Bewegung in der „Buy now, pay later“ Branche

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In den letzten Monaten gab es einigen Wirbel um Firmen mit «Buy now, pay later» (BNPL) Lösungen, die auf eine widersprüchliche Lage der Branche schliessen lässt.

Bei BNPL-Diensten handelt es sich um eine Bezahlung auf Rechnung, gestückelt auf vier bis sechs Raten. Diese Dienste sind international stark aufgekommen im Zuge des E-Commerce Wachstums u.a. während der Corona-Pandemie. Die Angebote richten sich primär an Privatkonsument*innen und wirken als zinsfreie Konsumkredite, die meisten innerhalb von 6 Wochen vollständig zurückbezahlt werden müssen. Ihre Erträge erzielen die Unternehmen durch Provisionsgebühren bei den Händlern. Die Händler ihrerseits erhoffen sich höhere Umsätze dank dieser Bezahlmethode.

Die Gründe, als Konsument*in BNPL-Dienste zu nutzen sind unterschiedlich. In einer Studie, die credi2 (BNPL-Enabler) in ihrem Whitepaper zum Thema veröffentlich hat, geben 63% der Befragten an, dass sie damit spontaner einkaufen können. Vor allem bei der Altersgruppe von 18-34 kommen die BNPL Zahlungsmethoden gut an und über 70% von ihnen geben an, dass sie damit auch mal ein hochwertigeres Produkt kaufen und sie finanziell flexibler bleiben.

Ergebnisse einer Studie zu den Gründen für die BNPL Nutzung, Quelle: https://www.credi2.com/bnpl-whitepaper/

Ende Mai berichtete nun aber FinanceFWD, dass das führende schwedische Unternehmen Klarna sich per sofort von 10% der Belegschaft bzw. 700 Mitarbeitenden weltweit trennt. Als Gründe werden vom schnell wachsenden, jedoch verlustreichen Unternehmen wirtschaftliche Schwierigkeiten als Folge der geänderten Zinspolitik und der politischen Weltlage genannt.

Zeitgleich zu diesen wenig erfreulichen Neuigkeiten sicherte sich jedoch das Berliner Fintech Startup Mondu, das BNPL für den B2B Bereich anbietet, ein USD 43 Mio. Funding.
Vor ein paar Tagen war zudem im NZZmagazin zu lesen, dass Apple ebenfalls in dieses Geschäft einsteigt. Mit «Apple Pay Later» bieten sie vorerst nur in den USA einen eigenen Dienst an.

Gemäss macwelt wird Apple die Bonitätsprüfung und Kreditvergabe selbst übernehmen, wozu offenbar ein eigenes Tochterunternehmen namens Apple Financing LLC gegründet wurde. Seit der Übernahme des britischen Fintech Startups Credit Kudos im März 2022 besitzt der Konzern aus Cupertino zudem spezialisiertes Know-how in diesen Bereichen inhouse.

Brisant ist, dass Apple für die Prüfung der Bonität das Zahlungsverhalten der hinterlegten Apple ID auswerten möchte. Bei Apple ist die Funktion zur Zeit nur für Onlinezahlungen bis 1000 USD möglich.

Apple führt in den USA neu Apple Pay Later Dienste ein, Quelle: Screenshot apple.com

Das ganze System hat natürlich auch seine Tücken und Gefahren für die Konsumenten und Konsumentinnen. Der Vorteil stets spontan einzukaufen mit kurzfristig tieferen Budgetrestriktionen, birgt ein beachtliches Verschuldungsrisiko. Nicht selten werden Produkte gekauft, die sich der Käufer bzw. die Käuferin eigentlich nicht leisten kann.

Kommt man mit der Ratenzahlungen in Verzug, werden schnell hohe Zinszahlungen gefordert. So wird es auch mit vielen kleinen Beträgen schnell einmal ungemütlich.
Dies zeigte auch der TikTok-Trend Anfang dieses Jahres, bei welchem Nutzer*innen Videos mit ihren Schuldbeträgen posteten. Dabei handelt es sich oft um junge Erwachsene.

Wie sich die BNPL Brache entwickelt, wird interessant sein zu beobachten. Die Inflation und schnell steigende Zinsen stellen die Anbieter, Shop Betreiber wie auch Kunden vor grosse Herausforderungen.



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