Zalando an der Börse und was der IPO bedeutet

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In den letzten Wochen ist sehr viel geschrieben worden rund um Zalandos Börsenstart, der gestern in Frankfurt erfolgte. Dabei sind die Grenzen zwischen Boulevard und Wirtschaftspresse teilweise mehr als verschwommen. Thema immer wieder das Wachstum, die Verluste, die Retouren aber auch das Geschäftsmodell hinter Rocket-Internet, dem (früheren) Treiber von Zalando. Die kritischen Stimmen der (alten) Wirtschaftspresse waren gefühlt lauter.

Besser als Jochen Krisch kann man es aber nicht reflektieren, was der gestrige Start an der Börse bedeutet. Nämlich das ein sehr schnell wachsendes Unternehmen – zu schnell wenn man in der „analogen Denke“ verblieben ist – mit einem ausgesprochenen Leistungsausweis und effektiv vorhandener Substanz (Knowhow, Infrastruktur, Marktanteile etc.) sich dem Kapitalmarkt geöffnet hat. So unaufgeregt – nicht mehr und nicht weniger.

Nachfolgender Beitrag ist gestern bei Exciting Commerce publiziert worden – Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung:

Zalando startet mit einer Punktlandung an die Börse, hat damit keinen Cent liegen gelassen – und zugleich alle Zocker leer ausgehen lassen. “Typisch Zalando!”, möchte man sagen, wenn Zalando nicht in einem komplett anderen Ruf stünde.

zalandoipo

Dabei bleibt es ein Mysterium, warum speziell bei Zalando Realität und öffentliche Wahrnehmung so sehr auseinanderklaffen. Weder sind an der Spitze des Unternehmens irgendwelche Schaumschläger, noch hat man von Zalando jemals ein Wort der Überheblichkeit oder Seitenhiebe auf den Wettbewerb gehört. Ganz im Gegenteil ist die öffentliche Zurückhaltung und die Zurückgenommenheit der Zalando-Führung fast schon beängstigend für ein Unternehmen dieses Kalibers.

“Ich tue lieber etwas, als groß darüber zu reden”, sagte Robert Gentz auf der Heureka-Konferenz im Mai, einem der ganz wenigen öffentlichen Auftritte, wo er sichtlich lieber in der letzten Reihe zugehört hätte als vorne den großen Selbstdarsteller zu geben, eine Rolle, die ihm weder auf der Bühne noch sonst liegt.

Als wir im Anschluss noch kurz gesprochen haben und er mich spontan in die Zalando-Zentrale eingeladen hat, dann wären wir unter normalen Umständen auf der kurzen Autofahrt sicherlich schweigend nebeneinander gesessen und unseren Gedanken nachgehangen.

Viele andere würden so eine Autofahrt für einen endlosen Pitch nutzen. Ihn hingegen erlebe ich als einen der wissbegierigsten Menschen. Und so wollte er an dem Tag natürlich als erstes wissen, wie es denn zu bewerten sei, was Collins da mit About You am Tag zuvor vorgestellt hat. Im Gegenzug gibt er freimütig Auskunft über Zalando, ohne dabei um den heißen Brei herumzureden (aber natürlich auch, ohne dabei groß ins Plaudern zu geraten).

Es sind Taten statt Worte, die Zalando so groß und stark gemacht haben. Denn was man immer wieder unterschätzt: Zalando ist im Kern ein hart arbeitendes, extrem schnell lernendes Unternehmen, das in erster Linie durch Leistung dort steht, wo es heute steht. Und nichts hätte das besser verdeutlichen können als dieser unaufgeregte Börsengang.

Denn was ist das für eine Leistung: Als Newcomer im Online-Handel nach 6 Jahren mit einer Bewertung von über 5 Mrd. Euro an die Börse zu gehen und dabei 600 Mio. Euro für das Unternehmen einzusammeln, für nicht einmal 12% der Anteile. Bewundernswert, wie die gesamte Zalando-Story!

Und wenn man von einem ausgehen kann: Die Zalandos werden auch weiterhin keine großen Worte verlieren, sondern schneller voranpreschen als es so manchem lieb sein kann. Aller Missachtung und aller Anwerfungen zum Trotz.


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