Black Friday 2021 – Wenig Rekorde aber reibungslose Abwicklung

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Black Friday war auch 2021 wieder ein grosses Ereignis, für die Kund*innen, die Onlineshops, die Advertiser und vor allem für die Logistik-Dienstleister. Obwohl die meisten der grossen Onlineshops keine Umsatzrekorde verzeichnet haben, hat die Post erneut eine Rekordmenge an Paketen verarbeitet. Es scheint also, dass die grossen Umsätze sich nicht weiter bei den grossen Anbietern konsolidieren, sondern vor allem auch viele kleine Anbieter vom Black-Friday-Hype im Allgemeinen profitiert haben.

Black Friday: Ein grosser Tag für die Onlinehändler und Kunden

Allgemein ist der Black Friday DER umsatzstärkste Tag im Jahr eines Onlinehändlers. Galaxus hat an diesem Tag zum Beispiel 2,5x so viel Traffic auf ihrer Seite verarbeitet als an den vier Freitagen zuvor und den Kunden über 700 spezielle Black Friday Deals versprochen – die bis am Freitagabend auch bereits zu 40% ausverkauft waren, die „heissesten“, Laptops, PCs, Bildschirme und Smartphones, allerdings schon kurz nach Mitternacht am Freitag.

Rund doppelt so viele Pakete wie an einem normalen Freitag im November verarbeitete auch der Logistik-Dienstleister MS Direct, da waren die Treiber Bestellungen ihrer Kunden aus dem Bereich Fashion & Modeschmuck, wie Eva Tyssen, Leiterin Business Development, berichtet. Auch sie konnten den grossen Ansturm – unter Mithilfe der Führungskräfte in der Logistik – gut bewältigen.

Ein grosser Tag, aber weniger extrem als 2020

Ein besonderer Tag war der Black Friday und das darauf folgende Wochenende aber auch für die Kunden. Viele haben sich ihre Online-Shopping-Liste zurecht gelegt und dann einfach am Black Friday bestellt – ganz oft auch ohne Rabatt zum regulären Preis. Es scheint sich in den Köpfen der Menschen festgesetzt zu haben, dass man an diesem Wochenende die Weihnachtseinkäufe online bestellt. Allerdings war der Run etwas weniger ausgeprägt als im letzten Jahr: Die Leute haben zum Teil schon im Laufe des Novembers angefangen einzukaufen.

Jens Plath, CMO von Twint, erklärt: „Wie üblich wurde am Black Friday besonders viel online geshoppt. Für eine Verlagerung von E-Commerce zum stationären Handel am Black Friday gegenüber Vorjahr sieht TWINT allerdings keine Belege: Beide Bereiche sind bei TWINT in gleichem Masse gestiegen gegenüber Vorjahr. Allerdings sticht der Black Friday in 2021 insgesamt deutlich weniger aus den durchschnittlichen Transaktionszahlen des Monats November hervor als noch in 2020, sowohl im E-Commerce als auch im stationären Handel.“

Es wird immer mehr mobil bezahlt

Was hervorsticht: Es wurde immer mehr mobil bezahlt (siehe auch unseren Blogbeitrag zur Internetnutzung 2021) und vor allem immer mehr mobil gespendet. Jens Plath, CMO von TWINT: «Der Anteil der TWINT-Zahlungen an allen Zahlungsmitteln ist gegenüber dem Vorjahr stark gestiegen. Während der Gesamtmarkt in der Schweiz 2021 am Black Friday etwa auf gleichem Niveau wie 2020 lag, haben sich die TWINT-Transaktionen fast verdoppelt (+91%).“

Und es wird mobil gespendet

„Deutlich gestiegen ist hingegen das Spendenaufkommen über TWINT am «Giving Tuesday». Die TWINT-Community hat diesmal mehr als die doppelte Anzahl an Spenden gegenüber dem Dienstag nach Black Friday in 2020 getätigt. TWINT hatte dazu aufgerufen, am Giving Tuesday an eine der mehr als 60 Spendenorganisationen in TWINT+ zu spenden.“, führt Jens Plath weiter aus.

Wenig Online-Rekorde 2021

Weniger strenge Corona-Massnahmen – Trotz grossem „Hype“ haben die meisten der grössten Onlineshops in der Schweiz den Umsatzrekord von 2020 nicht geknackt. Dies hängt vermutlich damit zusammen, dass die Corona-Massnahmen dieses Jahr nicht so streng waren wie 2020 und man stationär einkaufen konnte – und dass umgekehrt schon seit Wochen von Lieferschwierigkeiten die Rede war.

Lieferengpässe – Ausserdem schlugen die Lieferengpässe aus Asien bei einigen Händlern durch und sie konnten nicht so viele „Deals“ aufschalten, wie sie gerne gewollt hätten, einfach weil das Angebot nicht da war. Wer jedoch die Deals von sehr langer Hand geplant hat, wie zum Beispiel Brack, der konnte auch dieses Jahr den Umsatz-Rekord von 2020 nochmals im knapp zweistelligen Prozent-Bereich übertreffen. Dieses schöne Plus bei Brack rührte vor allem daher, dass die Anzahl der Deals von rund 200 auf 240 erhöht werden konnte, bei gleichbleibend hohen Stückzahlen pro Deal, erklärt Marc Isler, CEO von Brack.ch.

Attraktiver Einkauf im stationären Handel – So kauften die Leute gerne in den stationären Läden ein, denn was man da kaufte, hatte man auch auf sicher – während es bei einem Online-Einkauf immer noch eine gewisse Unsicherheit gibt, ob auch tatsächlich alles ankommt.

„Flatten the curve!“: Früherer Beginn der Weihnachtseinkäufe – Viele Händler berichten, dass sie allgemein im gesamten November mehr Umsatz machten als 2020, dass die Leute also schon früher mit ihren Weihnachtseinkäufen begonnen haben als letztes Jahr. Die Kunden scheinen das Konzept „flatten the curve“, das wir von den Corona-Patienten auf der Intensivstation kennen, auch fürs Online-Shopping verinnerlicht haben. Dies machte den Black Friday zu einem weniger extremen Ereignis, was natürlich viel besser zu bewältigen ist.

Auch ohne Black Friday hohe Umsätze

Nebst vielen Black-Friday-Angeboten gibt es auch diverse (grosse) Onlinehändler, die sich dem Black Friday komplett verweigern und keine speziellen Black-Friday-Aktionen machten (wir hatten letztes Jahr hier darüber berichtet). Doch auch diese profitierten von der allgemeinen hohen Shopping-Laune der Konsumenten, besonders am Black Friday. So hat Ex Libris zum Beispiel lediglich die allgemeine Adventskampagne laufen lassen und am Black Friday trotzdem signifikant mehr Umsatz gemacht als an einem „normalen Freitag“ – und dies ohne besondere Investition des Deckungsbeitrags. Doch auch Ex Libris blieb umsatzmässig unter dem Black Friday Weekend Umsatz von 2020 – konnte aber über den gesamten November etwas zulegen gegenüber 2020. Auch hier zeigt sich, dass die Leute besser vorausplanen.

Auch bei BlackSocks, dem Anbieter des Socken-Abos, war es ein gutes, leicht überdurchschnittliches Wochenende ohne jegliche Rabattaktionen. Die Befürchtung also, dass man Umsatz an die Konkurrenz verliert, wenn man am Black Friday nicht mitmacht, scheint sich nicht zu bewahrheiten und es fragt sich, ob in den nächsten Jahren mehr Händler diesem Trend folgen werden. Samy Liechti von BlackSocks ist überzeugt, dass man mit solchen Rabatt-Aktionen sowieso nur Schnäppchen-Jäger anzieht, die niemals regulär und profitabel kaufen werden.

Gut vorbereitete Logistik

Der grosse Ansturm muss auch erstmal von den Onlineshops, den eigenen Mitarbeitenden im Versand und beim Kundendienst sowie von den Versanddienstleistern gemeistert werden. Und auch da zeigt sich, dass alle viel besser vorbereitet waren als während dem ersten Corona-Lockdown anfangs 2020.

So hat die Post ihre Paketzentren mit den Briefverteilzentren zusammengelegt und die Kapazitäten an den Sortieranlagen erhöht, den Personalbestand um rund 730 Vollzeitstellen erhöht sowie gegenüber 2020 zweihundert zusätzliche Temporärmitarbeitende angestellt. Ausserdem wird wie während dem Lockdown in 3 statt nur 2 Schichten sowie an 6 statt 5 Tagen gearbeitet und Sperrgut-Sendungen werden im separaten, neu eingerichteten, Sperrgut-Hub in Bützberg (BE) sortiert.

Neue Rekordmengen an Paketen verarbeitet: die Black-Friday-Woche und die Tage danach im Verlauf. Quelle: Post

So vermeldete die Post auch einen erneuten Rekord bei den Paketmengen mit 7.4 Millionen verteilter Pakete in der Black-Friday-Woche vom 22. November bis und mit 30. November – das sind über eine Million Pakete pro Tag oder für fast jeden Einwohner der Schweiz eines in dieser Woche!

„Es ist eine enorme Leistung des gesamten Post-Teams, dass praktisch alle sendungen tagesaktuell verarbeitet werden konnten.“

Stefan Regli, Leiter Brief und Paket national bei der Post

Nicht nur die Post war bestens gewappnet für die Paketflut, auch die Händler haben sich dezidiert vorbereitet und die Logistik minutiös geplant. So hat Brack zum Beispiel alle „Deals“ in der Logistik bereitgestellt, so dass die vielen Fernsehgeräte der TV Deals nicht erst noch aus dem Hochregal geholt werden mussten. Auch Ex Libris konnte nach dem Black-Friday-Wochenende alle Bestellungen tagesaktuell verarbeiten – während man zur schlimmsten Zeit während dem Lockdown Paletten-weise im Rückstand war.

Sortieranlage bei der Post. Quelle: zVg von der Post

Bessere Zusammenarbeit mit den Grosskunden

Ausserdem hat die Post viel enger mit ihren Grosskunden zusammengearbeitet, um die Paketflut besser bewältigen zu können. So sortieren Grosskunden zum Beispiel Pakete bereits vor nach Grösse und/oder Region, was die Sortierung in den Paketzentren enorm erleichtert, erklärt Daniel Imholz, Leiter Strategic Account Management bei der Post.

Die Kapazitäten bestimmen den Umsatz – nicht umgekehrt!

Zalando hat den Spiess sogar umgedreht und die Kapazitäten der Technologie und der Logistik zum Massstab genommen und nur soviel Umsatz zugelassen, wie auch abgearbeitet werden konnte. „Für die Cyber Week bestimmte die verfügbare Kapazität in den Logistikzentren das Verkaufsvolumen und nicht umgekehrt. Es wurden Prozesse eingerichtet, um die Menge an Aufträgen, die unsere Logistikmitarbeiter*innen unter Einhaltung der neuesten Sicherheitsvorschriften bearbeiten können, zu steuern.“ berichtet Julia Zweigle von der Presse-Stelle von Zalando.

„Giving Day“ statt Black Friday

Einige Shops gingen sogar noch weiter als „nicht mitmachen beim Black Friday“: QoQa zum Beispiel schloss den Shop an Black Friday und schaltete stattdessen einen SolidaryDay mit 10 Spendenprojekte für ihre Community auf. Das Unternehmen verzichtete also an diesem Tag komplett auf seinen Umsatz, sammelte dafür Spenden über CHF 550’000 für wohltätige Projekte. Die Aktion ist stark in der Firmen-DNA verankert und kam bei der QoQa-Community sowie den Mitarbeitern sehr gut an.

Jelmoli hingegen setzte auf den Giving Tuesday und spendete für jeden Einkauf ab CHF 50.- einen Betrag von CHF 5.- an die Stiftung Züriwerk. So konnte am Giving Tuesday ein Scheck über CHF 49’750.- überreicht werden.

„Unsere Teilnahme am Giving Tuesday ist ein bewusstes Statement gegen over consumption. Als Premium Warenhaus setzen wir auf hochwertige Produkte und nachhaltiges Einkaufen – aus Überzeugung und das ganze Jahr hindurch.“

Nina Müller, CEO Jelmoli

Nina Müller, CEO Jelmoli (2. v. l.) und Erhard Schwendimann, CSO Jelmoli (l.) übergeben den Scheck im Wert von CHF 47’950.- an Roger Stäger, Direktor Züriwerk (2. v. r.) und Alexandra Elser, Fachbereichsleiterin Fundraising Züriwerk (r.), die gemeinsam mit Susanne Kunz, Botschafterin der Stiftung Züriwerk (Mitte) zur Scheckübergabe gekommen sind. Quelle: Jelmoli

…. oder auch einfach f**ck Black Friday!

Und dann gibt es noch die, die an Black Friday ihren online Shop einfach dicht machen, wie zum Beispiel Marc Zürcher, CEO von mofakult.ch. Sie haben an Black Friday den Onlineshop komplett geschlossen und stattdessen einfach ein Video laufen lassen – während das Team den Tag zum Aufräumen nutzte und mit einem gemütlichen Beisammensein ausklingen liess.

F**ck Black Friday Video von Mofakult, Quelle: zVg von Mofakult


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Esther Pfister ist Partnerin bei Carpathia und Unternehmerin: Mit Stoffwald betreibt sie einen Marktplatz um Frauen aus der DIY-Branche eine Plattform für zukunftssichere digitale Geschäftsmodelle zu bieten. Bevor Esther Unternemherin wurde, war sie in der Geschäftsleitung von C&A Schweiz und Beraterin beim internationalen Strategie-Unternehmen McKinsey. Esther hat ein MBA in INSEAD in Singapur, einen Master in Mathematik der Uni Bern und Oslo sowie ein Studium in Fashion Business. Esther spricht 7 Sprachen und lebt mit ihrer Familie in Zürich.

1 KOMMENTAR

  1. Quickpac hat über die Black Friday Bestellungen leider seine Auslieferungen gar nicht im Griff gehabt. Die eine Bestellung ist statt dem 2.12. heute am 6.12. angekommen (eine andere auch zwei Tag zu spät). Ich hatte extra noch für Priority bezahlt, dass ich es sicher auf vergangenes Wochenende habe. Aber leider ist es erst heute – und somit zu spät gekommen.

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