Der Detailhandel Schweiz schrumpft – mal wieder

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Gestern hat die GfK ihren Markt Monitor Schweiz mit den Entwicklungen der ersten 3 Quartale veröffentlicht. (Slides)

Und die Zahlen sehen nicht gut aus. Wie zu erwarten fällt dieser negative Effekt im Food Bereich (-1.2% zu VJ) weniger stark aus als im NonFood (-3.2% zu VJ).

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Quelle: GfK

Im Bereich Food hat sich der im Januar von der Schweizer Nationalbank aufgehobene Mindestkurs zum Euro  weniger stark auf die Preise ausgewirkt – auch wenn die Lebensmittel-Detailhändler natürlich medienwirksam einige Preissenkungen hervorgehoben haben. Auch kann sich nur die grenznah wohnende Bevölkerung kontinuierlich mit günstigeren Lebensmitteln im Ausland versorgen.

 

 Im NonFood sind die Schmerzen eindeutig höher

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Quelle: GfK

 

Die überall blinkenden Eurobonus Schilder sind nirgendwo in der Schweiz übersehbar und man muss sich mal vorstellen, wie die Zahlen aussehen würden, wenn der hier nicht berücksichtigte und generell leidende Fachhandel noch ausgewiesen wäre.

Einige Gründe für die schlechten Zahlen

  • Die Aufhebung des Euro Mindestkurses hat die Preise rutschen lassen. Nicht nur bei denen, die auch im Ausland in Euro einkaufen, sondern überall dort wo der Preistransparenz- und Wettbewerb entsprechend spielt.
  • Eine weitere Verschiebung hin zu im Monitor nicht berücksichtige Online Händlern wie z.B. Zalando
  • Generelle Verschiebungen von Umsätzen ins Ausland (stationär und online)

Besonders stark trifft das natürlich jene Händler, die nicht günstiger einkaufen können, aber irgendwie mit den Preisen mitgehen müssen, um nicht vollkommen vom Radar des Kunden zu verschwinden. Dann wird es entsprechend eng und Schliessungen sind die Folge.

 

Die Teilnehmer der GfK Markt Monitors

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Quelle: GfK

Bei den Elektronik Händlern sind im Monitor sehr starke online Player vertreten – diese sollten die Preissenkungen mit ihrem momentanen Wachstum, wenn auch knapp, kompensieren können. Man stelle sich nun mal vor, diese wären mit ihren online Umsätzen nicht im Panel vertreten.

Die Zukunft

Die Aussichten sind m. E. nicht besonders gut. Die ausländischen Online-Player nehmen den Schweizer Markt zunehmend ins Visier. Ob nun Alternate, Amazon oder auch herstellerseitig Nike – nur einige Beispiele der jüngsten Vergangenheit. Im Bereich Fashion räumt Zalando aufgrund der weitest gehenden Schockstarre der hiesigen Anbieter den Markt ab.

Der Schweizer Konsument freut sich natürlich über die sinkenden Preise und das Bundesamt für Statistik prognostiziert für 2015 eine gar gesamthafte negative Teuerung von 1.1%.

Aber nur die Preise sind sicher nicht alleine Schuld an dieser Situation, denn viele der teilnehmenden Händler sind zwar irgendwie auch online, aber in der Umsetzung kann noch optimiert werden. Aber über diese operative Betrachtung hinaus ist ist eine gewisse Perspektivlosigkeit spürbar – die Flucht in noch mehr Fläche ist dabei dann immer noch der erste Reflex. Von dieser Haltung  abweichend ist Siroop, als neuer im Aufbau befindlicher Marktplatz von Copp und Swisscom, eine interessante Initiative. Aber selbst bei einem schnelle Erfolg dürfte das natürlich nicht reichen um den ganzen Detailhandel zu retten.


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1 COMMENT

  1. […] Nicht weil er besonders brav war, sondern vielmehr weil er seine Hausaufgaben teilweise sehr gut gemacht hat – denn auch er kann sich widrigen Marktentwicklungen wie sinkende Verkaufspreise, schwacher Euro und zunehmende Kaufkraftverluste ins Ausland nicht immer entziehen. Trotzdem hat er es aber geschafft sich in den meisten Branchen einiges besser zu entwickel als dies die Branche im 2015 als Ganzes getan hat. […]

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