Retail Outlook 2018: Digital bestimmt das Wachstum

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Der stationäre Detailhandel stagniert wohl weiterhin in der Schweiz und so kommt der diesjährige Retail Outlook der Credit Suisse zu einem geschätzten leichten Umsatzplus von 0.1%. Die gute Nachricht ist immerhin, dass der Umsatzrückgang gestoppt werden konnte.

Der Bereich Food konnte gar leicht zulegen (+ 0.3%) während Non-Food leicht rückläufig ist. Die Entwicklungen der (stationären) Umsätze zeigt jedoch ein heterogenes Bild:

Nominale Detailhandelsumsätze, Veränderung zum Vorjahr in % - Quelle: GfK, BFS, Credit Suisse; 2017 von Credit Suisse geschätzt
Nominale Detailhandelsumsätze, Veränderung zum Vorjahr in % – Quelle: GfK, BFS, Credit Suisse; 2017 von Credit Suisse geschätzt

Freizeit, Do-It/Garten wie auch Heimelektronik konnten zulegen währenddessen beispielsweise Mode (stationär) erneut rückläufig war, wenn auch nicht mehr in dem Ausmasse wie in den Jahren zuvor. Ganz anders Mode online, die von einem Händler ganz klar dominiert wird, Zalando. Doch wie hoch ist deren Umsatz 2017 in der Schweiz wirklich?

Zalando Umsatz-Schätzung vermutlich zu tief

Erstmals hat sich die Credit-Suisse an die Schätzung der Zalando Zahlen für die Schweiz gewagt und den Umsatz für 2017 auf CHF 624 Mio beziffert.

Laut Outlook wurde die Umsatzzahl aufgrund der Aussenhandelsstatistik der Eidgenössischen Zollverwaltung grob geschätzt und aufgrund der Retouren – zolltechnische sind dies Re-Importe – erhoben. Der Zoll wird in der Schweiz (leider) nach wie vor auf dem Gewicht und nicht dem Wert erhoben, daher ergeben sich Fragen zur Schätzung der CS.

Wir gehen davon aus und haben entsprechende Hinweise, dass die erwähnten 624 Mio. zu tief sind und der Umsatz von Zalando in der Schweiz um einiges höher liegen könnte. Derzeit sind wir daran, diese Zahlen wiederum aufwendig zu erheben und gehen davon aus, diese gegen Monatsende publizieren zu können.

Omni-Channel Verhalten

Dass der Kunde nicht im Kanal sondern beim Brand kauft, darauf haben auch wir immer wieder mal hingewiesen. Und die Schweiz hat diesbezüglich noch deutlich Luft nach oben. Erfreulicherweise zeigt der Report in der aktuellen Ausgabe eine Erhebung, wie sich das Touchpoint-übergreifende Verhalten unter den verschiedenen Käufergenerationen in der Schweiz zeigt:

Quelle: Fuhrer & Hotz; *Webroomer: Konsumenten, welche sich online informieren und anschliessend das Produkt vor Ort kaufen.

Damit zeigt sich einmal mehr, dass über 40% der stationären Einkäufe online vorbereitet werden (die sog. „Webroomer“) und sich dadurch nicht nur die Frequenz sichern lässt, sondern damit sich auch jedes Omni-Channel-Projekt schön rechnen lässt.

Die Showroomer hingegen, gemeinhin verantwortlich für den sog. „Beratungsklau“, machen einen Bruchteil davon aus. Wobei die Frage immer noch ungelöst ist, wer eigentlich bei wem klaut?

Amazon und Zalando oft nachgefragt

Amazon und Zalando dürften 2017 nach unseren Schätzungen weit über eine Milliarde Franken Umsatz aus der Schweiz geholt haben, notabene ohne einen einzigen Mitarbeiter hierzulande.

Der Retail Outlook hat mithilfe von Google Trends die Suchanfragen nach den beiden internationalen Playern analysiert und insbesondere bei Amazon das grösste Interesse in den grenznahen Gebieten identifizieren können. Da Amazon nach wie vor nur ein sehr eingeschränktes Sortiment in die Schweiz liefert – was sich demnächst jedoch ändern soll – ist dies nicht weiter erstaunlich.

Gerade in den grenznahen Gebietet erfolgt die Lieferung solcher Sendungen an Dienstleister ennet der Grenze oder an Abholstationen, wo die Ware dann selber importiert wird. Zalando hingegen verzollt sämtliche Sendungen „endkonsumentenfertig“ und beliefert die Schweizer Kunden wie ein Schweizer Händler inklusive Schweizer Retourenadresse.

Google Trends: Regionale Häufigkeit von Suchanfragen zu Amazon und Zalando, standardisiert - Grafik: Credit Suisse
Google Trends: Regionale Häufigkeit von Suchanfragen zu Amazon und Zalando, standardisiert – Grafik: Credit Suisse

Onlinehandel ist ökologisch

Die CS legte in diesem Jahr einen Fokus auf das Mobilitätsverhalten der Schweizer Konsumenten die sich laut den Analysten für ihre Einkäufe über eine Milliarde Mal auf den Weg machten. Jedes zweite Mal davon mit dem Auto.

In den letzten Jahren verringerte sich laut der Studie die Anzahl Einkaufsgänge pro Kopf von Non-Food-Produkten (30% Anteil an den Einkäufen) um 8%, was laut den Experten unter anderem auf den zunehmenden Onlinehandel zurückführen sei. Das wären dann rund 12 Mio. Fahrten weniger pro Jahr dank E-Commerce.

Anhaltende Wachstumsdynamik im Onlinehandel

Mit dem Ausblick auf 2018 geht die Studie von einer anhaltenden Dynamik im Onlinewachstum aus und differenziert dieses nach in- und ausländischen Anbietern:

Man prognostiziert Rückgänge im stationären Handel der Schweiz wie auch bei demjenigen im Ausland.

Umgekehrt erwarten die Befragten sowohl bei inländischen (+13%) als auch ausländischen (+18%) Onlineanbietern ein dynamisches Wachstum.

Malus: Kein Wort zu China

Derweil täglich über 45’000 Pakete die Schweiz aus China erreichen und quasi zollfrei die Grenze überschreiten (über 90% sind falsch deklariert) und wir die Umsätze 2017 für Aliexpress mit CHF 280 Mio und Wish mit CHF 160 Mio schätzen, findet sich in der Publikation leider kein einziges Wort dazu, obwohl dies ein akutes Problem für den Schweizer Detail- und Onlinehandel darstellt.

Etwas Nachhilfeunterricht bietet sicher auch das empfehlenswert ECO Spezial „Supermacht China – eine ökonomische Bedrohung?“ mit dem Fokus-Beitrag „Günstige China-Päckli boomen„:

History Repeating: Vor wenigen Jahren war noch kaum ein Wort zum Onlinehandel im Retail Outlook zu finden, nun scheint das Thema China noch nicht bei den Experten angekommen zu sein, was schade ist.

Der wiederum sehr lesenswerte Retail Outlook 2018 kann bei der Credit Suisse kostenlos bezogen werden.



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