Hypothesen für den Handel 2023

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Was beschäftigt den Schweizer Handel im 2023. Die Expert*innen bei Carpathia und Mitglieder aus dem Carpathia Experten-Netzwerk wagen einen Blick in die Glaskugel. Ein Beitrag mit Hypothesen für den Handel 2023.

David Morant, Carpathia

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  • Der Onlinehandel wächst im 2023 nominal um 8–10%, die Kategorien Fashion und Health & Beauty steigern sich überdurchschnittlich.
  • Der Fokus liegt auf Effizienzverbesserungen, um gestiegenen Löhnen und tieferen Bruttomargen entgegenzuwirken. Die Zeiten des unprofitablen Wachstums sind vorbei.
  • Im Segment der Heimelektronik kommt es zu einer Konsolidierung mit einschneidenden Filialschliessungen bei grossen Namen.

Patrick Kessler, Präsident Handelsverband.Swiss

  • Der Onlinehandel wird 2023 wieder mit 5–10 % wachsen.
  • Kristallkugel Handel generell: Der Start ins 2023 wird eher harzig (im Vergleich zum Vorjahr) aber über das ganze Jahr gibt es eine Seitwärtsbewegung.
  • Kampf um Aufmerksamkeit: Der digitale Wettbewerb um Aufmerksamkeit wird nochmals erhöht. Dies bedeutet für Unternehmen im Normalfall höhere Kosten für zielkundengerechte Ansprache in digitalen Mainstream Aktivitäten (Google, Werbeausspielung auf sozialen Medien) oder aber langfristige Investitionen in Kreativität/Überraschung, alternative (analoge) Kanäle und Identifikation mit dem Unternehmen.

Heidi Kölliker, Carpathia

  • Es gibt eine weitere Konsolidierung der Quick-Commerce-Anbieter.
  • Das Metaverse ist unter Experten weiterhin «der» Hype, die Konsument*innen interessiert das aber wenig.

 

Malte Polzin, E-Commerce-Experte

2023 wird leider ein heftiges Konsolidierungsjahr für den Schweizer Handel. «Alles, nix oder!». Amazon wird sehr stark wachsen in der Schweiz, Galaxus wird noch mächtiger werden und Shein wird auch spürbarer. Dadurch werden viele andere Händler Federn lassen müssen. Das trifft auch Onlinehändler, die nicht finanzielle Mittel haben für die nötigen Rabattschlachten und Dauer-Preiskämpfe. Gute Online-Konzepte in einer guten Nische mit genügend Kapital werden wieder wachsen können. Eventuell aber mit schlechterer Profitabilität als gewünscht. Stationär wird es definitiv weitere Pleiten geben im 2023. Ich hoffe noch auf neue gute Impulse von Marken oder neuen Konzepten.

Martin Egli, Carpathia

  • Die ersten brauchbaren KI-Chatbots mit tatsächlichem Mehrwert für die Kund*innen kommen im E-Commerce zum Einsatz und unterstützen bei der Produktwahl.
  • (E-)Commerce dehnt sich noch weiter über das internet-of-things (IOT) aus und vernetzt sich unter anderem mit intelligenten Mobilitätslösungen.
  • Die Bedeutung von Social-Commerce nimmt zu Ungunsten von grossen und unpersönlichen Produktportfolios zu.

Rémon Elsten, Managing Partner bei FORWARD

  • Preise stehen vermehrt unter Druck, auf Lieferketten kann man sich immer noch nicht verlassen, Fachkräfte zu finden wird immer schwieriger, aber die Ansprüche an einem guten Kundenservice werden immer höher.
  • Im 2023 werden insbesondere die D2C-Brands den Kundenservice weiter professionalisieren und automatisieren, damit die Qualität erhöht und die Effizienz inklusive Skalierbarkeit sichergestellt werden kann.

Alexandra Scherrer, Carpathia

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  • Aufgrund der eingetrübten Konsumentenstimmung werden die Unternehmen vermehrt den Rotstift ansetzen: Das rigorose Einstellen von nicht erfolgreichen Projekten setzt sich im 2023 fort.
  • Bei den Themen Metaversum und auch Social Commerce (wann kommt denn nun endlich dieser Direct-Checkout bei Instagram, Meta?) kehrt Ernüchterung ein und mit dem Hype rund um ChatGPT und Lensa AI gewinnt der Einsatz von KI fürs operative Geschäft wieder mehr Aufmerksamkeit.
  • Authentizität und Kreativität in der Kundensprache werden noch wichtiger, der Weg weg vom alten «conversion-getriebenen Ansatz» hin zum «purpose-driven Ansatz» geht einher mit einem Generationen-Wechsel im E-Commerce.

Jochen Krisch, excitingcommerce & Gründer der K5 Future Retail Conference

Wie schon 2022 bleiben auch 2023 Filialschließungen das grosse Thema im Handel. Für die Online-Anbieter gilt es da einfach nur durchzuhalten. Sie können im Prinzip abwarten und zusehen, wie der Strukturwandel ihnen weitere Kunden zutreibt, während Innenstädte und Shoppingcenter in der Wirtschaftskrise weiter ausbluten und für die Massen zunehmend unattraktiver werden.

Und was denken Sie: Wie wird sich der Handel Ihrer Meinung nach im 2023 entwickeln? Was sind die Trends, die Chancen und Herausforderungen? Über Ihre Gedanken in den Kommentaren freuen wir uns.



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1 KOMMENTAR

  1. Standort/Stadtentwicklung:
    Es ist eine ganzheitliche Betrachtung nötig. Wie sind attraktive Standorte zu planen um die Bedürfnisse „Einkaufen, Logistikflächen, Wohnen, Grünzonen, Kultur- und Erlebniszonen“ zu verbinden?

    Fachkräfte bzw. Arbeitskräftemangel
    Die Babyboomer gehen in Pension. Aus demographischer Sicht werden weniger Menschen in die Arbeitswelt eintreten und gleichzeitig mehr austreten.
    Die Anforderungen und Wünsche der Arbeitnehmer aus der Generation Z entsprechen nicht den traditionellen Vorstellungen von Arbeitgebern. Es sind neue Modelle und Ideen gefragt um als Arbeitgeber attraktiv zu sein.

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