Es war exakt heute vor 10 Jahren als der Eintrag der Carpathia Consulting GmbH in das Handelsregister des Kantons Zürich erfolgte. Ein Jahrzehnt mit sehr vielen spannenden Projekten, unheimlich interessanten Menschen und tollen Herausforderungen. Kunden aus verschiedensten Branchen und vor allem in den vergangenen Jahren viele Onlineshop-Projekten, die uns den Puls des E-Commerce ganz nah fühlen liessen.
An dieser Stelle vielen herzlichen Dank unseren treuen Kunden, Partnern und Freunden – wir freuen uns, weiterhin mit Ihnen hart am Wind zu segeln!
Heute wurde der E-Commerce Report 2010 den Medien vorgestellt. Zum zweiten Mal wurde das sog. Leader-Panel zum Onlinehandel befragt, das aktuell 22 Vertreter der führenden B2C- und C2C-Plattformen der Schweiz umfasst.
Unabhängig der Branche wächst der E-Commerce nach wie vor rasant. Im Schnitt konnten die im Panel vertretenen Onlineshops 2009 um 14% zulegen.
Der Wettbewerb nimmt weiter zu und auch grosse, die sich lange zurückgehalten haben, “müssen” nun online verkaufen. So in etwa wird der erwartete Markteintritt stationärer Grössen wie Media-Markt eingeschätzt.
Pioniere im Schweizer E-Commerce, von der Studienleitung als “Platzhirsche” bezeichnet und definiert als Player, die in ihrem Segment über 50% Marktanteil beanspruchen, müssen real gesehen Marktanteile abgeben.
Multichannel-Anbieter stagnierten 2009 und verzeichneten ein Gesamtwachstum von Null. Der E-Commerce konnte die Verluste in anderen Kanälen wettmachen, so dass immerhin das Vorjahresniveau gehalten werden konnte.
Das Panel kam zur Erkenntnis, dass die ausgewogene Mehrkanal-Strategie nicht funktioniert - Fokussierung ist nötig und Kanäle sind situativ als unterstützend einzusetzen.
Eine Selbst-Kannibalisierung muss akzeptiert werden, um die Marktanteile zu halten.
Als Ausweichstrategien werden flexible Preismodelle (Tagespreise), Produktpakete (Bundlings) oder auch die Zerlegung der Gesamtleistung in günstige Basispreise und Nebenleistungen geprüft.
Die teilweise schon älteren Shop-Systeme einzelner Leader stellen zunehmend ein Hindernis dar für ein schnelles Reagieren auf Marktveränderungen, Flexibilität oder neue Verkaufskonzepte
Google ist ein wichtiger Frequenz- und Umsatztreiber für den E-Commerce, dessen Marktbeherrschung aber auch beunruhigt
Und Mobile-Shopping wird fast einstimmig als der Trend für 2010 bezeichnet, während dessen Social Shopping für die grösste Meinungs-Divergenz führte im Panel.
Nicht nur wurde die Entwicklung von Twitter und Facebook unterschätzt, es fehlt den meisten Panel Mitgliedern auch an Phantasie, Social-Commerce sinnvoll einzusetzen. Ein objektives Indiz hierfür ist die sehr schwache Innovationskraft Schweizer Onlineshops.
Ich schreibe gerade an einem Beitrag für die Zeitschrift M+K der im Juni erscheinen soll. Thema ist Mobile-Commerce generell und iPhone Shopping-Anwendungen generell. Dabei wage ich auch einen gedanklichen Exkurs auf das in wenigen Wochen verfügbare iPad von Apple.
Wird ab dem 28. Mai 2010 der Schweizer E-Commerce revolutioniert? Wohl noch nicht ganz, aber ich verspreche mir einen Quantensprung davon. Hier der Entwurf der Gedanken, welche ich den Blog-Lesern nicht vorenthalten möchte.
Ende Mai wird das iPad in der Schweiz lanciert und der sogenannte Tablet-PC hält Einzug in die eidgenössischen Wohnzimmer. Was bedeutet dies für den mobile Commerce? Zunächst die Tatsache, dass alle iPhone Apps auch auf dem iPad lauffähig sind, wobei diese natürlich nicht von der besseren Auflösung und Bildschirmgrösse profitieren werden. Mit dem iPad ist aber der mobile Supermarkt noch näher zum Konsumenten gerückt und wird wohl – ähnlich den früheren dicken Versandhandels-Katalogen – seinen Platz in Griffweite der Bewohner haben. E-Commerce rückt daher „sozial gesehen“ noch näher zum Käufer, näher als der Heim-Computer oder das Smartphone.
Das iPad bietet aber noch weitere interessante Aspekte. Es ist davon auszugehen, dass viele nicht besonders der Technik zugeneigte Personen mit dem iPad den Zugang zur elektronischen Welt erhalten. Wer Angst vor Maus, Tastatur und Bildschirm-Warnungen hatte, wird womöglich den spielerischen Umgang mit einem iPad schätzen. Und dann braucht es nicht mehr viel Phantasie, dass auch ein kaufkräftigeres Publikum, und in der Schweiz sind die grossen Vermögen v.a. bei der älteren Bevölkerung angesiedelt, den Warenkorb über den Tablet-Touchscreen füllt. In den Genen ist der Distanzkauf ja noch alleweil.
Seit einigen Wochen ist die Plattform Galaxus online. Einer der Schweizer E-Commerce Pioniere, Digitec, konsolidiert unter dieser neuen Marke seine bestehenden Shops für digitale Güter (digitec), Haushaltprodukte (Gerda Home) und bietet neu auch Artikel rund um den Garten an.
Die Firma Galaxus (Schweiz) AG ist die Betreiberin von verschiedenen Webportalen. Galaxus ist die neue Firma des digitec Teams und gehört zu 100% den Inhabern der digitec AG. Aufgrund der vollständigen Neuentwicklung des Shops als auch des ERP-Systems werden die Portale digitec beta, Galaxus und Gerda Home unter dem Dach dieser neuen Firma betrieben.
Der neue Galaxus-Shop wirkt eher nüchtern und vermisst wird auch die typische Digitec-Suche (Achtung, Link wird ohne Frameset geladen), die (zumindest in der Schweiz) immer noch als Referenzbeispiel dient. Auch der Beta-Shop von Digitec selber lässt diesen USP vermissen.
Die Galaxus-Plattform wird klar noch als im Beta-Stadium deklariert. Einige lustige Passagen gibt es dennoch in der Administration. Da müsste wohl nochmals ein (der deutschen Sprache mächtiger) Texter dahinter.
Galaxus Beta: Noch etwas holprig, die deutsche Sprache
Die traditionelle Schweizer IT-Messe Orbit, Orbit-iEX, C36 musste mangels Interesse in diesem Jahr abgesagt werden und wird vom Konzept aiciti abgelöst, dass 2011 über die Bühne gehen wird. Entsprechende Geisterstimmung herrschte heute in den Messehallen in Zürich.
Übrig geblieben ist der E-Business Kongress Swiss IT Academy an welchem Daniel Risch und ich seit mehreren Jahren die Trends im E-Commerce vorstelle – so auch wieder in diesem Jahr:
Dass der traditionelle Jeans-Produzent Levi Strauss & Co gekonnt mit Social Media umgehen kann, hat er schon mehrfach bewiesen. Vor 2 Jahren mit dem Crowd-Sourcing Project 501 oder im vergangenen Jahr in Australien mit der I Spy Aktion.
Nun zeigt uns Levi’s wie man mit Facebooks “I Like” Funktion umgehen kann, die vor rund 2 Wochen an der F8 Konferenz lanciert wurde und seither weltweit für Furore sorgt.
Als einer der ersten Onlineshops hat Levi’s bei allen Produkten die neue Funktion integriert, dass Besucher den Artikel “liken” können.
Bei Levi's lässt sich jedes Produkt "liken".
Einmal “geliked” erscheint das Produkt in meiner Facebook-Timeline wo es für meine Freunde sichtbar und kommentierbar wird. Kommentiert einer meine Freunde, sehen das wiederum seine Freunde – die Artikel eines Shops erreichen über den Social Graphen der Besucher eine an Skalierbarkeit kaum zu überbietende Ausweitung des Distributionskanal.
Artikel in meiner Facebook Timeline.
Nun geht Levi’s einen Schritt weiter und lanciert den Friends Store. Zum einen werden alle Produkte präsentiert, die den meisten Besuchern gefallen (über die Facebook Open-Graph-API “I Like” markierte Artikel – wie das technisch funtioniert erklärt Thomas Hutter).
Zum anderen werden mir über Facebook-Connect alle Artikel gezeigt, die von einem meiner Facebook-Freunde “geliked” wurden. Und damit haben wir nun wirklich eine neue Form von Social-Commerce in Reinkultur.
Per Zufall via einen Kommentar beim Leumund drüben auf folgendes Video von der TED-Konferenz gestossen. In Zeiten von Crowd-Sourcing, gruppendynamischen Prozessen, Social-Media und -Networks – namentlich Facebook und Twitter - ist die Aussage von Derek Sivers sehr treffend: “Der 1. Follower macht aus einem Idioten erst einen Leader.”