Online-Lebensmittelhandel stagniert – neue Konzepte sind gefragt

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Online-Lebensmittelhandel stagniert – neue Konzepte sind gefragt

Gestern publizierte der Schweizer Marktführer für Online-Lebensmittel LeShop seine Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr. Zum dritten Mal in Folge belief sich der Jahresumsatz auf CHF 150.- Mio.

LeShop - Umsatzentwicklung 1998 - 2012

Das Umsatzwachstum war erneut gleich null und durch die erstmals wieder erhöhten Transaktionsgrössen sind faktisch auch weniger Bestellungen ausgeführt worden.

Die Verschiebung der Umsätze in den mobilen Kanal jedoch sind beeindruckend, führten jedoch nicht zu Wachstum sondern verhalfen, das Niveau von 150 Mio. zu halten.

Im Vorjahr wurde vermeldet, dass LeShop schwarze Zahlen schreibe. Im vergangenen Geschäftsjahr wurde der Erfolg nicht kommentiert. Es dürfte jedoch ein positiver Cash-Flow resultieren, aber die Investitionen in Drive und Rail werden wohl in der Erfolgsrechnung spürbar sein.

In unserer Online-Lebensmittelhandels-Übersicht vom vergangenen Frühjahr wurde der Anteil an Stammkunden von LeShop für 2011 mit ca. 100’000 beziffert. 2012 sind ein knappes Drittel Neukunden dazugekommen bei gleichem Umsatz und weniger Transaktionen dürfte also heissen, man verliert in gleicher Kadenz wieder Kunden – warum?

2010 2011 2012
Umsatz (Mio. CHF) 151 150 150
Durchschnittlicher Bestellwert (CHF) 235 235 244
Anzahl Neukunden + 38’100 + 28’200 +32’400
Anteil Mobil-Bestellungen** (Smartphone, Tablet) 5% 11% 23%

Stösst der Onlinehandel mit Lebensmitteln an seine Grenzen?

Dieser Frage ging auch das Schweizer Fernsehen in der gestrigen Hauptausgabe der Tagesschau nach. Ich denke, die Grenzen sind erreicht mit den heutigen Konzepten, dh primär mit der Heimlieferung.

Die Logistik für Lebensmittel ist komplex und aufwändig und damit teuer. Die Liefergebühren bei coop@home wie auch LeShop schlagen hier beim Konsumenten stark zu Buche oder er muss umfangreiche Einkäufe tätigen, was der durchschnittliche Bestellwert bei LeShop von CHF 244.- zeigt.

Eine Bestellung in dieser Grössenordnung entspricht jedoch einem Wocheneinkauf. Nun ist unsere Gesellschaft jedoch vermehrt kurzfristiger orientiert und kommt immer mehr vom Wocheneinkauf ab, was auch für den Onlinehandel neue Konzepte – inbesondere in der Logistik – erfordert. Will heissen, Konzepte mit schnellerer und günstigerer Verfügbarkeit der Lebensmittel für den Kunden.

Denn trotz der Stagnation soll der Onlinehandel mit Lebensmitteln exponentiell wachsen, wie LeShop in seiner Medienmitteilung schreibt:

LeShop.ch rechnet damit, dass der Online-Anteil am Umsatz des gesamten Lebensmittelmarktes langfristig auf 5 Prozent ansteigt. Christian Wanner, Mitgründer und Geschäftsleiter von LeShop.ch, erklärt: «Immer mehr Leute werden online bestellen, weil der Supermarkt via Smartphone und Tablets immer und überall einfach verfügbar ist.»

Die anvisierten 5% Onlineanteil entsprechen nach heutigem Wert CHF 1.8 Mrd. – in der Schweiz werden derzeit gesamthaft etwa CHF 36 Mrd. für Lebensmittel ausgegeben pro Jahr. Coop und Migros zusammen machen derzeit online etwa CHF 250 Mio – da scheint das Ziel doch sehr ambitiös. Aber das Beispiel England legt dar, dass solche Anteile im Bereich des Möglichen liegen können.

Doch gerade die erneute Nuller-Wachstumsrunde ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass die bisherigen Konzepte neu gedacht und ergänzt werden müssen. Und da zeigte sich LeShop mit dem gut angelaufenen DRIVE-Programm und dem neue RAIL-Service im vergangenen Jahr immerhin sehr innovativ.

Aber die nächsten Zahlen werden zeigen müssen, ob damit LeShop wieder an Fahrt gewinnen kann oder ob sich nach den Bestellkanälen nun die Umsätze auch nur in neue Abholkanäle verschieben – bei gleichbleibendem Umsatz aber hohen Investitionskosten.


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Thomas Lang

Jahrgang 1968 - Geschäftsführer und Inhaber der Carpathia AG, der unabhängigen und neutralen Unternehmensberatung für E-Business und E-Commerce. Autor von zahlreichen Fachartikeln und -studien, Dozent für Online-Vertriebsmodelle an verschiedenen Hochschulen sowie gefragter Referent an intl. Konferenzen zum Thema E-Commerce und Digitale Transformation im Handel.

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3 Kommentare

  1. Alex Schweizer

    Ich habe das letzte Mal im Jahre 2002 bei Leshop bestellt. Der Vorteil: Einkaufen macht Spass. Nachteil: Man muss bei der Lieferung zu Hause sein, und der Pöstler muss die ganzen Einkäufe durchs Dorf schleppen wie ein Depp… Bestellt man regelmässig, wir man schnell zum Bösen. Könnte man diese zwei Probleme lösen, wirds schnell aufwärts gehen.

  2. carpathia: e-business // e-commerce.blog - Onlineshops von Coop kommen nicht vom Fleck

    […] als der Marktführer LeShop, der 2012 stagnierte,  konnte coop@home weiter zulegen. Die CHF 96 Mio sind noch um die MwSt zu bereinigen, da Coop den […]

  3. E-Food Lesetipps 1/2013 | netzkonsum.de

    […] langsam abgeebbt. Den insbesondere beim größten Anbieter der Alpenrepublik LeShop.ch stagnieren nach aktuellen Zahlen die Umsätze in den letzten drei Jahren auf dem selben Niveau. Der direkte Mitbewerber Coop@home […]

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