Was hat eine E-Commerce-Strategie mit Ferien zu tun – oder warum braucht es eine E-Commerce-Strategie?

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Von einem potentiellen Kunden habe ich in Bezug auf einen neuen Online-Shop letzthin folgende Aussage gehört:

“Wir arbeiten schon am Pflichtenheft. Für die Strategie fehlen uns einfach die Ressourcen.”

… und noch ergänzt mit:

“Wir wissen ja eigentlich was wir wollen.”

Ich habe dem Kunden spontan gesagt:

“Ein Pflichtenheft zu erstellen ohne Strategie ist wie eine Packliste für die Ferien zusammen zu stellen ohne zu wissen, wohin es geht.”

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Bild unter CC Lizenz von pixabay

Was haben eine E-Commerce-Strategie und Ferien bzw. die Ferien-Planung gemeinsam?

Erstaunlicherweise recht viel – man kann die beiden gut miteinander vergleichen.

Wenn Sie die Packliste für die Ferien zusammenstellen, dann sind Sie bereits mitten in der Detailplanung und haben sich vorgängig schon Gedanken über die Art der Ferien gemacht und entschieden wann es wohin geht, mit wem und wie.

Wenn Sie jemandem den Auftrag geben, die Packliste für Sie zusammen zu stellen, dann müssen Sie der Person diverse Angaben machen, sonst fehlen in der Packliste wichtige Dinge oder umgekehrt sie nehmen Dinge mit, welche Sie nicht benötigen.

Wenn jemand ein Pflichtenheft für einen Online-Shop schreiben soll, dann muss er wissen wohin die “Reise” in Sachen E-Commerce der Firma gehen soll. Sonst darf man sich nicht wundern, wenn nicht das heraus kommt, was man wirklich braucht. Das was man braucht/will muss vorgängig definiert werden.

Geht es in eine Stadt, ans Meer oder in die Berge? Wenn es ans Meer geht: Ist es zum Sommer hin im Süden oder im Herbst und gar im kühlen Norden? Ist die Unterkunft ein Hotel, eine Ferienwohnung oder soll im Zelt gewohnt werden? In jedem Fall sind es Ferien, aber die Packliste sieht für jede Kombination ganz anders aus.

Und noch bevor Sie das Reiseziel kennen, haben Sie bereits andere Dinge entschieden, die noch wichtiger sind als das Reiseziel:

  • Soll es eine Studienreise oder ein Abenteuer- oder ganz einfach ein Entspannungs-Urlaub sein?
  • Gehen Sie alleine, zu Zweit, mit kleinen Kindern oder in einer grösseren Gruppe?
  • Wie hoch ist das Budget?
  • Welche Reise-Möglichkeiten kommen in Frage? Auto, Flugzeug, Zug, Velo?

Alle denkbaren Kombinationen sind Ferien. Die Ziele, die Ausprägungen und die dafür notwendige Planung und Umsetzung können sich diametral unterscheiden.

Bevor Sie ein Pflichtenheft für einen Online-Shop erstellen müssen analog zu den Ferien ganz viele Entscheide getroffen worden sein. Ein Online-Shop ist eben nicht einfach ein Online-Shop. Je nach Markt, dess Eigenheiten und den spezifischen Trends, je nach Zielgruppen und deren Bedürfnissen, je nach Art der Produkte und deren Ausprägungen, je nach Touchpoints mit den Kunden, je nach Ressourcen der Firrma usw. kann ein Online-Shop ganz anders aussehen.

Die Online-Shops eines Baumarktes und eines kleinen Herstellers von Hightech-Investionsgütern für den internationalen Markt sind so unterschiedlich wie eine geführte Städtereise in London und Velo-Zelt-Ferien in Italien.

Eine andere Aussage, die wir hin und wieder von Kunden hören:

“Wir haben bereits entschieden, dass wir den neuen Online Shop wieder mit Technologie X oder Partner Y umsetzen wollen”

Solche Aussagen fallen teilweise vor dem Strategie-Prozess.

Die analoge Aussage bei Ferien würde lauten:

“Wir haben entschieden, dass wir mit dem Auto in die Ferien fahren werden.”

Diese Aussage wird wahrscheinlich so sogar sehr oft gemacht. Ich behaupte aber, dass bei den Ferien dabei bereits übergeordnete Entscheide getroffen wurden. Beispiel: Es sind kleine Kinder dabei, man will es sich einfach machen und hat entschieden, dass das Auto dabei einfach das Bequemste ist.

Sich vor dem Strategie-Prozess für eine bestimmte Technologie zu entscheiden kann als fahrlässig bezeichnet werden. Sie schränkt die möglichen Konzepte und damit auch die Strategie unnötig ein. Man beginnt sozusagen mit der vermeintlich einfachsten Entscheidung und merkt die Auswirkungen erst viel später (oder wenn man die Zusammenhänge nicht erkennt auch nie).

Es ist einfacher die nächsten Ferien, als einen neuen Online-Shop zu planen. Zudem kommt hinzu, dass Ferien öfters geplant werden als Online-Shops.

Jede Person kann mehr oder weniger viel Erfahrungen im Planen von Ferien aufweisen. Das Know-How im Planen von Online-Shops ist nicht gleich verbreitet.

Wenn Ferien mal etwas schief gehen, ist dies nicht so schlimm – man macht es das nächste Mal einfach anders und besser. Einen Online-Shop falsch zu planen, bzw. die E-Commerce-Strategie oder gar die übergeordnet Strategie aus zu lassen kann richtig schmerzen oder gar die Existenz der Firma bedrohen.

Nehmen Sie sich Zeit, für die Planung der Ferien und auch für die Definition der E-Commerce-Strategie!


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