Amazon Fresh Supermarkt – so kaufen wir morgen ein?!

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Im kalifornischen Woodland Hills, etwas ausserhalb von Los Angeles gelegen, steht der erste Amazon Fresh Supermarkt. Technologisch eine eigentliche Weiterentwicklung des Amazon Go Konzepts (Amazon Go: So funktioniert das Selfservice-Format und so soll es skalieren), das jedoch eher auf kleinere Convenience Formate ausgerichtet war. Mehr zu den Unterschieden zu Amazon Go weiter unten.

Der Amazon Fresh Supermarkt ist ein Supermarkt im Grossformat. Er umfasst 35’000 Square Feet, was 3’250 Quadratmetern Fläche entspricht. Vom Sortiment her unterscheidet er sich kaum von den in den USA üblichen Supermarkt-Formaten, wobei es (noch) keine Frische-Theke für Fleisch etc. gibt oder auch keine integrierte Apotheke.

Sandwiches, Salate und anderes werden jedoch frisch im Laden für alle einsehbar zubereitet, ähnlich wie in den Amazon Go Konzepten. Auch ist die Sortimentstiefe gefühlt noch weniger ausgeprägt als in den etablierten Konkurrenz-Formaten.

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, im Amazon Fresh Supermarkt einzukaufen. Einerseits ganz konventionell mit tradtionellem Einkaufwagen und Checkout an der bedienten Kasse, soweit alles bekannt.

Anderseits komplett autonom mit einem der Dash-Carts, die voller Technologie sind.

Amazon Fresh Supermarkt: High Tech Einkaufswagen - Bild: Thomas Lang
Amazon Fresh Supermarkt: High Tech Einkaufswagen – Bild: Thomas Lang

Technologie

Amazon Fresh Supermarkt: Registrierung mit In-Store-Code in der regulären Amazon App - Bild: Thomas Lang
Amazon Fresh Supermarkt: Registrierung mit In-Store-Code in der regulären Amazon App – Bild: Thomas Lang

Der Grossteil der gesamten Technologie scheint in die Einkaufswagen integriert zu sein. Bevor man sich einen schnappt, wird kurz der In-Store-Code aus der Amazon-App gescannt, und sogleich ist mein Amazon Account mit dem Einkaufswagen gekoppelt.

Meine Einkaufslisten sind auf dem Display zugänglich, vergangene Einkäufe oder auch via Alexa hinzugefügte Artikel.

Die rechte Seite des Screens nehmen die Empfehlungen ein. Diese sind adaptive und abhängig, vor welchem Regal oder in welchem Gang ich stehe und selbstverständlich auch, was im Angebot ist oder meinem Einkaufsverhalten entspricht.

Wird ein Produkt aus dem Regal entnommen und in den Wagen gelegt, so wird es automatisch erkannt und dem aktuellen Einkauf hinzugefügt. Wird es wieder aus dem Wagen entnommen, so wird auch dies registriert und entsprechend vermerkt.

Dies funktioniert erstaunlich gut bei grossen Produkten. Bei kleineren Artikeln wie beispielsweise Lippenstift hat das System Mühe, den Artikel zu erkennen. Es macht den Eindruck, dass verschiedene im Einkaufwagen angebrachte Kameras aus unterschiedlichen Perspektiven versuchen, den Barcode zu erkennen. Es ist kein RFID oder ähnliches im Einsatz.

Wird ein Produkt nicht erkannt – sehr wohl jedoch, dass „etwas“ dem Wagen hinzugefügt wurde – so kann auch der Barcode des Produkts im integrierten Scanner manuell gescannt werden.

Ist der Einkauf abgeschlossen, verlässt die Kundin oder der Kunde bequem die Ladenfläche und die Abrechnung erfolgt automatisch via die App. Es ist keine weitere Interaktion mit einer Kasse oder einem Checkout-Prozess nötig.

Wer jedoch versucht, den High-Tech-Einkaufswagen bis zum Auto auf den Parkplatz mitzunehmen, wird scheitern. Die Räder blockieren automatisch, so bald der Wagen den Eingangsbereich des Supermarktes verlässt. Und da der Einkaufwagen vollgepackt mit Technologie (und Batterien) ist, lässt er sich auch nicht so leicht haben ;-).

Unterschied zu Amazon Go & Fazit

Das Amazon Fresh Supermarkt Konzept lässt sich nur sehr eingeschränkt mit dem Amazon Go Konzept vergleichen. Während Amazon Go für kleine Convenience Formate entwickelt wurde und die gesamte Technologie darauf beruht, dass Dutzende von Kameras im Laden erfassen, wer was aus dem Regal genommen hat, verfolgt der Supermarkt ein anderes Konzept.

Im Fresh Supermarkt scheint der überwiegende Teil der Technologie im Einkaufwagen verbaut zu sein. Die Scanner-Technologie für die Erfassung der Produkte, die dem Wagen hinzugefügt werden, dürfte sich nicht gross von derjenigen unterscheiden, die es u.a. bereits im Industrie- oder Logistik-Sektor gibt: Die blitzschnelle Erfassung eines Bar-Codes aus möglichst unterschiedlichen Winkeln.

Mit diesem Ansatz, die Technologie primär im Einkaufswagen zu verbauen, öffnen sich komplett neue Möglichkeiten. Einerseits entfallen aufwändige Ladenbauten mit unzähligen Kameras und proprietärer Technologie wie im Go-Konzept, das mutmasslich sehr teuer ist.

Mit den High-Tech-Einkaufwagen sind bezüglich Ladengrösse kaum Grenzen gesetzt und herkömmliche Formate dürften sich mit überschaubarem Aufwand auf diese Technologie erweitern lassen (oder anderen Betreibern als Fertiglösung verkauft werden).

Zudem ist es möglich, traditionelles und autonomes Einkaufen parallel im gleichen Format zu betreiben, wie in Amazons Pilot Supermarkt hier in Woodland Hills.



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Thomas Lang, Betriebsökonom und Wirtschaftsinformatiker, unterstützt Unternehmen bei der Strategieentwicklung von digitalen Vertriebsmodellen, beim Aufbau von digitalen Geschäftsmodellen, bei Expertisen rund um Onlinehandel und der operativen Umsetzung im Bereich Organisation, Prozesse, Innovation, Change-Management und Unternehmenskultur. Er ist Gründer der Carpathia AG, der unabhängigen und neutralen Unternehmensberatung für Digital-Business, E-Commerce und Digitale Transformation im Handel. Zudem ist er Autor von zahlreichen Fachartikeln und -studien, Dozent für Online-Vertriebsmodelle an verschiedenen Hochschulen sowie gefragter Keynote-Speaker zu E-Commerce und Digital Transformation im Handel. Er ist Initiator und Organisator der Connect - Digital Commerce Conference sowie des Digital Commerce Awards. Der von ihm gegründete Carpathia Digital-Business-Blog (https://blog.carpathia.ch) zählt im deutsch-sprachigen Raum zu den wichtigsten unabhängigen Publikationen im Digitalen Handel. Medien bezeichnen ihn als digitalen Vordenker, zitieren und interviewen ihn regelmässig .

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