Wir waren an der K5 Future Retail Conference 2024

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Auch in diesem Jahr hatten wir das Vergnügen, mit dem Carpathia-Team an der K5 FUTURE RETAIL CONFERENCE 2024 in Berlin teilzunehmen. Die Konferenz öffnete am 25. und 26. Juni für rund 4’000 Besucherinnen und Besucher ihre Tore. Ein herzlicher Dank geht an das gesamte Team der K5 für die erneut grossartige Konferenz.

K5 Future Retail Conference 2024 in Berlin
K5 Future Retail Conference 2024 in Berlin (Quelle: K5)

Wir kehrten mit neuen Erkenntnissen und frischen Impulsen zurück. In diesem Beitrag haben wir die Einblicke, die uns am meisten beeindruckt haben, für Sie zusammengestellt:

K5 Thesen zum Handel

Traditionsgemäss startete die K5 Future Retail Conference inhaltlich wieder mit den Thesen zum Handel: Fünf Expertinnen und Experten äusserten sich darüber, wie es um den Handel steht und wie dieser sich weiterentwickeln wird.

Eröffnet wurde die Session mit Johannes Altmann von einer alteingesessener E-Commerce-Persönlichkeit. Er äusserte sich im Gegensatz zu seinen Kollegen kritisch zum Temu-Hype. Sein Argument dafür, warum Kunden weiterhin bereits sein werden, einen Hoodie für 150 Euro, statt für 15 Euro zu bezahlen, war: «Sehnsucht nach Zugehörigkeit ist unsere Chance.» Konkret meinte er damit Kunden, die bei Bergzeit einen Ortovox-Pullover bestellen, weil sie sich mit dieser Community identifizieren können – ein Gefühl, das Temu nie vermitteln können wird.

Karo Junker de Neui, Geschäftsführerin von Etribes, wiederum appellierte ans Publikum, das sich verändernde Einkaufsverhalten aufgrund von KI zu berücksichtigen. Ihre These: «Conversational Commerce hat das Potenzial zum stärksten E-Commerce-Kanal.» Erstmals könnten Marken kontextualisierte, relevante Empfehlungen und echte Kuration im E-Commerce realisieren. Wer diesen Gamechanger frühzeitig nutze, werde einen klaren Vorteil haben.

Eine weitere These, die hängenblieb, kam von Stefan Wenzel, ebenfalls langjähriger E-Commerce-Experte. Seine These: «Wer den Kundenzugang verliert, verliert» mag auf den ersten Blick nicht so provokant sein, seine Argumentation hat dafür umso mehr wachgerüttelt, er zeigte nämlich auf, dass der E-Commerce, was die Nutzungsdauer angeht, zu den Verlierern gehört: Auf Amazon würden Nutzer täglich 11 Minuten verbringen, auf Temu immerhin 22 Minuten, auf TikTok aber ganze 60 Minuten. Wenzel sieht Customer Engagement klar als neue Währung bzw. wichtigen KPI für den E-Commerce.

STORE – The State of Online Retail

Gleich nach der K5-Eröffnung mit den Thesen zum Handel präsentierte Jochen Krisch (Gründer K5 & Exciting Commerce) seine Sicht zum Status Quo und Trends des Online Retails. Er umrahmt die drei folgenden Themengebiete: Die grosse Chinawelle, (Food) & Delivery und Innovationstreiber.

Die grosse Chinawelle umfasst die Consumer-to-Manufacturer Plattformen Temu und Shein, die mit mächtigem Produzentennetzwerk, unglaublicher Marketingpower und Tiefstpreisen westliche Anbieter und Druck setzen, zusätzlich befeuert vom chinesischen Staat und der kürzlich vorgestellten Silk Road E-Commerce.

Im Bereich (Food) & Delivery spielt die Musik bei den Anbietern Doordash, Uber Delivery und Delivery Hero. Die Positionierung als Gatekeeper zum Mega-Markt Food ist hochspannend, der Beweis ein profitables Geschäftsmodell zu betreiben, steht hingegen weiterhin aus.

 

STORE – The State of Online Retail (Quelle: exitingcommerce)

Kurzer Exkurs zum E-Food-Morgen an der K5: Auf der Bühne präsentierten sich mit Ocado, Knuspr, Crisp und Wolt vier Unternehmen, die jeweils unterschiedliche Business-Ansätze repräsentieren und ihre eigene Daseinsberechtigung unterstreichen.

Sven Rittau und Experte Udo Kiessling waren sich im Wrap-up einig, dass es keinen universellen Blueprint im E-Food gibt. Sie verglichen die Situation mit dem Automarkt, in dem es Angebote vom Kombi bis zum Sportwagen braucht. Klar ist, dass der derzeit geringe Onlineanteil im E-Food-Bereich (je nach Reifegrad des Landes zwischen 3% und 13%) gesteigert werden muss. Je grösser der Marktanteil insgesamt und der einzelnen Akteure, desto besser ist die Planbarkeit des Geschäfts. Sie stellten fest, dass die E-Food-Anbieter sich kontinuierlich weiterentwickeln und in den letzten Jahren immer professioneller geworden sind.

Spannend auch die Aussage, dass die Geschwindigkeit, also Quick-Commerce, sekundär ist. Der Hauptfokus müsse auf Verlässlichkeit, Convenience und Service gelegt werden. In Korea beispielsweise geht es bereits um die Differenzierung vor der Haustür; Unterstützt der Fahrer auch beim Einräumen der Ware und nimmt er das Altpapier gleich mit?

Zurück zu Jochen Krisch und den Status Quo und Trends des Online Retails: Am liebsten jedoch richtet Jochen Krisch seinen Blick auf Innovationstreiber und hier sieht der Retail-Experte grosses Potential im Bereich neuer Shoppingoberflächen und User Interfaces: „Im Prinzip lebt der E-Commerce immer noch in einer Yahoo! Welt mit traditionellen Begrifflichkeiten wie ‚Shoppingportale‘, ‚Produktkataloge‘ und ‚Storefront‘ und das schon seit 20 Jahren“. Nun scheint der Zeitpunkt für neue Benutzeroberflächen im E-Commerce gekommen.

Branchenfremde Social Media, Dating Apps und Games haben mit „Feeds“, „Threads, „Swipes“ und „Maps“ neuartige Interaktionsformen mit durchschlagender Nutzerakzeptanz eingeführt. So erzielt TikTok mit seinen Feeds eine viel längere Verweildauer und höhere Engagement Rates als traditionelle Onlineshops. In Kombination mit dem in den USA bereits gestarteten Onlinemarktplatz bietet TikTok Shop so eine komplett neue Experience mit Bewegtbild und Live-Faktor.

KI ist zusätzlich ein wichtiger Innovationstreiber, zunehmend von ausserhalb der Shopsysteme kommend von Betriebssystemen und Internet-Browsern. Circle to Search von Android und Apple Intelligence sind Beispiele mit Disruptionspotential, um das Shoppingerlebnis intuitiver, natürlicher und effizienter zu gestalten.  Jochen Krisch schliesst mit den Worten, dass gute Interfaces Multi-Milliarden-Potential haben und die komplette Branche aushebeln können.

Recycling, Secondhand & Mieten: Wie stehen die Aussichten?

Paneldiskussion mit Benjamin Mandos, CEO von GOT BAG (Rucksäcke aus recyceltem Plastik), Kristina Heinemann, Co-Founderin von nomadi (Mietmodell für Kinderkleidern) und Lenia Karallus, CCO Fashion bei momox (Secondhand-Plattform).

In den letzten 24 Monaten haben die drei Panelteilnehmenden spannende Entwicklungen beobachtet: Die steigenden Preise für Neuprodukte machen Kunden weniger preissensibel gegenüber nachhaltigen Produkten und Secondhand-Angebote werden noch stärker nachgefragt als je zuvor. Nomadi stellt zudem fest, dass die Akzeptanz für Mietmodelle erheblich gewachsen ist. Häufig hört man nun: „So etwas kauft man doch nicht mehr, so etwas mietet man.“

Die Speaker verweisen zudem auf bereits eingeführte sowie geplante Regulierungen, die in Kraft treten und somit die gesetzlichen Grundlagen für mehr Nachhaltigkeit und Zirkularität schaffen werden.

Eine sehr spannende Zielgruppe wird in der Generation Z gesehen. Die Generation ist äusserst divers – von Luxus bis Temu ist alles beliebt, was vor allem die Secondhand-Angebote attraktiv macht. Die älteren Vertreterinnen der Generation Z sind mittlerweile fast 30 Jahre alt und gründen Familien, was den Bedarf an flexiblen Lösungen wie Mietkonzepten und Secondhand-Angeboten, die Nachhaltigkeit und Erschwinglichkeit vereinen, weiter steigert.

Alle drei Panelteilnehmenden ermutigen andere Händler, zirkulärer und nachhaltiger zu werden. Neben dem regulären Geschäft sollte unbedingt ein solcher Stream aufgebaut werden, ohne Angst vor Kannibalisierung. Denn wenn man es selbst nicht macht, tut es ein anderer. Wichtig ist jedoch: Im Re-Commerce sind spezifische Prozesse und Kenntnisse entscheidend. Vernetzung und Austausch mit anderen Händlern sowie kontinuierliche Weiterbildung sind ein Muss.

Tipp für Skeptikerinnen: Wer sich für das Thema GreenRetail und dessen Potential interessiert, kann sich die SCORE! 2023 Keynote von Friederike von Waldenfels anhören.

Next Generation E-Commerce

Auf der CRIF Stage war der Bundesverband E-Commerce & Versandhandel Deutschland (BEVH) zu Gast, welcher eine Studie zu „Next Generation E-Commerce“ vorstellte, in der 930 Jugendliche im Alter von 18-25 Jahren befragt wurden. Die Studie des BEVH liefert spannende Einblicke in das Kaufverhalten der jungen Generation im Detailhandel und E-Commerce, einschliesslich des wachsenden Bewusstseins für Nachhaltigkeit. Für die Inspiration und Information sind Soziale Medien wie Instagram, Tiktok und YouTube weiterhin der zentrale Anlaufpunkt. Jugendliche besuchen physische Geschäfte nur gezielt und bevorzugen ein nahtloses Online-Offline-Einkaufserlebnis.

Die Generation Z wird stark von omnipräsenten Marken in den sozialen Medien beeinflusst, was ihr Kaufverhalten prägt. Obwohl viele Jugendliche Interesse an nachhaltigem Konsum zeigen, spielt Materialismus immer noch eine grosse Rolle. Weiterhin sind der passende Preis und die richtigen Marken ausschlaggebend.

Die Studie zeigt, dass mit zunehmendem Alter und Einkommen das Verantwortungsbewusstsein sowie das Interesse an Nachhaltigkeit steigt. Zudem wurden Unterschiede im Kaufverhalten zwischen den Generationen beobachtet, wobei die Gen Z das Einkaufen nicht mehr als Freizeitaktivität betrachtet, sondern gezielt einkauft. Händler müssen folglich ihre Kunden und Kundinnen noch besser kennen und sofort ein passgenaues Angebot zur richtigen Zeit an richtiger Stelle präsentieren.

KI wird Online schon bald eine wichtige Rolle bei der Produktsuche und Ergebnisausspielung einnehmen. Insgesamt verdeutlichen die Studienergebnisse, wie wichtig es für Detailhändler ist, sich an die sich wandelnden Vorlieben und Gewohnheiten der Konsumenten anzupassen, um stets ein relevantes Angebot bereitzuhalten.

«Was kostet mich mein Denken!?» – Ein (denk) Anstoss zum Abschluss

«Was kostet mich mein Denken!?» – Dieser Programmpunkt stach aus dem Programm hervor, da es nicht primär um den Handel oder E-Commerce ging. Dennoch war die vermittelte Lektion hochrelevant für die Situation, in der sich der Handel heute befindet.

Jens Corssen, ein Vorreiter in der Verhaltenstherapie und Persönlichkeitsentwicklung, weihte die Zuhörer und Zuhörerinnen in das Konzept des «Selbst-Entwicklers» ein. Dabei stand eine Botschaft im Vordergrund. Wir alle sollen aufhören uns zu beklagen und ins Tun kommen, auch wenn es zu Beginn kleine Schritte sind. Veränderung und Entwicklung kommt durch Tun und nicht durch das reine Nachdenken und Verstehen-wollen.

Wenn wir schauen, was im Handel gerade geschieht – Machtverschiebungen im internationalen Wettbewerb, neue Technologien, Herausforderungen in der Supply Chain und stagnierende Absätze, um nur ein paar Faktoren zu nennen – wird es offensichtlich, dass sich eine Komplexität mit einem enormen Veränderungspotential aufgebaut hat.

Zwar finden sich ausgewiesene Experten zu den unterschiedlichsten Themen, die eine Entwicklungsrichtung zu ihren Fachbereichen begründen können, jedoch ist eine zuverlässige Vorhersage der Entwicklung im Handel aufgrund der komplexen Zusammenhänge nicht möglich.

Es wird aber klar, dass grössere Veränderungen im Handel anstehen. Die Frage ist nun, wer am besten mit den neuen Möglichkeiten und Herausforderungen umgehen kann. Es wird nicht der sein, der im Status Quo verharrt, bis er verstanden hat, sondern es wird der sein, der mit kleinen Schritten ins Tun kommt und Erfahrungen sammelt.

Übrigens: Die K5 ist die «Schwester-Konferenz» der SCORE! Verpassen Sie nichts und sichern Sie Ihr Ticket für die SCORE! 2025 zum Frühbucherpreis. Nur bis zum 10. Juli 2024.



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