Update 2026 zu Schweizer Secondhand-Plattformen

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Auch in diesem Jahr werfen wir wieder einen Blick auf die Schweizer «Secondhand-Landschaft»: Welche Aktivitäten gibt es bei bestehenden Anbietern, welche neuen Player sind dazugekommen und welche sind verschwunden? Aber auch: Welche spannenden weiteren Entwicklungen gibt es – auch international – in diesem Markt zu beobachten?

Die Anbieter auf einen Blick

Die Einteilung in unserem Zielscheiben-Diagramm bleibt 2026 unverändert: Im äusseren Kreis finden sich reine Secondhand-Plattformen, die lediglich zwischen Käuferinnen und Käufern Transaktionen vermitteln.

Im mittleren Kreis sind Händler und Marken angesiedelt, die auf einer von ihnen betriebenen oder zur Verfügung gestellten Plattform den C2C-Verkauf ermöglichen. Je nach Anbieter ist das Angebot dabei auf Produkte aus dem eigenen Sortiment beschränkt, also Artikel, die zuvor neu beim Händler gekauft wurden, oder für sämtliche Produkte einer bestimmten Kategorie offen.

Im inneren Kreis stehen Anbieter, die Secondhand-Produkte – eigene oder Produkte anderer Marken bzw. Produkte, die nicht bei ihnen gekauft wurden – selbst zurückkaufen, prüfen und gegebenenfalls reinigen, reparieren oder upcyceln und anschliessend über eigene Kanäle wieder verkaufen.

Neben den Plattformen auf unserer Zielscheibe gibt es eine Vielzahl von Kleininserate-Angeboten und Communities, über die gebrauchte Produkte den Besitzer wechseln. Diese führen wir bewusst nicht auf der Zielscheibe auf, da sie keine Transaktionen über die Plattform abwickeln, sondern lediglich den Kontakt zwischen den Beteiligten herstellen. Dazu gehören neben den klassischen Kleinanzeigen-Portalen auch immer mehr Nischenangebote, etwa für bestimmte Produktkategorien oder lokale Gemeinschaften. Ein Beispiel ist Pikitup: Die «Verschenke-Plattform» wurde erst Ende Februar 2026 lanciert und erreicht bereits rund 40’000 Aufrufe pro Monat.

Schweizer Secondhand-Plattformen – Carpathia Übersicht 2026.

Unsere Zielscheibe zählt in diesem Jahr 36 Anbieter. Das sind fünf mehr als noch im Vorjahr. Folgende Änderungen gab es:

  • Nicht mehr aktiv und deshalb auf der Grafik mit einem roten Kreuz gekennzeichnet sind Exsila und Secondhandkiste.
  • Sieben Anbieter sind gegenüber letztem Jahr neu auf unserer Grafik vertreten, wobei nur drei davon tatsächlich neu am Markt sind:
    • Gewa Multimedia, refurbed, Depop und Veloclick waren bereits 2025 aktiv und wurden neu in unsere Übersicht aufgenommen.
    • On mit Cyclon Resale, Circlin und Merka sind tatsächliche Neuzugänge, wobei Merka im Herbst 2026 starten wird.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Angebot an Secondhand-Plattformen in der Schweiz weiter zunimmt. Bemerkenswert ist dabei, dass gerade die neuen Angebote weiterhin aus der Schweiz kommen und ausländische, wie der europäische Platzhirsch Vinted, es bis heute noch nicht in den Schweizer Markt geschafft haben.

Den britischen Depop haben wir zwar neu in der Grafik aufgenommen, da durchaus Angebote von Schweizer Sellern vorhanden sind und entsprechend Käufe abgewickelt werden, allerdings ist die Plattform hierzulande nur halbherzig dabei: Die Lokalisierung für den Schweizer Markt fehlt, sprich keine TWINT-Anbindung oder kein «Depop Shipping», also automatisierte Versandlabels, mit denen Verkäufer einfach ihre Ware versenden können.

Spannende Entwicklungen – auch international

Spannende Entwicklungen im letzten Jahr gab es unter anderem von Vinted: Der europäische Anbieter wird mit dem Markteintritt in den USA im Januar und in Australien im August diesen Jahres zum globalen Player. Gleichzeitig hat Vinted 2025 einen GMV von EUR 10.8 Mrd. erreicht (+47 %) und ist in neue Kategorien wie Elektronik, Homeware, Collectibles und Sport vorgestossen.

Auch bei Depop gab es eine spannende Entwicklung: Die britische Secondhand-Plattform wurde im Juli 2026 von eBay für rund USD 1.2 Mrd. übernommen. Depop gehörte zuvor seit 2021 zu Etsy, das die Plattform damals für rund USD 1.6 Mrd. gekauft hatte. Mit der Übernahme stärkt eBay seine Position im Fashion-Resale und erhält Zugang zu einer jungen, stark engagierten und Social-Commerce-affinen Community.

Social Commerce bzw. Live-Commerce im Secondhand-Sale ist eine weitere Entwicklung, der wir Aufmerksamkeit schenken sollten. Der Secondhand-Handel bewegt sich dabei vom statischen Inserat hin zu Video, Live-Verkauf, Interaktion und Community. Whatnot zeigt, wie gross das Potenzial ist: 2025 wurden über die Plattform mehr als USD 8 Mrd. an Live-Verkäufen abgewickelt – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Der Newcomer Tilt setzt auf Live-Resale und hat 2026 USD 26 Mio. an neuem Kapital aufgenommen; zu den Investoren gehört Vinted Ventures. Und eBay baut mit eBay Live sein Live-Commerce-Angebot ebenfalls aus.

Erste Ansätze gibt es ebenfalls in der Schweiz: Die neue Secondhand-Plattform Circlin setzt auf Video-Listings, bei denen KI aus kurzen Verkaufsvideos automatisch Titel und Produktdetails erstellt. Damit zeichnet sich eine Entwicklung ab: Weg vom «Inserieren und Suchen» und hin zu «Entdecken, Anschauen und Kaufen».

Eine Entwicklung, die wir bereits im letzten Jahr beobachtet hatten, setzt sich fort: Immer mehr Marken nehmen den Resale selbst in die Hand, statt gebrauchte Produkte über unabhängige Plattformen wiederzuverkaufen. Damit stärken sie nicht nur ihr Engagement im Bereich Nachhaltigkeit, sondern behalten vor allem die Kundenbeziehung in ihrem eigenen Ökosystem. Neu hinzugekommen ist in der Schweiz On mit Cyclon Resale. International gibt es einige Beispiele, darunter The North Face mit Renewed, lululemon mit Like New und Levi’s mit SecondHand.

Weiterführendes

Möchten Sie sich weiter mit dem Thema Secondhand auseinandersetzen und insbesondere noch die Perspektive der Konsument*innen kennenlernen? Dann verweisen wir an dieser Stelle gerne auf die Re-Commerce-Studie der Schweizerischen Post, die hier kostenlos heruntergeladen werden kann.

Wir haben einen Anbieter in der Übersicht vergessen? Melden Sie sich bei uns unter kontakt@carpathia.ch oder als Kommentar auf unseren LinkedIn-Beitrag. Vergessene Anbieter werden wir prüfen und im Update-Beitrag im nächsten Jahr in der Grafik ergänzen.



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