Schluss mit Quick-Commerce: Alfies übernimmt Stash

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«Die Zeiten des Quick-Commerce gehen hierzulande definitiv zu Ende», lautete eine unserer Hypothesen für dieses Jahr. Diese bewahrheitet sich nun: Soeben wurde bekannt, dass der letzte verbleibende Schweizer Quick-Commerce Anbieter Stash von Alfies übernommen wird.

Alfies ist im Februar diesen Jahres in der Schweiz gestartet und gilt als «Nachfolgerin» von Qwell Express (wir berichteten). Dies nicht unbedingt, was das Angebot angeht, sondern vielmehr deshalb, weil Qwell Express ein Pilotprojekt der Mutterfirma Coca-Cola Hellenic Bottling Company war, die wiederum in Alfies investiert hat. Alfies wurde 2015 von den Brüdern Gunther und Gerald Michl sowie einem Schulfreund Thomas Ecker gegründet und ist seit sieben Jahren in Wien und seit zwei Jahren in Graz tätig.

Mit der Übernahme von Stash möchte Alfies insbesondere seine Marktposition in der Schweiz festigen, heisst es in der offiziellen Medienmitteilung. Stash wiederum ist froh, mit Alfies eine gute Nachfolgelösung gefunden zu haben, um die treuen Kundinnen und Kunden weiter bedienen zu können.

«Bisher hat es noch kein Quick-Commerce-Anbieter geschafft, das Geschäftsmodell profitabel zu betreiben. Mit Stash waren wir auf gutem Weg dazu und haben in den letzten Jahren gelernt, was es bräuchte. Auf Stash-House-Level waren wir bereits profitabel und hätten die Profitabilität mit 15 Houses erreicht», sagt Verwaltungsratspräsident Remo Hansen.

Hätte Stash mehr Zeit gehabt, hätten sie diesen Proof of Concept vielleicht erbringen können. Das aktuelle Marktumfeld machte den Quick-Commerce-Start-up allerdings einen Strich durch die Rechnung: Investoren-Geld aufzutreiben stellte sich zu einem Ding der Unmöglichkeit heraus. Sicher nicht geholfen hat, dass auch im Ausland Quick-Commerce mit dem Rückzug von Getir aus Deutschland keinen guten Stand hat.

Unsere Einschätzungen zu dieser Übernahme:

  • Alfies übernimmt bei diesem Deal die Kundenbasis und die Marke, nicht übernommen werden Logistik, Technologie (Shop, App, Bestellsystem) und die Mitarbeitenden; bei nicht Weiterführen insbesondere der beiden Bestellkanäle und der Logistik kann davon ausgegangen werden, dass die Marke Stash aus dem Schweizer Markt verschwinden wird
  • dies ist schade, zumal Stash eine bekannte Marke war; ein Asset, der sich Alfies in der Schweiz erst einmal aufbauen muss
  • auch das Quick-Commerce-Angebot von Stash (Lieferung innert Minuten), Mindestbestellwert CHF 10 wird Alfies so wohl nicht weiterführen, in Alfies‘ Communiqué wird auf das Lieferversprechen von 60-120 Minuten hingewiesen
  • neben Alfies wären auch die zwei grossen Schweizer Detailhändler Migros und Coop als Käufer in Frage gekommen; vermutlich sahen diese von einem Kauf ab, weil sie sich selbst bereits bei ähnlichen Versuchen (heymigrolino, Food Now) schon die Finger verbrannt hatten und im Allgemeinen auf Sparkurs sind

Stash wird noch bis kommenden Samstag liefern, am Sonntag werden Webshop und App auf Alfies umgeleitet.



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