Nachhaltige Geschäftsmodelle im E-Commerce

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Im ersten Teil unserer Serie zum Thema Nachhaltigkeit im E-Commerce haben wir den Versand und die Verpackung anhand von Best-Practice-Beispielen beleuchtet.

In diesem zweiten Teil konzentrieren wir uns auf unterschiedliche Geschäftsmodelle, die sich mit Nachhaltigkeit mehr oder weniger intensiv auseinandersetzen.

Nachhaltige Projekte unterstützen

Ein Trend im Bezug auf Nachhaltigkeit kann darin beobachtet werden, dass Unternehmen nachhaltige Projekte unterstützen. In welcher Form genau dies geschieht, ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich.

Eine Form, die sich beobachten lässt, ist das Unterstützen von Projekten mit einem fixen Umsatzanteil, der meistens im einstelligen Prozentbereich liegt. So handhabt dies beispielsweise Patagonia: 1 Prozent des Umsatzes spendet das Unternehmen an die Organisation 1% for the Planet.

Best-Practice-Beispiel für die Unterstützung nachhaltiger Projekte: Patagonia – Screenshot: patagonia.com

Eine weitere Ausprägung der Unterstützung von nachhaltigen Projekten ist, pro verkauftem Artikel oder pro getätigter Bestellung einen Betrag für ein nachhaltiges Projekt zu sprechen. Bekanntes Beispiel hierfür ist die Kleidermarke Nikin. Das Unternehmen pflanzt für jedes Kleidungsstück, das bei ihnen erworben wird, einen Baum.

Best-Practice-Beispiel für die Unterstützung nachhaltiger Projekte: Nikin – Screenshot: nikin.ch

Transparenz in der Lieferkette

Immer mehr Konsumierende setzen sich mit den Produkten, die sie zu erwerben gedenken, auseinander. Dabei interessiert nicht nur der Preis und die Qualität des Produkts, sondern auch, wie dieses hergestellt wurde und aus welchen Materialien. Wenn es ein Investitionskauf ist, ist der Kaufentscheidungsprozess in der Regel intensiver, als wenn es sich um ein Konsumgut handelt.

Unternehmen setzen zusehends darauf, ihre Lieferketten transparent darzulegen, sodass für die Kundschaft nachvollziehbar ist, welche Rohstoffe ein Produkt beinhaltet, aber auch, wo dieses gefertigt wurde. Unternehmen, welche die Lieferkette offen legen, achten oftmals genau auf die Herkunft der einzelnen Bestandteile. Denn wer möchte freiwillig offenlegen, dass die Fertigung des Produkts die Umwelt stark belastet oder durch Kinderarbeit zustande kommt.

So trägt die Offenlegung der Supply-Chain indirekt zu mehr ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit bei. ASKET zeigt, wie Transparenz, in mehreren Dimensionen, hergestellt werden kann.

Das Unternehmen zeigt, wie sich die Kosten des Produkts zusammensetzen, welche Arbeitsschritte wie stark nachvollzogen werden können (Rohmaterial, Herstellung des Gewebes, Herstellung des Kleidungsstücks und die übrigen Bestandteile des Kleidungsstücks wie Knöpfe oder Reissverschlüsse) und welche CO2-Emissionen das Produkt verursacht.

Best-Practice-Beispiel für volle Transparenz: ASKET – asket.com

ASKET geht noch einen Schritt weiter und listet übersichtlich auf, welche Produkte wie weit Rückverfolgbar sind. Dabei wird auch kurz beschrieben, was über das Produkt bekannt ist und welche Komponenten nicht zurückverfolgt werden können.

Best-Practice-Beispiel für die Rückverfolgbarkeit der Komponenten: ASKET – asket.com

Porträtiert werden zudem alle Betriebe, in denen Rohstoffe, Stoffe oder die Kleidungsstücke an sich produziert werden.

Best-Practice-Beispiel für Porträts der involvierten Betriebe: ASKET – asket.com

Sharing is Caring

Nachhaltiger als zu konsumieren, ist es, zu teilen, dies die Überlegung der Geschäftsmodelle, die sich auf das Sharing von Produkten fokussieren. Denn benötigt man ein Produkt nur wenig, ist es sowohl ökonomisch als auch ökologisch nicht sinnvoll Ressourcen in die Erstellung oder den Kauf zu investieren, wenn das Produkt für die benötigte Zeitspanne gemietet werden kann.

Dies zeigt sich besonders bei investitionsintensiven Anschaffungen, wie einem Fahrzeug. Wird ein Auto selten benötigt, so lohnt es sich oft nicht, ein eigenes anzuschaffen und dieses dann zu unterhalten. Abhilfe kann hier das Mieten eines Fahrzeuges schaffen. Pionier hierbei ist Mobility, das Fahrzeuge stundenweise vermietet und ein Netzwerk über die gesamte Schweiz unterhält.

Best-Practice-Beispiel für die Vermietung von Fahrzeugen: Mobility – Screenshot: mobility.ch

Produkte, die nur selten genutzt werden oder vielleicht auch einfach einmal ausprobiert werden wollen, sind weitere Objekte, die sich für die Vermietung eignen. Diese Lücke füllt Sharely aus, die das Vermieten von Alltagsgegenständen über die Plattform ermöglicht. Der Vermietende profitiert dabei von einem Entgelt, für das zur Verfügung stellen, der Mietende hingegen bezahlt nur einen Bruchteil der eigentlichen Anschaffungskosten.

Best-Practice-Beispiel für die Vermietung von Produkten: Sharely – Screenshot: sharely.ch

Secondhand

Die Herstellung eines Produkts, benötigt oftmals einen grossen Ressourceneinsatz. Diese Ressourcen nicht zu verschwenden, sondern so lange zu benötigen, bis das Produkt am Ende seines Lebenszyklus’ angekommen ist, haben sich Unternehmen zum Ziel gesetzt, die mit Secondhand-Produkten handeln.

Besonders in zwei Bereichen sind Secondhand- (oder auch Pre-Owned-)Geschäftsmodelle im Kommen. Dies bei hochwertigen Produkten, wie Luxusuhren. Ein Beispiel dafür ist Chronext. Aufgrund des Preiseinbruches für Luxusuhren ist das Unternehmen kürzlich in die Schlagzeile gerückt, da es zu Entlassungen kam.

Best-Practice-Beispiel für Secondhand: Chronext – Screenshot: chronext.ch

Der zweite Bereich, in welchem stark auf Secondhand gesetzt wird ist der Fashion-Bereich, insbesondere in der Kindermode. Besonders wenn Kinder stark im Wachstum sind, müssen in kurzen Zyklen neue Kleider beschafft und die alten Kleider entsorgt werden. Kann man die Kleider innerhalb von Freundeskreis oder Familie weitergeben oder beziehen, ist man dafür nicht auf andere Plattformen angewiesen.

Doch nicht jede*r verfügt über ein solches Netzwerk. Bei namuk kann die im Onlineshop gekaufte Kinderkleidung nach Gebrauch gleich wieder über namuk ReUse verkauft werden. Namuk Kleidung – egal in welchem Zustand – wird einem für 20% des ursprünglichen Verkaufspreises abgekauft.

Best-Practice-Beispiel für nachhaltige Geschäftsmodelle: Namuk Reuse – Screenshot: namuk-reuse.ch

Ressourcen wiederverwerten

Ressourcen sind wertvoll. Zur Förderung von Ressourcen wird oftmals ein grosser Aufwand betrieben. Beispiele dafür lassen sich viele finden und reichen von der Baumwollplantage bis hin zum Steinbruch.

Wie diese wertvollen Ressourcen wiederverwendet anstatt entsorgt werden können, haben sich einige Unternehmen überlegt. Eines dieser Unternehmen ist WYT. Das Produktangebot des Unternehmens ist sehr übersichtlich, begonnen hat es mit einem weissen T-Shirt. Mittlerweile sind auch weisse Sweatpants, Sweatshirts und schwarze T-Shirt erhältlich.

Das Konzept hinter diesen Kleidungsstücken: Sie werden hergestellt aus alten Textilien. Das Unternehmen bittet darum, ihnen die gebrauchten WYT-Kleidungsstücke zu retournieren, damit diese wiederverwendet werden können.

Best-Practice-Beispiel für die Wiederverwendung von Ressourcen: WYT – Screenshot: wearwyt.com

Ein anderes Unternehmen, das mit der Wiederverwertung von Ressourcen beginnt, ist Riposa. Die Circle-Sleep Matratzen werden vom Unternehmen kostenlos zurückgenommen. Von der Matratze lassen sich 92 Prozent des Matratzenkerns wiederverwerten. (Interessant wäre hier zu wissen, wie gross der Anteil des Matratzenkerns an der Gesamtmatratze ist). Produziert und recycelt wird in der Schweiz.

Best-Practice-Beispiel für die Wiederverwendung von Ressourcen: Riposa – Screenshot: riposa.ch


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1 KOMMENTAR

  1. Die Genossenschaft Migros Zürich hat dieses Jahr das gemeinnützige Projekt REBRICKS initiiert. REBRICKS schenkt alten Klemmbausteinen ein neues Leben und unterstützt dabei die berufliche und soziale Integration von Menschen mit Beeinträchtigung . Nicht mehr gebrauchte Spielsteine werden gesammelt, in sozialen Werkstätten gereinigt und bekommen dann als REBRICKS Spielebox die Chance auf ein neues Zuhause. Dieses Projekt soll soziales Engagement und nachhaltigen Umgang mit Ressourcen bereits von klein auf fördern.

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