Secondhand ist ein Wachstumsmarkt: Je nach Definition und Quelle wird das weltweite Marktvolumen im Jahr 2024 auf über 500 Mrd. USD geschätzt. Für die kommenden fünf bis zehn Jahre wird ein jährliches Wachstum von rund 10 % prognostiziert – damit könnte der Markt auf über eine Billion US-Dollar anwachsen. In der Schweiz schätzen wir den Markt fürs Jahr 2024 auf rund CHF 1.7 Mrd. (exkl. Fahrzeuge). Getrieben wird der Secondhand-Trend vor allem durch das gestiegene Bewusstsein für Nachhaltigkeit sowie durch attraktive Preise.
In diesem Beitrag werfen wir wieder einen Blick auf die Schweizer «Secondhand-Landschaft»: Welche Aktivitäten gibt es von bestehenden Anbietern, welche neuen Anbieter gibt es und welche sind verschwunden?
Die Anbieter auf einen Blick
In unserem Zielscheiben-Diagramm haben wir die Anbieter wie folgt kategorisiert: In den äusseren Kreis gehören reine Secondhand-Plattformen, welche nur zwischen Käuferinnen und Käufern vermitteln.
In den mittleren Kreis gehören Händler oder Marken, die den C2C-Verkauf auf einer von ihnen zur Verfügung gestellten Plattform ermöglichen. Je nachdem ist der Händler hier selektiv und lässt nur Produkte wiederverkaufen, die er selbst im Sortiment führt bzw. dem Kunden zuvor neu verkauft hatte oder er ist offen für alle Produkte in einer bestimmten Kategorie.
In den inneren Kreis gehören Anbieter, welche Secondhand-Produkte (zurück)kaufen, diese prüfen, vielleicht sogar reinigen und reparieren oder sogar upcyceln (neue Produkte daraus herstellen) und diese dann wieder auf eigenen Kanälen verkaufen.

Viele neue Anbieter und zwei Abschiede
Inzwischen finden sich 31 aktive Anbieter auf unserer Übersicht. Seit letztem Jahr sind acht neue (AuctionShack, Dasselbeingrün, exsila, Jusit, Petit Marché, Rework, Secondklick, Velocorner) dazugekommen. Diese wurden aber nicht im vergangenen Jahr neu gegründet, sondern waren bei unserer ersten Übersicht lediglich noch nicht aufgeführt. Nicht mehr aktiv sind Kidis und Kleiderberg: Kidis wurde im letzten Jahr von Petit Marché (wir berichteten) übernommen, Kleiderberg von Marko.
Die meisten Anbieter gibt es in den Kategorien Luxury sowie Fashion & Accessoires. Ebenfalls einige Anbieter gibt es in der Kategorie Electronics. Hier sind es vor allem Anbieter, die Geräte wie Laptops, Tablets oder Smartphones gegen Bezahlung zurücknehmen, diese wieder aufbereiten und verkaufen. In den Kategorien Lifestyle & Hobby sowie Home & Living sind erst wenige Anbieter zu finden.
Marktlücken und Chancen
Auffällig am Schweizer Secondhand-Markt ist die nach wie vor starke Fragmentierung im Fashion-Bereich. Im Gegensatz zu anderen Ländern fehlen hierzulande dominante Anbieter wie etwa Vinted. Nach unserer Einschätzung liegt das vor allem daran, dass diese grossen Player in ihren bestehenden Märkten noch erhebliche Wachstumspotenziale sehen. Der Schweizer Markt hingegen erscheint ihnen – nicht zuletzt aufgrund seiner Besonderheiten wie Mehrsprachigkeit oder dem Schweizer Franken – bislang als zu wenig attraktiv.
Ebenfalls auffällig ist, dass vor allem Händler und dedizierte Plattformen im Secondhand aktiv sind. Klassische Marken gibt es neben namuk noch keine. Wir gehen davon aus, dass sich auch hier in den kommenden Jahren einiges bewegen wird. Anzeichen dafür gibt es bereits von Marken wie On oder Patagonia, die in den USA bereits über eigene Kanäle «Pre-loved» Artikel verkaufen.
Gerade für Marken im Luxussegment, im höherpreisigen Fashion-, Lifestyle- oder Home & Living-Bereich sowie für Marken mit klarer Nachhaltigkeitsstrategie bietet der Einstieg ins Secondhand-Geschäft spannende Chancen. Dies sicher weniger als spannende zusätzliche Erlösquelle, sondern vielmehr als wirkungsvolles Instrument, um den direkten Kundenzugang zurückzugewinnen und die Kundenbeziehung langfristig zu stärken.
Updates der Anbieter aus dem In- und Ausland
Bei den etablierten Plattformen hat sich im vergangenen Jahr einiges getan: Branchenprimus Ricardo beispielsweise wurde Digital Commerce Champion 2025 und hat sich damit gegen mehr als 140 andere Bewerbungen durchgesetzt. Diese Woche erst war Ricardo wieder in den Medien, da die Swiss Marketplace Group, zu der Ricardo gehört, den Börsengang für in rund eineinhalb Wochen ankündigte mit einer angestrebten Marktkapitalisierung von 4.2 bis 4.5 Milliarden Schweizer Franken.
Digitec Galaxus hat noch im Herbst des vergangenen Jahres kommuniziert, dass sie den Re-Commerce-Prozess deutlich vereinfacht hätten. Verkäuferinnen können seither vorfrankierte Versandetiketten nutzen und ihre Ware mit wenigen Klicks verschicken. Damit machte Digitec Galaxus ihr Re-Commerce-Angebot spürbar niederschwelliger.
Aus dem Ausland gab es ebenfalls spannende News: So vermeldete etwa der bayerische Outdoor-Händler Bergzeit fürs Geschäftsjahr 2024/25, dass das Secondhand-Geschäft Bergzeit Re-Use einer der wesentlichen Wachstumstreiber gewesen sei. Die Verkaufszahlen hätten sich im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht.
Aus Frankreich wurde bekannt, dass die Secondhand-Fashion-Plattform Vinted gemessen am Umsatz inzwischen zur grössten Modehändlerin aufgestiegen ist. Laut einer Verbraucherumfrage des französischen Fashion-Instituts IFM machen Secondhand-Verkäufe inzwischen 10.9 % des gesamten Verkaufsvolumens aus.
Die Buchhandelskette Thalia, die über die Schweizer Thalia Bücher AG sowie das Joint Venture mit Orell Füssli indirekt auch im Schweizer Markt präsent ist, startete vor kurzem ein Online-Gebrauchtbuchankauf: Kunden können ihre Bücher per App oder Website verkaufen und erhalten eine Thalia-Geschenkkarte als Gegenwert.
Wir haben einen Anbieter in der Übersicht vergessen? Melden Sie sich bei uns unter kontakt@carpathia.ch oder als Kommentar auf unseren LinkedIn-Beitrag. Vergessen gegangene Anbieter werden wir im Update-Beitrag im nächsten Jahr in der Grafik ergänzen.















