Diese Schweizer Plattformen haben das Potenzial zur Super-App

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Letztens wurde im iBusiness-Magazin ein Artikel mit dem Titel «So entsteht Europas eigene Super-App»  publiziert. Den Artikel als Inspiration nehmend, legen wir in diesem Beitrag dar, welche Schweizer Plattformen das Potenzial zu einer Super-App haben, wobei eine besonders heraussticht.

Eine App für alles

Doch fangen wir von vorne an: Was ist eine Super-App? Welche Eigenschaften zeichnen diese besondere Art von App aus? Welche Super-Apps existieren bereits?

Super-Apps sind per Definition Mobil- oder Webanwendungen, die verschiedene Anwendungen auf einer Plattform vereinen. So werden auf einer App mehrere Dienste, wie Finanzen, Shopping, aber auch Chat, Terminplanung oder Mobilität mit sogenannten Mini-Apps abgewickelt. Auf solchen Plattformen können sowohl Private wie auch Unternehmen vertreten sein. Da Super-Apps alles abdecken, bilden sie ein «Ökosystem», das die Nutzenden nicht mehr verlassen müssen, was die App für diese unverzichtbar macht.

Beispiele für Super-Apps gibt es aktuell vor allem aus Asien. Das bekannteste ist wohl Tencents WeChat: Die Messenger-Plattform, über die unter anderem auch Einkäufe getätigt, Termine gebucht und ein Taxi bestellt werden (Pilotversuche im Juli 2022) können. Weitere bekannte Beispiele sind Paytm in Indien oder Grab in Südostasien. In Europa werden PayPal oder Whatsapp/Facebook wie auch teilweise Klarna als mögliche Kandidaten für Super-Apps gehandelt.

Ein Beispiel für einen Shop auf WeChat — Quelle: Shopify

Die globale Bedeutung von Super-Apps wird zunehmen: Davon gehen Marktforscher wie Gartner aus, dieser stuft Super-Apps als einen von zehn «Strategic Technology Trends» fürs 2023 ein und erwartet, dass bis 2027 mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung mehrere Super-Apps aktiv nutzen wird.

Die grössten Vor- und Nachteile von Super-Apps sind schnell aufgezählt: Der grösste Vorteil liegt in der konsistenten Nutzungsmöglichkeit ohne «Medienbrüche», was durch den Datenfluss von Mini-App zu Mini-App gewährleistet ist. Der grösste Nachteil aus Nutzersicht liegt in der Konzentration an persönlichen Daten bei einem einzigen Anbieter.

Schweizer Super-App Kandidaten

Nun zurück zur Hauptfrage dieses Artikels: Welche Schweizer Plattformen haben das Potenzial zu einer Super-App?

Weil Super-Apps vor allem «Dienstleistungen des täglichen Bedarfs» abdecken müssen, kommen Plattformen in Frage, die im Kern mindestens eine davon, d.h. Essens-/Lebensmittellieferungen, Finanzdienstleistungen, Soziale Medien/Kommunikation oder Mobilität bereits abdecken. Zudem sollte die Plattform bereits eine hohe Akzeptanz und Verbreitung bei Schweizer*innen geniessen. Folgende Schweizer Plattformen erfüllen diese Bedingungen: SBB Mobile App, Migros/Coop, Twint.

SBB Mobile

sbb_mobile_appSBB Mobile gehört zu den meistgenutzten Apps in der Schweiz und ist sehr weit entwickelt. Den Mobilitäts-Teil könnte die Plattform problemlos abdecken: Den ÖV-Teil sowieso und die Mobilität auf der Strasse könnte mit Mobility zusätzlich einfach integriert werden. Was die Chancen von SBB Mobile als Super-App-Kandidatin stark mindert, ist die Tatsache, dass das Unternehmen in Staatsbesitz ist – Banking, Shopping und Messaging würde aus Nutzersicht aus dem Kompetenzrahmen des Staates fallen und schwerlich akzeptiert.

Coop/Migros

Schweizer*innen kaufen Lebensmittel online vorwiegend bei Coop und Migros ein. Auch sind die Migros und Coop Apps bereits omnipräsent bei den Schweizer*innen, weil sie für stationäre Einkäufe genutzt werden können, fürs Self-Scanning in den Supermärkten und fürs Einlösen von Gutscheinen. Mit Microspot, Coop City, Jumbo und anderen Handelsformaten bei Coop sowie unter anderem Digitec Galaxus, Ex Libris und den Fachmärkten bei der Migros wären Nutzer*innen einer potenziellen Coop- oder Migros-Super-App über das Supermarkt-Sortiment hinaus –abgesehen vielleicht vom Bekleidungssortiment – schon sehr gut bedient. Migros könnte mit der Migros Bank auch das Thema Finanzdienstleistungen abdecken und hätte als zusätzlichen Pluspunkt noch Gesundheits-Dienstleistungen (Beitrag: Migros auf dem Weg zum führenden Gesundheitsdienstleister der Schweiz) in petto, was sie insgesamt gegenüber Mitbewerberin Coop unweigerlich in aussichtsreichere Position in der Super-App-Kandidatur bringt.

Twint

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Mit vier Millionen aktiven Nutzer*innen weist Twint eine beachtliche Reichweite auf. Der grosse Bekanntheitsgrad von Twint zeigt sich auch insofern, als dass sich für das Konzept der Smartphone-Geldüberweisung bei Herr und Frau Schweizer umgangssprachlich der Begriff «twinten» durchgesetzt hat. Twint ist ausserdem diejenige Plattform, die sich, im Unterschied zu den anderen Kandidaten, bereits sichtbar in Richtung Super-App entwickelt.

Und zwar kann in der App im Bereich TWINT+ bereits Essen via Smood oder Kaffee via Nespresso bestellt werden und mit «Super Deals» können diverse Produkte eingekauft werden. Das Thema Mobilität ist über Parkingpay abgedeckt und sogar Versicherungen können über Twint abgeschlossen werden. Fehlt eigentlich nur noch die Kommunikation, die im Kleinen schon bei Peer-to-Peer-Geldüberweisungen angeboten und genutzt wird.

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Alle Twint-Funktionen im Menü in der Übersicht (linke Spalte): Von Versichern über Super Deals bis zu Essensbestellungen ist alles mögich. — Quelle: Twint

Fazit: Twint hat unter den Schweizer Plattformen als Super-App-Kandidatin die Nase am weitesten vorn. Ob sie sich zur Schweizer Super-App mausern kann, werden die Kund*innen entscheiden unter Abwägen der Vorteile einer Plattform «für alles» und der Nachteile vor allem hinsichtlich des Datenschutzes.



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