Kahlschlag im Detailhandel: In den USA voll entbrannt, in der Schweiz am Anfang

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Prolog: Ich habe immer wieder das eigenartige Gefühl, dass wir hierzulande die einzigen sind, die ständig von den dramatischen Entwicklungen warnen, die im Gange sind. Dramatische Entwicklungen für den Handel, die Einzelhandelsarbeitsplätze und die Immobilien. Nur scheint das niemand wahrhaben zu wollen.

«US Retail trade lost more jobs in the past 2 months than coal mining lost in the past 20 years»

Dies die dramatische Aussage stammt von keinem geringeren als dem Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften Paul Krugman auf Twitter vor wenigen Tagen. Er referenzierte dabei auf eine aktuellen Bestandesaufnahme des US-Detailhandels von vergangener Woche bei Bloomberg.

Retail Is a Mess, to Say the Least.

Der Einzelhandel in den USA schliesst aktuell Flächen in einem noch nie dagewesenen Ausmass und sucht weiterhin nach Antworten auf die Übermacht des Onlinehandels.

Doch es ist nicht wirklich diese Übermacht des Onlinehandels, es ist das veränderte Verhalten der Konsumenten und deren gesteigerte Erwartungshaltung. Ein Amazon wäre nie so stark, würde er nicht die Erwartungen perfekt erfüllen während die Detailhändler kläglich scheitern.

Der Detailhandel versucht, seine Probleme zu lösen. Amazon löst derweil die Probleme der Kunden. Click To Tweet

Die Schliessungen erreichen aktuell Rekordhochs und Analysten erwarten, dass in den USA naehzu 9’000 Geschäfte dieses Jahr verschwinden werden. Alleine im März 2017 wurden 30’000 Stellen im Detailhandel gestrichen, und dies sei erst der Anfang.

Rekordverdächtige Ladenschliessungen in diesem Jahr gem. Bloomberg - Quelle: Credit Suisse
Rekordverdächtige Ladenschliessungen in diesem Jahr gem. Bloomberg – Quelle: Credit Suisse

Dutzende von Detailhandelsketten melden Konkurse an und weitere versuchen zu retten, was zu retten ist. Mit fatalen Folgen für den Immobilienmarkt:

The rapid descent of so many retailers has left shopping malls with hundreds of slots to fill, and the pain could be just beginning.

More than 10 percent of U.S. retail space, or nearly 1 billion square feet, may need to be closed, converted to other uses or renegotiated for lower rent in coming years.

In der Schweiz fängt es erst an

Was wohl nach wie vor viele nicht wahrhaben wollen ist, dass wir auch in der Schweiz noch vor grossen Schliessungswellen stehen. Allen Weckrufen zum trotz bewegt sich der Schweizer Detailhandel kaum oder zu langsam.

Und am Auslaufmodell Einkaufszentrum wird festgehalten oder man mutiert diese zu Entertainment-Tempeln – schlicht der Anfang vom Ende. Derweil die grössten Onlineshops auch in der Schweiz mittlerweile mehr Umsatz machen als die grössten Shopping-Center.

Von den Ketten erwischte es bislang am hartesten die Fashion-Händler. In der Vergangenheit waren es Companys, Bernies, Jamarico, Jeans & Co. In den letzten Monaten Charles Vögele, Switcher, Blackout – und seit heute ist auch Yendi am Ende.

Währenddessen Zalando weiter im Rekordtempo zulegt und im vergangenen Jahr dem Schweizer Markt deutlich mehr als eine halbe Milliarde Franken Umsatz entzogen hat, ohne einen einzigen Angestellten in der Schweiz (Zalando in Zahlen: 12 Mio Pakete und CHF 534 Mio Umsatz in der Schweiz 2016).

Die Probleme des Schweizer Detailhandels akzentuieren sich immer mehr. Und dabei ist Amazon in der Schweiz ja noch gar nicht richtig gestartet…


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