Im September haben wir über den Start von Temus Local-to-Local-Programm berichtet (hier geht’s zum Beitrag). In der Zwischenzeit hat sich einiges getan. Höchste Zeit also für ein Update.
Mit dem Local-to-Local-Programm versucht Temu, lokale Händler auf die Plattform zu bringen, die hierzulande ansässig sind und ihre Produkte hier lagern. Temu kommunizierte sogar einmal das Ziel, dass in Zukunft bis zu 80 Prozent der Verkäufe auf der Plattform in Europa von lokalen Verkäufern und/oder Versandzentren getätigt werden.
Damit würde natürlich einerseits die Experience für die Kunden verbessert: Noch mehr Auswahl sowie schnellere Lieferung. Andererseits könnte Temu damit zumindest ein paar Themen entschärfen, wofür die Plattform immer wieder in der Kritik steht: Umweltbelastung durch lange Lieferwege, höhere Wahrscheinlichkeit, dass Produkte den Normen und Sicherheitsstandards entsprechen (Händler, der importierte, musste dies sicherstellen), fairerer Wettbewerb, da weniger Zoll-/MwSt.-Flucht-Möglichkeit.
Relativ leicht lässt sich ein Überblick gewinnen, welche Artikel inzwischen schon über das Local-to-Local-Programm verkauft werden: In der App muss dazu einfach ein Suchbegriff in der Suche eingegeben werden, danach kann über den darunterliegenden Filter ganz unten bei «wird versendet von» das Attribut «Lokales Lager» gewählt werden (vgl. Abbildung 1). In Ländern, in denen das Local-to-Local-Programm schon länger läuft, wie etwa in Deutschland, ist dieser Filter bereits etwas prominenter platziert (vgl. Abbildung 2). Nach dieser Filterung erscheinen Artikel, die entsprechend mit dem Label «Lokal» gekennzeichnet sind.


Das Label «Lokal» erhalten gemäss Temu Artikel «die aus deinem Land/deiner Region versendet werden.» Für Temus Schweizer Marktplatz bedeutet das, dass es Artikel sind, die sich in einem europäischen Lager befinden. Für den Nutzer ist diese Information insofern wichtig, als dass er davon ausgehen kann, dass diese Artikel innert weniger Tage geliefert werden können.
Was das Label nicht bedeutet: Dass alle diese Artikel von in Europa oder in der Schweiz ansässigen Händlern verkauft werden. Welche Händler die Artikel verkaufen und wo sie ihren Sitz haben, lässt sich leicht herausfinden: Dazu einfach auf der Produktdetail-Seite neben «Sold by» der Link anklicken, dieser führt auf eine Art «Profilseite» des Händlers, ein weiterer Link auf das Tooltip (Ausrufezeichen-Icon) neben dem Profilbild fördert Händlername und Adresse zutage (vgl. Abbildung 3).

Macht man sich die Mühe und testet das bei einigen dieser «lokalen» Angebote, stellt man zunächst ernüchternd fest, dass viele dieser Marktplatz-Verkäufer durchaus ein lokales Lager haben mögen, es sich aber tatsächlich doch um Anbieter aus China handelt. So etwa der «Slumber Luxe Shop», der vor allem Power Banks und Batterien verkauft und seinen Sitz in Hong Kong hat, auch «Qieryhub», der Heizdecken verkauft, ebenfalls mit Sitz in Hong Kong.
Und doch finden sich inzwischen auch mehrere Dutzend Schweizer Händler auf Temu. Was ebenfalls auf den Profilseiten ersichtlich ist: Wie viele Artikel die Händler bei Temu gelistet haben und vor allem auch, wie viele sie bereits verkauft haben. Nachfolgend eine unvollständige Liste dieser Schweizer Händler aus kurzen Desk Research:
- Schweiz Trend Shop
- novistore
- guteszeug
- Hermex
- UP
- einrichten24
- Fasnacht24
- aeroshop
- Nagellack24
- Self Love
Ein paar dieser Händler sind sehr klein und haben nur ein paar wenige Produkte bei Temu gelistet. Aber nicht alle: Bei novistore (NOVIDARTE AG), guteszeug (Connectrade AG) und Hermex (Hermex Trade GmbH) handelt es sich um durchaus grosse Händler, die zum Beispiel auch auf Galaxus verkaufen. Und: Vor zwei Tagen wurde bekannt, dass etwa der grosse Schweizer Online-Möbelhändler Beliani bald auf Temu verkaufen wird: «Das Go-live der Zusammenarbeit mit Temu wird 2026 erfolgen, geplant sind die Schweiz und einige EU-Länder», erzählte Co-Gründer und CEO Stephan Widmer der Handelszeitung. Temus Lokal-to-Lokal-Programm scheint also durchaus Vorteile zu bieten, die auch grosse Händler überzeugen, etwa hinsichtlich Vermarktung, Aktionsunterstützung, Provisionen oder Versandkostenabrechnung.
Wie wir vermutet hatten, sind es zwar (noch) nicht die bekannten Lifestyle-Marken, wie The North Face oder Patagonia, die Temu als Absatzkanal nutzen, sondern Händler mit etwa Haushalts-Produkten oder Möbeln, wo die Marken eine etwas weniger wichtige Rolle spielen.
Und wieder überrascht Temu eindrucksvoll damit, wie schnell sie etwas schaffen, was viele für unmöglich hielten. Während hierzulande noch darüber debattiert wird, wie man mit der «Plattform aus China» umgehen soll, haben die ersten Schweizer Händler Fakten geschaffen: Der Kunde ist dort, die Reichweite passt, die Konditionen offenbar auch – also nutzen sie die Möglichkeit.















Ist dies ein bezahlter Werbeartikel Temus? Wenn ja, dann bitte auch so markieren. Diese Lobhudelei ist aufgrund der Fakten über Temu wirklich fehl am Platz. Eine staatlich subventionierte Datensammelkrake, die alle möglichen immer noch existierende Bevorzugungen Chinas im Bereich Transportkosten etc. subtil ausnützt, um aggressiv weltweit Marktanteile zu gewinnen. Temu macht immer noch mit jeder Bestellung einen Verlust von 10-20 USD, was bewusst in Kauf genommen wird, um weiterhin Marktanteile zu gewinnen.
Carpathia kann man wegen solcher Artikeln nicht mehr ernst nehmen. Schade!
Vielen Dank für Ihren kritischen Kommentar und die offene Rückmeldung. Zur Klarstellung: Bei dem Artikel handelt es sich nicht um einen bezahlten Werbeartikel und auch nicht um eine Publireportage von Temu. Ich verstehe den Hinweis, dass insbesondere der Schlussteil des Artikels relativ positiv formuliert ist. Diese Tonalität ist jedoch nicht als grundsätzliche Bewertung von Temu oder dessen Geschäftsmodell zu verstehen. Sie greift vielmehr das auf, was auch der Titel andeutet: Trotz weiterhin bestehender Kritikpunkte – etwa in Bezug auf Umwelt, Wettbewerb oder Regulierung – gehen Schweizer Händler faktisch auf die Plattform. Genau diese Entwicklung war der Anlass für den Beitrag. Ich habe beobachtet, dass inzwischen auch Schweizer Händler auf Temu verkaufen, darunter solche, bei denen dies nicht unbedingt zu erwarten war. Diese Marktbewegung halte ich für relevant für die Branche. Für mich war es überraschend, wie schnell sich diese Entwicklung vollzogen hat. Der Artikel soll diese Dynamik aufzeigen – nicht Temu legitimieren oder unkritisch bewerten. Dass Temu weiterhin mit erheblichen Verlusten operiert, aggressive Marktanteilsstrategien verfolgt und strukturelle Vorteile nutzt, ist unbestritten – und wird in anderen Kontexten von uns ebenfalls kritisch beleuchtet. Dennoch nehmen wir Ihre Rückmeldung zur Tonalität sehr ernst und danken Ihnen für den offenen Hinweis.