Digitec Galaxus macht Preisentwicklung ihrer Produkte transparent

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Diese Woche hat Digitec Galaxus Erkenntnisse einer von ihr in Auftrag gegebenen Befragung zur Transparenz der Preisentwicklung bei Onlineshops publiziert. Gemäss diesen wünschen sich zwei Drittel der Schweizer Konsument*innen transparente Angaben zur historischen Preisentwicklung der angebotenen Artikel. Männer und Junge seien besonders preissensibel und Romands die passioniertesten Schnäppchenjäger der Nation.

Doch was ist der Hintergrund dieser Untersuchung? Digitec Galaxus testet seit Juni 2021 ein solches Preistransparenz-Feature auf ihren Plattformen. Anhand eines Graphen wird die Entwicklung der Produktpreise ab April 2021 bis zum Tag des Shop-Besuchs präzise ersichtlich gemacht. Erfasst werden ausschliesslich Preispunkte auf digitec.ch und galaxus.ch. Kund*innen sehen so auf einen Blick, ob das gewünschte Produkt zu einem früheren Zeitpunkt bereits einmal günstiger auf einem der beiden Onlineshops zu haben war, oder ob der aktuelle Preis der bisherige Tiefstpreis ist.

Preisentwicklung Samsung Galaxy Buds
Preisentwicklung der Samsung Galaxy Buds Pro auf Digitec.ch von April-September 2021, Quelle: Screenshot Digitec.ch

Dynamische Preise mit teils markanten Schwankungen auch innerhalb eines Tages sind im Onlinehandel seit mehreren Jahren bekannt und eine weitverbreitet eingesetzte Praktik. Digitec Galaxus nennt hierfür vier massgebliche Faktoren: der Einkaufspreis, die Verfügbarkeit, die Preise bei der Konkurrenz und ihre Kosten. Es ist kein Geheimnis, dass bei Wachstumsunternehmen eine kompetitive und automatisierte Preisgestaltung, basierend auf einer stetigen Preisüberwachung relevanter Mitbewerber, von zentraler Bedeutung ist.

Interessant ist die Frage, wie die Kunden auf die erhöhte Preistransparenz reagieren und welches die unternehmerischen Beweggründe zur Einführung dieses Features sind. Zum ersten Punkt liefern die Umfrageergebnisse erste Antworten. Falls das Produkt (CHF 100) nicht dringend benötigt wird, dieses jedoch noch nie günstiger angeboten wurde, würden 40.8% der Befragten sofort zugreifen. 46.9% würden jedoch zuwarten in der Hoffnung, dass das Produkt künftig noch günstiger wird.

Und wie reagieren die Leute, wenn es das Produkt auch schon günstiger zu kaufen gab? Bei ansonsten gleicher Ausgangslage geben rund ein Viertel der Befragten an, ab einem Preisunterschied von 6 bis 10 Franken oder 11 bis 20 Franken mit dem Kauf zuzuwarten oder sich nach anderen Angeboten umzuschauen. 14.1% verzichten bereits bei einem um CHF 5.- erhöhten Preis im Vergleich zum Rekordtief auf einen Kauf.

Umfrage Preistransparenz Galaxus 2
Preissensibilität der Kund*innen von Digitec Galaxus, Quelle: Medienmitteilung von Digitec Galaxus

Wie nun aber wirkt sich dieses Kundenverhalten auf die Umsätze des Onlinehändlers aus? Als grösster und führender Onlineshop der Schweiz befindet sich Digitec Galaxus in der komfortablen Lage, die Auswirkungen entspannt testen und beobachten zu können. Dies, weil sich das Onlinewarenhaus ziemlich sicher sein kann, dass seine Preise nie signifikant höher sind, als die eines relevanten Mitbewerbers. Das Risiko eines Kundenabsprungs zugunsten eines Konkurrenten ist folglich klein.

Erreicht wird diese Marktpreis-Sicherheit dank kontinuierlichem Price Crawling mit automatisierter Preisanpassung sowie einer sehr guten Lieferanten- und Anbieterabdeckung u.a. dank der ausgebauten Markplatzfunktion. Der steigende Anteil von Marktplatzanbietern bzw. die entsprechenden Provisionserträge sind es denn auch, die die Deckungsbeiträge der Plattform zunehmend von den erzielten Verkaufspreisen, sprich der Handelsmarge, entkoppeln.

Unabhängig von der Umsatzauswirkung stärkt Digitec Galaxus mit dem neuen Feature primär seine Positionierung als kundenorientiertes und vertrauliches Unternehmen.

Preisentwicklung Apple Air Pods
Preisentwicklung der Apple AirPods Pro auf Digitec.ch von April-September 2021, Quelle: Screenshot Digitec.ch

Interessant ist das neue Feature auch für Markeninhaber und Distributoren, um die Preisstabilität ihrer Produkte im Schweizer Markt zu erfassen und ggf. Anpassungen in der Vertriebsstruktur anzustossen. Vergleichen Sie die Preisentwicklung der Bluetooth-Kopfhörer von Samsung und Apple über die letzten fünf Monate. Welcher Hersteller hat wohl die bessere Kontrolle über den Vertrieb?



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2 KOMMENTARE

  1. Das ist ein spannendes Feature und auch realtiv mutig von digitec, das transparent zu machen. ABer nur relativ mutig… Es ist typisch,dass dies von einer Handelsfirma gemacht wird und erst noch von einer, die in Bereichen tätig sit, wo wir weiterhin (?) eine systematsiche Preisdegression haben – na ja, vielleicht mit der Ausnahme von Apple;-) Elektonikprodukte werden schnell alt, sinken im Preis, machen Platz für neue Produkte.

    Dazu kommt: Digitec Galaxus ist als reine Handelsfirma auch kaum vom höheren Preisniveau in CH betroffen,da sie ja nicht selber und auch nicht in CH produzieren (mit Ausnahme des Handellayers).

    Würden sie es auch so machen,wenn sie hier in CH produzieren würden und wenn sie produktionsbasierter wären?

    In vielen Branchen stehen wir vor einem deutlichen Preisschub: in meiner Branche , bei den Pflanzen (Urproduktion) steigen eben nicht nur die Versandkosten und die Kartonkosten, sondern Jungpflanzen (Pauschalierung der MWST in DE nicht mehr möglich, allein dadurch Erhöhung der Pflanzenpreise um ca 5%), Erde , Töpfe (Plastik) und Arbeit (20-35% des Kostemmixes). Da wird man um systematische Preiserhöhungen nicht herumkommen… Eine vergleichbare Situation haben wir zumindest in unserer Branche seit Beginn der 90er Jahr nicht mehr gehabt.

  2. Mein spontaner Gedanke: Ich würde sowas um die Verfügbarkeitshistorie erweitern – dann wird es gerade bei “verderblichen” Waren wie den oben genannten Pflanzen noch viel spannender. Denn Pflanzen haben ja auch eine Saison, bei der diese gepflanzt sein müssen. Was nützt dann der günstige Preis, wenn diese nicht oder erst spät lieferbar sind…
    Dann wird dieser Service auch für den Produzenten attraktiver

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