Media Markt vs Internet: bauernschlaue Schummelei?

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Alle Jahre wieder legt sich der Media-Markt mit der Online-Branche an. So auch heuer wieder geschehen, verspricht der Media Markt Deutschland in seiner letzten „wir sind billiger“-Kampagne den jeweils günstigsten Preis bei sortimentseigenen „Top-Bestsellern“ (für Notebooks,  Tablets und Smartphones) zu haben.

Der Haken dabei: für den Preisvergleich zählt dabei jedoch nur die Preissuchmaschine idealo.de, zu welcher media-markt.de praktischer Weise gleich den jeweils direkten Link liefert. Nutzerorientierte Convenience, oder?

Kampagne
Der Teufel steckt im Kleingedruckten (Klick)

Bei Computer Reseller News wurde man misstrauisch, hat sich diese Kampagne im Detail angeschaut und festgestellt, dass der Media Markt offenbar einmal mehr in die Trickkiste gegriffen hat:

„So findet Idealo bei der Suche über Media Markt etwa auffallend häufig weniger vergleichbare Angebote heraus, als bei der direkten Idealo-Suche.“ (crn.de).

Auch etailment.de hat sich dieser Sache angenommen und entlastet den Media Markt vom Vorwurf der Schummelei und attestiert an Stelle dessen „Bauernschläue“. Die Bedingungen sind nämlich derart restriktiv, dass der Media Markt den Preisvergleich eigentlich nicht verlieren kann.

Von Zwölf bis Mittag gedacht? 

Oder ein Frontalangriff auf das Internet? Ernsthaft: ob nun verwerflich oder nicht.

Umatzwachstum DE-Elektronikversender (Quelle: Exciting Commerce)

Faktisch steht der Media Markt mit dem E-Commerce auf Kriegsfuss, denn Onlinehandel findet noch immer weitgehend ohne den roten Riesen statt (Redcoon ausgenommen – vgl. Grafik links – Quelle Exciting Commerce).

Vor allem idealo.de könnte sich mit dieser Kampagne aber ein Eigentor geschossen haben. Ein Preisvergleichsdienst lebt von Neutralität und Vertrauen.

Beides könnte beim kritischen Kunden einen nicht unerheblichen Knacks bekommen haben, denn was auf den ersten Blick das Schnäppchenjagdverhalten anspricht und die zum Kauf wichtigen Emotionen auslöst, könnte im vorliegenden Fall schnell zur Kaufreue samt Vertrauensverlust gegenüber beiden Protagonisten führen.

Die Sache mit dem Vertrauen ist besonders im Internet ein zerbrechliches Etwas und vielfach das Zünglein an der Waage in Sachen Kauf- bzw. Nutzungs- oder allgemein Handlungsentscheidung. Das Distanzproblem lässt sich im Distanzhandel nicht wegpatchen. Von daher ist im Onlinehandel eines der obersten Gebote, dem Kunden das Gefühl von Sicherheit zu vermitteln.

Von diesem Standpunkt aus gesehen, wurde die Kampagne weder vom Media Markt noch von idealo.de für den Kunden gestrickt. Das beweist nur einmal mehr, dass man beim roten Riesen noch immer nicht wirklich verstanden hat, wie der Kunde im Web funktioniert.


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7 KOMMENTARE

  1. Guter Artikel. Die Kunden von heute sind nicht dumm. Es ist mir ein Rätsel, wie soviel riskiert werden kann. Im Zeitalter von Facebook, Google+ & Co. könnte sich daraus ein immenser Schaden entstehen für beide Parteien. Ich sage nur Shitstorm und Negativkommentare. Wenn die Firmen nicht die Reißleine ziehen könnte das ein Böses Ende haben. Prahlt doch mit mehr Leistung und Mehrwerten anstatt mit Tricksereien. Ein kopfschüttelnder Marketer.

    Utku Akkoc

    • Hallo Herr Akkoc
      Herzlichen Dank für Ihr Feedback. Es ist in der Tat nicht immer nachvollziehbar, was bei solchen Aktionen in den Köpfen der Verantwortlichen vorgeht. Vielerorts ist das Internet noch immer „das unbekannte Wesen“. Beste Grüsse, Timo Oelerich

  2. Wird sich zeigen. Was sich aber einmal mehr zeigt ist die tatsache, dass es offensichtlich zum allgemeingut geworden ist, dass im web der preis entscheidet. Ein klick bis zum nächst günstigern angebot. Das können marketing-leute leugnen,weil da die kunst des marketings endet. Man kann es verteufeln. Aber kaum mehr wegdiskutieren.

    • Die ‚Schnäppchenjagd‘ ist Salonfähig geworden, so dass es heute vielmehr das limbische Belohnungssystem aktiviert als es noch vor ein paar Jahren der Fall war. Die ungeheure Transparenz im Netz spielt dem natürlich in die Hand. Das ‚maximale Leistung zum minimalen Preis‘ kann jedoch kaum funktionieren, so dass es hier auf Dauer vermehrt zu (kognitiven) Dissonanzen auf der kundenseitigen Post-Kauf-Bewertung kommen müsste. Zumindest mal in der Theorie … Beste Grüsse, Timo Oelerich

  3. Der Internethandel lebt momentan ausschließlich vom Angebot / Preisvergleich / Schnäppchen. Kaum ein Internethändler investiert in Service-Design oder Kundenbindung abseits von Paypack.

    Es entsteht folglich keine bis nur geringe Bindung an den Interhändler. Heute hier gekauft und morgen da.

    Mit dem Preis und der sofortigen Verfügbarkeit der Ware trifft MediaMarkt die Internethändler an deren verwundbaren Stelle. Über die Art und Weise kann man streiten und sicherlich wird idealo.de daran auch zu knabbern haben. Doch für MediaMarkt zahlt es sich sicherlich aus. Zumal bei der nächsten Kamapagne im Frühjahr die Kunden eh wieder alles vergessen haben.

    Ich teile die kritische Sichtweise auf die Aktion, kann den Ansatz aus Sicht von MediaMarkt nachvollziehen.

    • Besten Dank für Ihr Feedback. Ich bin sicher, dass es sich für den MM ausgezahlt hat. Ob das jedoch nachhaltig auch der Fall ist -sollte es weitere Aktionen dieser Art geben- wage ich zu bezweifeln. Die mangelnde Bereitschaft zur Nachhaltigkeit der Einen sollte meiner Ansicht nach der Differenzierungsansatz für die Anderen sein. Natürlich geht das mit Investitionen einher. Solange aber ‚die Anderen‘ den Teufelskreis nicht durchbrechen, wird sich das kaum ändern.

      In diesem Kontext verfolge ich gern den Ansatz der Effizienzsteigerung, um zB. die CPO zu verringern und so mehr Budget freizumachen. Hier ist mit relativ wenig finanziellem Aufwand sehr viel Boden gut zu machen.

  4. Für mich ist es unverständlich wie Mediamarkt immer noch versucht sich über den Preis zu positionieren. Günstiger als das Internet? Das geht als stationärer Händler langfrstig überhaupt nicht.
    Personal, Verkaufsfläche, Einkauf über Aussendienstler usw. – da kann man nicht gegen ein durch und durch struktierten Onliner wie Amazon mithalten.
    Deshalb ist es auch unglaubwürdig wenn man mit solchen Preisvergleichen versucht Aufmerksamkeit zu gewinnen.
    Die Probleme bei der MSH sind viel tiefgehender, da jeder Markt eingenständig ist und der Geschäftsführer den Onlineshop oft als Feind sieht.

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