Aus für Migros Fachmärkte – Unsere Einschätzung

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Es rumpelt gehörig beim MGB am Limmatplatz. Der letzte Knall erfolgte am Dienstag mit der Information (Medienmitteilung), dass melectronics von MediaMarkt übernommen wird und für die Fachmärkte Micasa, Do it + Garden sowie Bike World neue Eigentümer gesucht werden. Im Folgenden unsere Einschätzung zu diesen beiden Entscheiden.

Verkauf melectronics an MediaMarkt

  • MediaMarkt übernimmt 20 der insgesamt 37 Standorte von melectronics und übernimmt die dort tätigen Mitarbeitenden und Lernenden sowie die Kundendatenbank. Weitere „Assets“ wie die Händlermarke melectronics, Produkt-Eigenmarken, IT-Infrastruktur und Lieferantenbeziehungen werden eingestampft und wertlos.
  • Die Migros ist happy, dass durch den Deal zumindest ein Teil der Standorte und damit Arbeitsplätze und Mieteinnahmen gesichert werden. MediaMarkt wird den Genossenschaften mutmasslich jedoch einen signifikant tieferen Mietzins bezahlen als melectronics zuvor.
  • Ein Verkauf suggeriert in der Öffentlichkeit einen Geldfluss vom Käufer zum Verkäufer. Ob und wie hoch bei dieser Transaktion der Geldfluss ist, ist nicht öffentlich bekannt. Die Migros ist wohl glücklich, überhaupt einen Abnehmer gefunden zu haben.
  • MediaMarkt, selbst in einer tiefgreifenden Transformation, hat sich die attraktivsten Standorte mit besten Frequenzen herausgepickt. Im Rahmen ihrer Omni-Channel-Strategie wollen sie mit kleineren Flächen näher zum Kunden. Ob das wirtschaftlich aufgeht im Umfeld tiefer Margen, hoher Onlineanteile und vergleichbarer Mitbewerber wie Interdiscount und Fust? Handkehrum, welche strategischen Alternativen gäbe es überhaupt sonst noch? Online sind Digitec und Brack meilenweit voraus.

Start Verkaufsprozess für Micasa, Do it + Garden und Bike World

Der Entscheid von Mario Irminger, die drei Fachmärkte abzustossen, ist mutig und richtig. Dies sind die Gründe:

  • Micasa, Do it + Garden und Bike World sind nicht „Best in Class“, sondern „Stuck in the Middle“. Sie sind weder Fachhändler noch Preis-Leistungs-Anführer. Und Preis-Leistungs-Sieger müssen sie sein für ihre Daseinsberechtigung. Da haben jedoch Anbieter wie IKEA, Jumbo und Decathlon die Nase vorn.
  • Sinn und Zweck der Migros ist es, dank genossenschaftlicher Organisation Produkte und Dienstleistungen für Grundbedürfnisse in gleicher oder höherer Qualität zum besseren Preis anzubieten, als dies Mitbewerber tun. Das ist/war die Grundidee bei Lebensmitteln (Migros Supermarkt), Ferien & Freizeit (Hotelplan) und seit jüngster Zeit Gesundheitsdienstleistungen (Medbase). Nun gibt es bei Möbeln, Baumarkt-Artikeln und Velos überall Anbieter mit nachhaltig besseren Angeboten, womit die Daseinsberechtigung der Migros Formate entfällt. Denn die Migros gehört uns allen und es ist schlicht nicht Aufgabe dieser Organisation, mit mittelmässigen und teils quersubventionierten Angeboten den Schweizer Markt zu bedienen.
  • Neben der Frage der Daseinsberechtigung sind die drei Fachmärkte auch finanziell seit Jahren keine Cashcows. Mangelnde Skaleneffekte, verkrustete IT-Infrastrukturen, ineffiziente Prozesse und nicht zuletzt hohe Mietzinsen sorgen bestenfalls für eine Schwarze Null. Mitbewerber sind agiler und schlanker unterwegs und haben die Migros-Formate schlicht überholt.
Micasa und Do it + Garden: Am liebsten draussen aus dem Migros Imperium, Quelle: Micasa

Aber wer soll nun die drei Formate übernehmen? Händlermarken ohne Emotionalität, bedingt attraktiven Standorten und tiefer Ertragskraft. Ob sich da Käufer finden oder dürfen sich die Mitbewerber schon bald auf frei werdende Umsatzvolumen freuen?



1 KOMMENTAR

  1. Mich stört vor allem das die Migros immer wider versprochen hat offen zu sagen wie es mit den weiteren Schritten weiter geht….. Was ja leider nicht stimmte. Manche ehemaligen Mittarbeiter erfuhren davon erst aus den Medien was die närchsten Schritte sind. Jetzt macht die Aufspaltung auch noch mehr sinn.. Wiso das es Supermarkt und Fachmarkt AG gab. Allso wusste die Migros schon damals das Sie den gross Teil verkaufen will… Allso wider nichts mit offener komunikation…… Wie soll man so ein Betrieb noch ernst nehmen?

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