KI-Agenten gelten als die nächste grosse Revolution im E-Commerce. Ein Beispiel dafür ist der ChatGPT Agent von OpenAI: Er kann selbstständig Aufgaben wie Produktsuchen, Preisvergleiche oder Recherchen übernehmen und mit Freigabe der Nutzerin oder des Nutzers sogar einen Kauf vorbereiten oder ausführen.
Bereits in unserem Beitrag «KI-Agenten suchen ihren Platz im Commerce» haben wir aufgezeigt, dass KI den Kaufprozess zunehmend verändert, der vollständig autonome Einkauf jedoch noch Zukunftsmusik ist. Genau diese Einschätzung wird nun durch eine im Juni 2026 veröffentlichte Studie des Instituts für Handelsmanagement der Universität St. Gallen (HSG) bestätigt. Knapp 3’000 Konsumentinnen und Konsumenten aus Deutschland (N=1’384), Österreich (N=782) und der Schweiz (N=805) wurden zu ihrem Umgang mit KI-Agenten befragt. Zwar kennen viele Befragte die Technologie, doch beim Vertrauen und der tatsächlichen Nutzung gibt es noch Hürden.
In diesem Beitrag fassen wir die spannendsten Erkenntnisse der Studie zusammen. Obwohl die Studie die Ergebnisse auch nach Deutschland, Österreich und der Schweiz auswertet, konzentrieren wir uns auf die Erkenntnisse für den DACH-Raum.
KI-Agenten sind bekannt, werden aber noch wenig genutzt
Wer den aktuellen Hype rund um Künstliche Intelligenz verfolgt, könnte meinen, dass KI-Agenten beim Online-Shopping bereits zum Alltag gehören. 55% der Befragten haben bereits von KI-Agenten gehört. Tatsächlich genutzt haben sie diese bislang jedoch nur 15% zur Unterstützung beim Online-Einkauf. Nur 5% haben einen KI-Agenten bereits für selbstständige Online-Einkäufe genutzt, beispielsweise für automatische Nachbestellungen oder Einkäufe nach zuvor festgelegten Regeln.

Jung vs. Alt
Auch zwischen den Generationen zeigen sich deutliche Unterschiede. Während die jüngere Generation (16-24 Jahre) KI-Agenten bereits häufiger beim Online-Einkauf nutzt (22%) und ihnen eher Aufgaben überlässt, ist die Nutzung in den älteren Altersgruppen deutlich geringer. Überraschend ist jedoch, dass die Bekanntheit bei den 45- bis 64-Jährigen am höchsten ist. Gleichzeitig bleibt die Bereitschaft, sie beim Online-Einkauf einzusetzen, vergleichsweise gering.

Warum Menschen KI-Agenten nicht nutzen
Nur 15% der Befragten geben an, dass sie grundsätzlich einem KI-Agenten zutrauen den gesamten Online-Einkauf in ihrem Sinne auszuführen. Ein möglicher Grund für das fehlende Vertrauen ist die Sorge vor Fehlkäufen durch die KI. Diese Befürchtung teilt mehr als jede zweite befragte Person (56%). Ein weiterer Grund ist die Sorge vor Datenmissbrauch. Mehr als die Hälfte der Befragten (52%) nennt dies ebenfalls als Grund, KI-Agenten nicht zu nutzen.

Persönliche Kaufentscheidungen bleiben menschlich
Für viele Konsumentinnen und Konsumenten ist Online-Shopping mehr als nur ein Kaufprozess. Rund die Hälfte (49%) gibt an, dass KI-Agenten für sie wenig attraktiv sind, weil ihnen der Spass am Einkaufen wichtig ist.

Entsprechend werden KI-Agenten vor allem für unterstützende Aufgaben genutzt. Dazu gehören beispielsweise Preisvergleiche sowie das Auffinden von Angeboten, Rabatten oder Aktionen. Geht es hingegen um persönliche oder subjektive Entscheidungen, sinkt die Bereitschaft, einen KI-Agenten einzusetzen. Inspiration, individuelle Produktempfehlungen oder die Bewertung von Produkten möchten viele Konsumentinnen und Konsumenten weiterhin selbst übernehmen.

Dieses Verhalten zeigt sich auch bei den Produktkategorien. Je objektiver Produkte vergleichbar sind, desto eher sind Konsument*innen bereit, den Einkauf einem KI-Agenten zu überlassen. Am höchsten ist diese Bereitschaft bei Elektronik (22%), am geringsten bei Lebensmitteln (16%). Einrichtung (18%) sowie Bekleidung (17%) und Kosmetik- und Drogerieartikel (17%) liegen dazwischen.

Wachstum mit angezogener Handbremse
Die Studie zeigt, dass die Nutzung von KI-Agenten in den kommenden zwölf Monaten zwar zunehmen dürfte, der Durchbruch jedoch noch auf sich warten lässt. 18% der Befragten im DACH-Raum können sich vorstellen, einen KI-Agenten künftig zur Unterstützung beim Online-Einkauf zu nutzen. Nur 11% würden einem KI-Agenten den gesamten Einkauf selbstständig überlassen.

Auch hier zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Während die 16- bis 44-Jährigen eine höhere Nutzungsabsicht aufweisen und sowohl unterstützende Funktionen als auch teilweise selbstständige Einkäufe durch KI-Agenten in Betracht ziehen, ist die Bereitschaft bei den älteren Altersgruppen deutlich geringer. Insbesondere bei den über 65-Jährigen ist die Offenheit gegenüber selbstständig handelnden KI-Agenten kaum vorhanden.
Fazit
Die Studie zeigt, dass KI-Agenten zwar zunehmend an Bekanntheit gewinnen, beim Vertrauen und der tatsächlichen Nutzung aber noch Potenzial besteht. Besonders gross ist die Akzeptanz dort, wo KI den Online-Einkauf unterstützt. Bis selbstständige Online-Einkäufe zum Alltag gehören, dürfte es jedoch noch etwas dauern.

















