Rossmann in der Schweiz – ambitioniert, aber hinter den Erwartungen

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2018

Der deutsche Drogeriemarkt-Riese Rossmann hat seine ersten Filialen in der Schweiz eröffnet – und das Wachstum nimmt langsam Fahrt auf. Nach dem Start Ende 2024 im Emmen Center (LU) folgten Standorte in Biel, Brunnen, Ebikon, Rapperswil-Jona, Wallisellen und eine zweite in Emmen.

Neu hinzu kommen gleich zwei weitere Filialen in Kriens:

  • Hofmatt-Center Kriens, Eröffnung am 20. November 2025

  • Pilatusmarkt Kriens, aktuell im Baugesuchsverfahren, Eröffnung 2026 geplant

Damit betreibt oder plant Rossmann aktuell sieben Schweizer Standorte. Das Ziel bleibt ambitioniert: 100 Filialen in fünf bis sechs Jahren.

Bürokratie statt hohe Mieten: Wo es stockt

Rossmann hinkt dem eigenen Zeitplan deutlich hinterher. Ursprünglich waren 15 Filialen bis Ende 2025 angekündigt – realistisch bleiben acht.

Laut Handelszeitung liegt das nicht an hohen Mieten, sondern an langwierigen Bewilligungsverfahren, Umnutzungsauflagen und komplizierten Mietverhandlungen. Besonders die Migros sorgt indirekt für Verzögerung: Sie besitzt viele geeignete Flächen, vermietet diese aber nicht an direkte Konkurrenten wie Rossmann.

Rossmann greift daher zunehmend auf leerstehende ehemalige DEPOT-Standorte zurück – also frühere Läden der Migros-Tochter Gries Deco, die 2024 aufgegeben wurden. Eine bestätigte Übernahme von Do it + Garden-Flächen hat bislang nicht stattgefunden, auch wenn Rossmann laut Medienberichten Interesse an solchen Standorten gezeigt hat.

Filialbesuch: Viel Ware, wenig Raum

Wir haben die neue Rossmann-Filiale im Glattzentrum besucht.
Optisch wirkt sie modern und sauber gestaltet – dennoch erinnert das Einkaufserlebnis stark an eine Action-Filiale. Die Regale stehen eng, die Gänge sind schmal, und es wird sichtbar auf maximale Flächennutzung gesetzt.

Wie bei Action fällt die hohe Personalpräsenz auf: Viele Mitarbeitende sind ständig unterwegs, füllen Regale auf oder reinigen die Flächen. Auch die Headsets erinnern an Action – effizient, aber unpersönlich. Das Personal ist laufend in Bewegung, doch Beratung oder Interaktion mit Kundinnen und Kunden bleibt auf der Strecke.

Das Konzept wirkt klar auf Effizienz und Produktdichte ausgelegt – weniger auf Einkaufserlebnis oder Atmosphäre.
Wir haben bereits im Sommer über Action und dessen Ladenkonzept berichtet – die Parallelen zum niederländischen Discounter sind dabei unverkennbar.

Die Rossmann-Filiale im Glattzentrum Zürich
Regale dicht bestückt mit Eigenmarken wie enerBiO und Alnatura – ein Sortiment zwischen Drogerie, Food und Bio-Feinkost.
Saisonales und Deko-Sortiment: Grosse Auswahl, enge Regalstruktur – der Fokus liegt klar auf Sortimentsbreite statt Erlebnis.
Kosmetikbereich mit bekannten Marken wie L’Oréal, Manhattan und NYX – Rossmann kombiniert Eigenmarken und internationale Brands.
Typisch Rossmann: hohe Produktdichte, enge Gänge und stark frequentierte Regale – Effizienz vor Atmosphäre.

Preisstrategie: Unter Schweizer Niveau, aber über Deutschland

Rossmann positioniert sich in der Schweiz als preisbewusste Alternative zu Migros und Coop.
Laut CEO Raoul Rossmann liegen die Schweizer Preise 30 bis 50 % über dem deutschen Niveau, sollen aber deutlich unter den Schweizer Marktpreisen bleiben.

Eine Stichprobe von K-Tipp kam allerdings zu einem anderen Ergebnis: Migros war bei mehreren Drogerieartikeln günstiger als Rossmann und Müller.

Carpathia Preisvergleich: Eigenmarken im Test

Carpathia Preisvergleich: Drogerie-Eigenmarken Schweiz 2025

Unsere Carpathia-Stichprobe zeigt deutliche Preisunterschiede zwischen den Pflegeprodukte-Eigenmarken. Rossmanns Isana positioniert sich in fast allen Kategorien als günstigste Marke – teils mit deutlichem Abstand.

Pro 100 ml liegt Isana bei Shampoo (CHF 0.42) und Duschgel (CHF 0.25) klar unter Migros I am (CHF 0.78 / 0.72) und Coop well (CHF 1.18 / 0.72). Auch bei Deo für Damen und Herren bleibt Rossmann mit rund CHF 1.20 pro 100 ml deutlich günstiger als Migros (CHF 2.50) und Müller (Aveo, CHF 3.50).

Nur beim Haarwachs und bei der Handcreme wird Rossmann überholt: Coop well bleibt mit CHF 2.63 pro 100 ml beim Stylingprodukt an der Spitze, während Rossmann mit CHF 3.93 pro 100 ml teurer ist.

Müller positioniert sich preislich insgesamt im Mittelfeld: günstiger als Coop well, aber meist über Rossmann und teilweise über Migros I am. Damit wirkt Müller weniger aggressiv in der Preisgestaltung und zielt stärker auf Kundschaft, die bekannte Marken und ein breiteres Sortiment sucht – weniger auf reine Preisführerschaft.

Im Durchschnitt liegt Rossmann damit 30 bis 60 Prozent unter den Preisen der Schweizer Eigenmarken. Die Marke tritt als preisbewusste, aber nicht billig wirkende Alternative auf.

Das bestätigt Rossmanns Positionierung: „Deutscher Preis, Schweizer Standort“ – mit Fokus auf ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis im Alltagssortiment.

Marktumfeld: Ein gesättigter Markt mit starker Konkurrenz

Der Schweizer Drogeriemarkt der Grossverteiler ist hart umkämpft:

  • Müller ist mit 95 Filialen der klare Marktführer im stationären Segment.

  • Migros und Coop decken das Drogeriesortiment mit starken Eigenmarken ab und verfügen über ein dichtes Filialnetz.

  • DM ist bislang nur indirekt über Galaxus und Manor präsent.

Rossmann kommt damit spät in einen reifen Markt, profitiert aber von hoher Markenbekanntheit durch Grenzshopping und von der Kooperation mit Brack.ch (seit 2020), die die Eigenmarken auch online verfügbar macht.

Digitalstrategie: App ja, Onlineshop später

Ab Januar 2025 ist die Rossmann-App auch in der Schweiz verfügbar – mit digitalen Prospekten, Aktionen und Bonuspunkten.
Ein eigener Schweizer Onlineshop ist laut Unternehmensführung nicht ausgeschlossen, aber noch kein Fokus.
Langfristig wird dieser Schritt jedoch notwendig sein, um dem digitalen Konsumverhalten der Schweizer Kundschaft gerecht zu werden.

Fazit

Rossmann bringt Bewegung in den Schweizer Drogeriemarkt – aber der Markteintritt zeigt, wie komplex der Detailhandel hierzulande ist.
Mit aktuell acht Filialen liegt Rossmann deutlich unter dem ursprünglichen Ziel, bleibt aber entschlossen, Fuss zu fassen. Wenn Rossmann das Expansionstempo erhöhen und mittelfristig digital anschliessen kann, dürfte der deutsche Riese die etablierten Platzhirsche spürbar unter Druck setzen.



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