Diesen Donnerstag hat die Migros im Rahmen einer Medienmitteilung bekanntgegeben, dass Ex Libris bis Mitte 2027 vollständig geschlossen wird und der Online-Buchhandel fortan von Galaxus übernommen wird. Bis Ende 2026 werden die 15 verbleibenden Filialen geschlossen. Für ein optimales Einkaufserlebnis bei Büchern wird Galaxus IT- und logistikseitig Verbesserungen vornehmen. Das Aus von Ex Libris betrifft 230 Mitarbeitende. Daniel Röthlin, seit 2010 Unternehmensleiter des Buchhändlers, tritt im Zuge der Unternehmensschliessung in den Ruhestand.
Im Folgenden unsere Gedanken zum Aus von Ex Libris:
- Aus strategischer Sicht ist der Entscheid des MGB nachvollziehbar. Mit Galaxus hat die Migros das führende Schweizer Onlinewarenhaus, das die letzten Jahre sehr stark unterwegs war, im eigenen Hause. UX, IT-Systeme, Logistik, Markenbekanntheit und Kundenstamm sind best-in-class und unterstützten eine reibungslose Integration des Ex Libris Geschäfts. Auffallend war, dass Ex Libris in Migros-Unternehmensmitteilungen schon länger nicht mehr erwähnt wurde, weder im Rahmen der Fachmarkt-Schliessungen noch in der Medienmitteilung zum Geschäftsjahr 2025.
- Nach einigen positiven Geschäftsjahren dank erfolgreicher Transformation hin zum führenden Onlinebuchhändler der Schweiz, hat sich das Geschäft in den letzten beiden Jahren mutmasslich wieder verschlechtert. Bei anstehenden Investitionen bezüglich IT-Systemen und Filialen ist der MGB wohl zum Schluss gekommen, dass diese nicht durch das operative Geschäft refinanziert werden können.
- Ex Libris konnte sich unter den Non-Food Handelsformaten der Migros am längsten halten. Diese Leistung ist hoch einzuschätzen, vor dem Hintergrund, dass der Buch- und Medienhandel auf dreifache Weise (E-Commerce, ebooks & Streaming) digitalisiert wurde und mit Amazon ein übermächtiger Mitbewerber seit der ersten E-Commerce-Stunde vor der Türe steht. Der abtretende langjährige Geschäftsführer Daniel Röthlin trug mit frühzeitigen und mutigen Entscheiden (E-Commerce-Investitionen und Filialschliessungen, vgl. hier) überhaupt erst dazu bei, dass Ex Libris uns bis heute erhalten geblieben ist.
- Ex Libris hat sich lange als Tiefpreisanbieter mit 20%-UVP-Rabatt und grossem Sortiment positioniert und konnte so erfolgreich mit Amazon mithalten. Der Online-Preiskampf hat zuletzt aber nochmals zugenommen, u.a. aufgrund Nalda, und Onlinemarketing ist teurer geworden. Die Margen haben sich weiter verschmälert.
- Die Preis- und Onlinefokussierung hat konsequenterweise Einsparungen bei Filialanzahl, Verkaufsfläche und Beratungspersonal erfordert. Eine Differenzierung anhand des stationären Geschäfts und als Inspirationsgeberin, wie es Orell Füssli verfolgt, ist für das Unternehmen entsprechend nicht mehr möglich.
- Der Filialabbau hat die Sichtbarkeit der Marke reduziert, wodurch aufwändige Brandingkampagnen nötig wurden. Letztendlich blieb primär die Differenzierung über den Preis, was beim vergleichbaren Produkt Buch zu wenig ist.
- Wenn’s Galaxus ernst meint mit dem Onlinebuchhandel, wird das Onlinewarenhaus sein Sortiment massiv ausbauen müssen. Aktuell gibt’s bei Galaxus 10 Mio. Artikel, wovon 1.5 Mio. Bücher sind. Ex Libris hat ein Sortiment von 8 Mio. Büchern.
- Zu guter Letzt: Ein unglücklicher Zeitpunkt für die Migros, diese negativen Neuigkeiten zum Jahresanfang. Nach Jahren mit verschiedensten Firmenschliessungen sollte das Unternehmen dringend wieder mit erfreulichen Neuigkeiten aufwarten, um bei der Bevölkerung das Vertrauen, den Goodwill und den besonderen Stellenwert wieder zu stärken.

















Daniel Röthlin hat mit seiner gewinnenden und innovativen Art den online Markt in der Schweiz positiv bereichert. Die Konzentration der Kräfte schreitet unausweichlich voran und der Markt wird sich weiter konsolidieren. Viel Erfolg im 3. Lebensabschnitt wünsche ich Daniel Röthlin.