Die Schweizer Marktplatzlandschaft erhält in diesem Jahr mehr Dynamik. Wir hatten es in unseren Hypothesen für den Handel 2026 bereits angekündigt: «Junge Marktplätze wie Temu und Nalda geben in der Schweiz Gas. Gleichzeitig öffnen weitere Händler ihre Shops für Drittanbieter, wie MediaMarkt – oder auch Brack?» Tatsächlich wussten wir zu diesem Zeitpunkt schon, dass Nalda in diesem Jahr mit ihrem Marktplatz an die Öffentlichkeit treten wird.
Das Unternehmen, 2022 gegründet, ist in der Branche schon seit einiger Zeit immer mal wieder Gesprächsthema: Aufgefallen sind sie mit extrem günstigen Büchern sowie kritischen Medienberichten. Danach wurde es vorübergehend wieder ruhiger um das Unternehmen.
Still und leise haben die Gründer, die zwei Brüder Tizian und Florentin Fischer weitergearbeitet. Nun fühlen sie sich bereit, ihr Ziel bekanntzugeben und das ist kein Geringeres, als der «Next-Gen Marketplace» zu werden. Aber von vorn.
Vom Onlineshop zum «Next-Gen Marketplace»
Gestartet sind die zwei jungen Männer und ehemaligen Banker als Onlineshop mit Sortimentsfokus auf Bücher, eBooks und Spiele. Das Unternehmen war von Anfang an und ist weiterhin bootstrapped, das heisst eigenfinanziert ohne Investoren. Anfangs war die Logistik noch ausgelagert, mittlerweile haben sie eine eigene aufgebaut – mit einem Logistik-Zentrum in der Schweiz und einem zweiten in und für die EU.
Um die Marktplatz-Vision zu realisieren, hat sich Nalda sowohl technologisch als auch organisatorisch komplett neu erfunden: Die Plattform basiert auf einer vollständig eigenentwickelten Marketplace-Software. Gleichzeitig wurde der Marktplatz-Betrieb rechtlich und organisatorisch konsequent vom Eigenhandel getrennt.

Marktplatz-Provision von 1.9 % – wie geht das?
Das Marktplatz-Angebot von Nalda ist sowohl für Seller als auch für Käufer attraktiv: Es locken extrem günstige Verkaufspreise, während die Provisionen für Seller minimal sind. Standardmäßig fallen nur 1.9 % an – Seller, die die Bestpreis-Garantie nutzen, zahlen sogar nur 0.95 %. Zum Vergleich: Auf anderen Schweizer Marktplätzen liegen die Provisionen je nach Kategorie zwischen 7 und 20 %. Zudem verzichtet Nalda auf Jahresgebühren oder verpflichtende Zusatzservices.
Wie kann Nalda unter diesen Bedingungen überhaupt Geld verdienen? Laut Nalda setzt das Unternehmen auf extrem schlanke Strukturen und Prozesse. Über die drei Unternehmen (Eigenhandel CH, Eigenhandel EU und Marktplatz) hinweg arbeiten sie mit rund 35 Mitarbeitenden – inklusive Freelancern –, verzichtet auf klassische Büroflächen und hält die Fixkosten bewusst niedrig.
Trotzdem drängt sich die Frage auf, ob es sich dabei um ein Lockangebot handelt, um schnell viele Händler auf die Plattform zu bringen und später die Preise zu erhöhen. Nalda verneint dies: «Weil wir das Marketplace-Modell von Grund auf neu gedacht haben – ohne Altlasten, ineffiziente Strukturen und Interessenkonflikte zwischen Plattform, Sellern und Käufern – ist das nachhaltig.»
Des Weiteren profitieren Seller von einem schlanken Onboarding-Prozess, der laut Nalda in rund zwei Tagen abgeschlossen ist. Der Produkt-Upload sei bewusst einfach gestaltet: Artikel können über bestehende Feeds von Plattformen wie Amazon oder Galaxus importiert werden, eigene AGB hinterlegt und Versandkosten individuell festgelegt werden. Auch die Hinterlegung einer Abholadresse ist möglich, was das Modell insbesondere für kleinere, stationäre Fachhändler attraktiv macht. Der Prozess scheint zu funktionieren: Zum Start zählt Nalda bereits circa 100 aktive Seller.
Wenn Nalda das langfristig zur Zufriedenheit beider Seiten (Käufer und Seller) so durchziehen kann, hat der junge Schweizer Marktplatz mit diesem Ansatz den Etablierten klar etwas entgegenzusetzen. Auch Nalda selbst räumt dazu selbstreflektiert ein: «Ob das komplette Modelle auch unter höherem Marketing- und Supportaufwand langfristig tragfähig ist, muss sich erst zeigen.»

Marktplatz mit Eigenhandel – ein Balanceakt
Als weiteres Argument für Seller, ihre Plattform zu nutzen, sieht Nalda die Trennung zwischen ihrem Marktplatz-Geschäft und dem Eigenhandel. Auf ihrem Marktplatz würden für alle die gleichen Regeln und Möglichkeiten gelten, auch für Nalda selbst, der als Händler drauf ist. Das fängt bei den Versandkosten an, die an die Seller weitergegeben bis hin zu E-Mail-Adressen der Käuferinnen, die sie ebenfalls nicht für sich behalten.
Dennoch: Der Eigenhandel ist für Nalda wichtig und ein Rückzug daraus sei nicht geplant, sondern werde sogar noch weiter ausgebaut, sagen die Inhaber: «Wir sind im Bereich Bücher, eBooks, Spiele, Kalender, etc. bereits schweizweit der Seller mit dem grössten Angebot und den mit Abstand tiefsten Preisen. Dies möchten wir auch als Seller in anderen Bereichen wie Elektronik, Parfums oder Fashion schaffen.»
Wie glaubwürdig dann Nalda trotz rechtlicher und technologischer Trennung in zwei Geschäftsbereiche, den Titel «reiner Marktplatz» gegenüber Sellern vertreten kann, wird sich zeigen.
Temu 2.0? Fehlanzeige: Nalda eifert Galaxus nach
Mit einem Umsatz im zweistelligen Millionenbereich (Marktplatz + Eigenhandel) und einem nach eigenen Angaben jährlichen Wachstum um das Zwei- bis Dreifache, gehört Nalda zu einer der dynamischsten Plattformen der Schweiz. Die Plattform präsentiert sich als reiner Marktplatz mit sehr tiefen Preisen für Käufer und Seller – auf den ersten Blick ein Modell, das an das internationale Wachstums-Phänomen Temu erinnert. Tatsächlich orientiert sich Nalda jedoch an der Schweizer Plattform Digitec Galaxus.
Laut Nalda umfasst das Sortiment bereits 20 Millionen Produkte. Der Grossteil überschneidet sich mit Digitec Galaxus, nicht mit Temu, sagt Nalda. Er lässt sich auch deswegen nicht gern mit Temu vergleichen, da er bei der aus China stammenden Plattform einen grossen Nachteil sieht: Fehlendes Vertrauen und lokaler Bezug: «Für Temu ist es schwierig, neben Billig-Produkten aus China gleichzeitig auch hochwertige Markenprodukte zu verkaufen. Dieses Problem haben wir nicht, da wir ausschliesslich offizielle Produkte mit EAN und allen notwendigen Zertifizierungen verkaufen», sind die Gründer überzeugt.
Wir sind gespannt, wie schnell Naldas Marktplatz-Geschäft in diesem Jahr wachsen wird und wie schnell der Galaxus-Nacheiferer das selbst gesteckte Ziel vom dreistelligen Millionenumsatz erreicht. Eins ist jetzt schon sicher: Es bleibt spannend in der Schweizer Marktplatz-Landschaft.
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