten wird.

Bei dieser Gelegenheit sei auch auf den spannenden Podcast der Handelszeitung zum gleichen Thema (jedoch mit anderer Prognose) hingewiesen.

Für alle mit Onlinehandel vertrauten Personen und Institutionen ist klar, dass der Boom anhalten wird. Bei Carpathia gehen wir weiterhin von einem Plus von ca. 30% in diesem Jahr aus das sich aus 10% struktureller Verschiebung und 20% nachhaltigem Corona-Boost zusammensetzt.

Logistik bei digitec Galaxus in Wohlen / Photo: digitec Galaxus
Logistik bei digitec Galaxus in Wohlen / Photo: digitec Galaxus

Zu einem ähnlichen Resultat kommen die Retail-Experten der Credit Suisse (Schweizer Onlinehandel könnte 2020 um 30% zulegen) wie auch die Prognosen des VSV, die im realistischsten und belastbarsten Szenario ebenfalls von einem Wachstum von CHF 3 Milliarden (+30%) ausgehen (Szenarien für den Handel nach dem Corona Shutdown).

Aber eben, man kann selbstverständlich die Augen verschliessen und die guten alten Zeiten herbeiwünschen. Oder wie Arthur Schopenhauer bereits im 18. Jahrhundert erkannte, dass das Neue zuerst verlacht und dann bekämpft wird, bis es nach längerer Zeit als selbstverständlich gilt.

Nur wem dies am Ende des Tages nützt? An dieser Stelle rufen wir gerne die Key-Note von Gunter Dueck an unser Connect – Digital Commerce Conference 2017 in Erinnerung: Lächeln Sie nicht, wenn andere Erfahrungen machen.

Die nächste Ausgabe der Connect – Digital Commerce Conference übrigens am 15. September 2020 wo sich das Who’s Who des Schweizer Handels trifft – jetzt noch Early-Bird-Tickets sichern!



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Thomas Lang, Betriebsökonom und Wirtschaftsinformatiker, unterstützt Unternehmen bei der Strategieentwicklung von digitalen Vertriebsmodellen, beim Aufbau von digitalen Geschäftsmodellen, bei Expertisen rund um Onlinehandel und der operativen Umsetzung im Bereich Organisation, Prozesse, Innovation, Change-Management und Unternehmenskultur. Er ist Gründer und Geschäftsführer der Carpathia AG, der unabhängigen und neutralen Unternehmensberatung für Digital-Business, E-Commerce und Digitale Transformation im Handel. Zudem ist er Autor von zahlreichen Fachartikeln und -studien, Dozent für Online-Vertriebsmodelle an verschiedenen Hochschulen sowie gefragter Keynote-Speaker zu E-Commerce und Digital Transformation im Handel. Er ist Initiator und Organisator der Connect - Digital Commerce Conference sowie des Digital Commerce Awards. Der von ihm gegründete Carpathia Digital-Business-Blog (https://blog.carpathia.ch) zählt im deutsch-sprachigen Raum zu den wichtigsten unabhängigen Publikationen im Digitalen Handel. Medien bezeichnen ihn als digitalen Vordenker, zitieren und interviewen ihn regelmässig .

7 KOMMENTARE

    • Grosse Mode-Händler nutzen je länger je mehr Plastiktaschen die auch als Retouren-Verpackung dienen. Führende Händler, die Kartonverpackung verwenden, setzen vermehrt Maschinen ein, welche die Grösse der Schachtel dem Inhalt autom. anpassen, um weniger Karton zu verbrauchen und v.a. weniger Luft / Volumen zu versenden.

      • Wiederverwendbare Gebinde wie im Detailhandel scheinen aber weiterhin keine Chance zu haben. Warum setzen Händler beispielsweise nicht auf Dispoboxen der Post? Es wird gute Gründe haben.

        • Kosten und auch Energie, eine Kunststoffverpackung ist nämlich kein böses Teufelszeug die in jedem Fall sofort im Meer landen, wie gewisse Kreise uns Glauben machen wollen. Solange wir zum Heizen und teilweise zur Stromerzeugung fossile Brennstoffe einsetzen, sind Kunststoffe, die richtig in einem KHK verwertet werden, ein recht effizientes und umweltverträgliches Gut.
          Karton schützt den Inhalt gut und ist zu einem sehr grossen Teil aus Recyclingmaterial, die Logistik eines Mehrwegbehälters ist extrem kompliziert (auf B2C Ebene) und es wird sehr viel Luft herumgefahren. Es gibt sicher noch andere “gute” Gründe … 😉

  1. Verfolge Eure Berichterstattung schon sehr lange und fand sie bisher auch sehr Objektv!
    Diese Bericht ist es aber nicht mehr. Ich denke die Wahrheit liegt wahscheinlich in der Mitte.
    Es geht nicht um Off- oder Online sondern um den Kunden, also warum das eine gegen das andere Ausspielen.

    • Genau darum geht es – es wird eine Ko-Existenz geben, eine Verzahnung. Darum wehre ich mich auch gegen den unobjektiven Bericht der SDA der jeglicher Grundlage entbehrt.

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