Wir waren am AI Commerce Leaders Connect dabei – in diesem Beitrag fasst Autor Tobias Nordmann, der seitens Carpathia die Sichtweise auf die KI-Themen vertrat, die spannendsten Erkenntnisse zusammen.
Am Donnerstagmorgen, den 5. Dezember fand das AI Commerce Leaders Connect in Zürich Oerlikon statt. Shopify hatte zum Anlass eingeladen und ein reichhaltiges Frühstück offeriert. Mit über 30 Entscheidungsträger*innen von führenden Händlern, Marken und Dienstleistern war der lange Tisch bis auf den letzten Platz besetzt. Cindy Candrian, Gründerin der Delta Labs, Benedikt Merl von der Agentur Creativestyle und Tobias Nordmann von Carpathia waren zusätzlich als Expert*innen eingeladen. Das Gespräch wurde von Tim Bielski, Solutions Engineering Manager bei Shopify, moderiert.
Eine geballte Ladung an KI-Know-How
Gleich bei der ersten Frage wurde klar, was für eine geballte Ladung an KI-Know-How im Saal präsent war. «Was ist euer neuster KI-Lifehack», fragte Tim Bielski in die Runde. Die Antworten reichten vom stets zugeschalteten Sprachassistenten, der im Alltag mitarbeitet und Tasks erledigt, zur Umwandlung trockener Lektüre in spannende Podcasts mit NotebookLM über die Ferienplanung im KI-Browser bis zur KI-gestützten Programmierung von Games in der Freizeit.
Hier hakte Tim Bielski ein und berichtete von den tiefgreifenden Transformationen, welche Shopify im eigenen Unternehmen angestossen hat: Von allen Mitarbeitenden wird erwartet, dass sie konstant mit KI-Anwendungen experimentieren. Dabei werden auch ausserhalb der technischen Teams viele Aufgaben mittels KI-gestützter Programmierung automatisiert. Die Use Cases werden systematisch im Unternehmen geteilt. Dadurch gelingt eine schnelle Adoption von KI-Anwendungen. Entsprechend forsch schreitet Shopify auch bei der Weiterentwicklung ihres Shopsystems im Bereich KI voran: In den USA ist der direkte Checkout auf ChatGPT für Shopify-Händler bereits möglich. Und dies ist nur eine von vielen Initiativen: Im Backend hilft der KI-Assistent «Sidekick» und mit Shopify Magic können Nutzende unter anderem Bilder generieren und SEO verbessern.
Wo steht der Handel in der Schweiz?
Shopify spürt auch bereits das Wachstum der Verkäufe, welche KI-Kanälen attribuiert werden können. Laut Tim Bielski sind diese seit Januar um das 11-Fache angestiegen. Mit ca. 800 Millionen Nutzenden und 14% Anfragen mit Commerce-Bezug ist ChatGTP ein grosser Kanal geworden. Doch wo steht der Handel in der Schweiz diesbezüglich? Gemäss Konsumentenumfrage der Post, erfolgen in der Schweiz gerade mal 4% der Shopeinstiege über KI-Chatbots – immerhin eine Vervierfachung im Vergleich zu 2024. Insgesamt spielt die Schweiz bei der KI-Adoption im vorderen Mittelfeld: Die professionelle und private Nutzung ist überdurchschnittlich hoch. Doch die Akzeptanz von tiefergreifenden KI-Anwendungen, die z.B. das Teilen von Logins und persönlichen Daten voraussetzen, ist eher gering. Somit ist es für Schweizer Händler und Brands derzeit noch schwierig, eine auf KI-Traffic basierte Strategie aufzubauen. Die meisten nutzen KI pragmatisch für Textgenerierung, Übersetzungen, SEO und Bilderzeugung. Viele planen zusätzliche Anwendungen in den Bereichen Video, Personalisierung, Targeting, Produktempfehlungen und Suchhilfen, wie eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz zeigt. Für Benedikt Merl von Creativestyle gehört die Implementierung solcher Use Cases inzwischen zum Alltag. Wobei er zu bedenken gibt, dass KI per se nicht kreativ sein könne und daher immer der Mensch gefordert sei, wenn es darum geht, echte Differenzierung zu erreichen.
Erfolgreich mit AI-Twins
Die Unternehmerin Cindy Candrian von Delta Labs ist sich dessen jedoch nicht ganz sicher. Sie gab zu bedenken, dass inzwischen erstaunliche Ergebnisse mit KI erzeugt würden. Mit ihren AI-Twins hat sie es geschafft, Kundenpersonas digital ins Leben zu rufen. Mit erstaunlichem Erfolg: Hersteller und Brands nutzen AI-Twins für Kampagnen und bei der Produktentwicklung. Inzwischen übertrifft die Genauigkeit der Vorhersagen zum Teil sogar herkömmliche Kundenbefragungen. Doch auch Cindy Candrian weist darauf hin, dass die besten Ergebnisse noch immer durch die Kombination von menschlicher und maschineller Intelligenz erzielt werden.
Aus den Inputs der Expert*innen entstand am Ende des Events eine lebhafte Diskussion im Publikum. Auf der einen Seite sind grosse Veränderungen in der Customer Journey noch Zukunftsmusik und die KI-Use-Cases sind überschaubar. Andererseits waren sich die meisten einig, dass eine tiefgreifende Transformation ansteht und dass die Entwicklung rasant ist. Wie sollen sich Brands und Händler positionieren, um im KI-Zeitalter relevant zu bleiben? Wer wird in Zukunft die User Experience gestalten?
2026 planen wir eine Reihe von Workshops, um genau diese Fragen zu vertiefen und mit den Teilnehmenden eine strategische Vision fürs KI-Zeitalter zu entwickeln. Bei Interesse dürfen Sie gerne hier Ihre Kontaktdaten hinterlassen und wir halten Sie persönlich auf dem Laufenden.















