ricardoshops.ch strategisch neu als Online Shopping Center für in- und ausländische Händler positioniert

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ricardoshops.ch strategisch neu als Online Shopping Center für in- und ausländische Händler positioniert

Wie an der heutigen Medienkonferenz mitgeteilt, hat Ricardo sein Online Shopping Center ricardoshops.ch neu lanciert. Zuletzt sorgten die Verkaufsgerüchte rund um Ricardo am Wochenende für Aufsehen, diese werden jedoch nicht kommentiert, wie es heisst. Mit ricardoshops.ch positioniert die Ricardo-Gruppe nun das frühere nie wirklich erfolgreiche shops.ch als Online Shopping Center strategisch neu.

Clever auch der „Move“, sich für ausländische Händler quasi als Fullservice-Dienstleister anzubieten und damit einen einfachen Markteintritt mit Import, Vertrieb, Support bis hin zur Retoure aus einer Hand zu ermöglichen. Schliesslich geben Schweizer ja jeden 6. Onlinefranken im Ausland aus.

Zum offiziellen Launch seien nun rund 2.5 Mio. Markenartikel von mehr als 30 Grosshändlern aus dem In- und Ausland im Angebot.

Neu als Händler-Marktplatz positioniert – auch für ausländische Anbieter

Im Gegensatz zu Ricardo positioniert sich Ricardoshops.ch als Marktplatz für Händler wo Kunden über einen Warenkorb bei verschiedenen Anbietern einkaufen können. Das Prinzip ist ähnlich einem Amazon Marketplace oder Rakuten (die eigentlich mit dieser Neupositionierung von Ricardoshops.ch als potentieller Kaufinteressent von Ricardo ins Spiel kommen).

Neben den typischen Onlinehändlern stehen auch stationäre Händler sowie Hersteller aus dem In- und Ausland im Fokus, wie Christian Kunz, CEO von Ricardo, zitiert wird.

«Mit ricardoshops.ch gehen wir nun einen Schritt weiter und bieten dem professionellen Handel – traditionell sowie online – und sogar Herstellern direkt einen einfachen und attraktiven Online-Vertriebskanal an»

Interessant wird sein, wie das Angebot auch von ausländischen Anbietern angenommen wird, denen Ricardo sämtliche Logistik- und Payment-Prozesse anbietet. Auch sollen keine Bezahlgebühren den Kunden überwälzt werden, wie es in der Medienmitteilung weiter heisst.

Damit geht Ricardo in direkte Konkurrenz in der Schweiz beispielsweise mit Galaxus von Digitec die ebenfalls die Vision von einem Online Shopping Center verfolgen.

Interview mit dem Chef von Ricardoshops.ch

Heinz Krienbühl, Managing Director ricardoshops.ch

Heinz Krienbühl, Managing Director ricardoshops.ch

Heinz Krienbühl, Managing Director von ricardoshops.ch hat uns zum Start ein paar Fragen beantwortet.

Wo unterscheidet sich das neue Angebot nun von Angeboten bei Ricardo oder anderen Konkurrenten wie Galaxus?

ricardo.ch ist ein Online-Marktplatz, ricardoshops.ch ein Online Shopping Center wo es ausschliesslich Neuwaren von Händlern gibt mit einem Single-Checkout.

Wir bringen voneinander unabhängige Händler und deren Angebot aus der Schweiz und dem nahen Ausland in einem einzigen Online Shopping Center zusammen. 

Online-Shops wie Galaxus bauen ihre Produkt-Angebote teilweise selbständig auf, bei uns machen das die Händler.

Welche Synergien nutzt man innerhalb der Ricardo-Gruppe organisatorisch, technisch und wie spürt das der Kunde? 

Ricardoshops profitiert vom bestehenden ricardo.ch Kundendienst Team welche von uns auf unsere neue Plattform und Services weitergebildet werden. So können wir einen sehr professionellen Service anbieten

Zudem nutzen wir die internen Dienstleistungen in Bezug auf online Marketing, IT Operation Services sowie Software Development. So haben wir in den letzten Monaten ein eigenes Software Entwicklungsteam aufgebaut und machen bis auf sehr wenige externe Dienstleister alles selber (in der Schweiz).

Der Kunde hat den Vorteil das er „sein“ ricardo.ch Login auch zum Einkauf bei ricardoshops.ch nutzen kann. Die online Payment Lösung die ebenfalls intern entwickelt und betrieben wird ist in beide Plattformen integriert.

Spielt Ihr Eure Produkte auch in die Ricardo.ch Kategorien?

Die ricardoshops.ch Produkte sind auch im ricardo.ch Listing ersichtlich. Zukünftig sind noch weitere Integrationen geplant. Generell wollen wir dem Kunden der zu uns kommt ein umfassendes Angebot aufzeigen.

Ihr habt auch ausländische Anbieter auf der Plattform – wie ist die Preisparität?

Als Schweizer Premiere gibt es für den Kunden keinen spürbaren Unterschied, ob er im In- oder Ausland kauft. Ein Single-Checkout über verschiedene Sortimente und Händler hinweg ermöglicht dies. Bei Bestellungen bei ausländischen Händlern gibt es also auch keine unerwarteten und nachträglichen Zollkosten.

Der kaum spürbare Unterschied geht bis hin zu Retouren, die bei ausländischen Anbietern über eine Schweizer Adresse abgewickelt werden.

Noch sind wenig grosse Händler auf der neuen Plattform zu finden – ändert sich das?

Aus Kundensicht ist in erster Linie das Angebotssortiment entscheidend, nicht der Brand des Händlers. Auf ricardoshops.ch sind einige Händler mit sehr breitem Angebot vertreten, deren Namen vielleicht nicht so bekannt sind – sie können jedoch ein umfassendes Produkte-Sortiment zur Verfügung stellen mit bekannten und beliebten Produkten.

ricardoshops.ch wird zudem laufend wachsen durch weitere grosse Händler, die stetig hinzugefügt werden.

Kannst Du Angaben zur Höhe der Händler-Abschluss-Kommissionen machen?

Mit der neuen Plattform sind wir in der Lage Kategorien basierte Abschlussgebühren zu verlangen. Wir kennen die Margen der einzelnen Produktekategorien und kennen die Gebühren der Plattformen aus dem Ausland. Wir sehen die Händler als unsere Kunden und bieten faire Gebühren an.

Die ganzen Dienstleistungen die ricardoshops.ch anbietet die den ganzen online Verkauf, Marketing, Payment Abwicklung sowie Kundendienst beinhalten sind umfassend und müssen abgedeckt werden. Wichtig der Hinweis das CH und Händler aus dem Ausland die gleich langen Spiesse haben. Das heisst die gleichen Gebühren zahlen. Es gibt keinerlei Bevorteilung.

Kunden könnten doch direkt bei den bekannten Händlern wie Brack, Digitec oder Zalando einkaufen?

ricardoshops.ch bringt voneinander unabhängige Online-Händler und deren Angebot aus der Schweiz und dem nahen Ausland zusammen. Mittelfristig wollen wir zum grössten One-Stop Online-Shopping-Center mit dem umfassendsten Angebot werden.

In zahlreichen Ländern wie den USA, in verschiedenen Ländern in Europa oder auch in China sind grosse internationale Player bereits etabliert, bei dem Konsumenten alles für den täglichen Bedarf an einem Ort finden.

In der Schweiz liegt noch Potenzial für ein grosses Online Shopping Center. Zudem bietet es etwa Gross-Händlern die Chance, auf einen fertigen E-Commerce-Kanal für den Vertrieb ihrer Produkte zurückzugreifen.

Wie „schweizerisch“ ist Ricardo noch mit den ausländischen Händlern?

Die Einbindung ausländischer Shops ändert nichts an der Schweizer DNA der ricardo-Gruppe, sondern erlaubt es, ein auf die Bedürfnisse des Schweizer Online-Shoppers abgestimmtes Angebot anzubieten. Die gesamte Bestell-Abwicklung passiert in der Schweiz, auch bei Bestellungen bei ausländischen Händlern.

Bei Fragen oder Unstimmigkeiten bietet ricardoshops.ch Kundenservice in der Schweiz an, und bei Rücksendungen erfolgen diese für die Kunden an eine Schweizer Adresse oder können gleich direkt bei Schweizer Kiosk-Stellen abgegeben werden.

Welche Sortimente kommen aus dem Ausland?

In einem ersten Schritt sind es vor allem Sportartikel, Kleider und Wohnaccessoires, die von ausländischen Händlern angeboten werden. Das Angebot wird jedoch laufend erweitert. 

In einem ersten Schritt bieten die Händler OCFM Steger Fashion Group (mit seinem Brand Million X) und Design 3000 auf ricardoshops.ch ihre Produkte an. Es kommen stetig neue grosse Händler hinzu, die das Sortiment auf ricardoshops.ch in den Bereichen Sportartikel, Kleider, Wohnaccessoires und Möbel ergänzen.

Kommen nun die Preise in der Schweiz unter Druck – das Ende der Preisinsel Schweiz?

Es ist eine Realität, dass Schweizer auch im Ausland einkaufen, gerade online. Dies wird in Zukunft tendenziell eher zunehmen. Ausländische Händler bieten teilweise ein grösseres Angebot zu teilweise günstigeren Preisen, Schweizer Händler dafür beispielsweise Nähe zu den Kunden und vielleicht kürzere Lieferzeiten.

Wir bieten Schweizer Händlern gerade die Möglichkeit, ihre spezifisch lokalen Stärken auszuspielen wie Kundennähe, Vertrauen und kurze Lieferzeiten. Diverse Studien zeigen, dass der Preis nicht das einzige Kriterium für den Schweizer Online-Shopper ist: Vertrauen in den Brand, kürzeste Lieferzeiten, Convenience (24/7, rascher Checkout), die Heimlieferoption, breites Sortiment und Verfügbarkeit, einfach zu bedienende Website, etc. sind genauso wichtig.

Wird Ricardo nun zum Logistikplayer mit Import-Services?

Mit ricardoshops GmbH haben wir neu eine deutsche Schwestergesellschaft der ricardo.ch AG, welche mit verschiedenen deutschen Zulieferern zusammenarbeitet. Die ricardoshops GmbH ist für die Kunden der deutsche Vertragspartner und hat somit Rechten & Pflichten wie ein Schweizer Händler.

In erster Linie werden wir zahlreiche weitere Händler an das neue Online Shopping Center anbinden und damit das Angebot umfassend ausbauen. Der zukünftige Aufbau einer eigenen Logistiklösung ist jedoch durchaus denkbar.

Wie ist ricardoshops.ch finanziert und ab wann ist geplant, das man breakeven ist?

Ricardoshops.ch ist eine Investition in die Zukunft. Details zu den Investitionskosten / Umsatzzahlen / Breakeven geben wir nicht bekannt.

Was sind die nächsten Schritte, wie macht Ihr die Plattform bekannt?

Wir stehen noch am Anfang mit der Plattform, aktuell arbeiten wir intensiv daran, das Merchant onboarding zu vereinfachen und entwickeln Tools für gängige online Shopsoftware wie Magento, Oxyd, Shopware, Prestashop, oder Middleware wie Variadostores an. Das wichtigste Ziel ist es das Angebot möglichst schnell zu erweitern. Die Resonanz bei Händlern in CH und auch im Ausland ist sehr gut.

 

Besten Dank für die Antworten – das Interview wurde vorgängig schriftlich geführt.

Fazit

Dass das Sortiment von den Händlern direkt bewirtschaftet wird, hat für den Plattform-Betreiber ökonomische Vorteile. Birgt aber auch die Gefahr, dass der Content nicht stimmt. Wenn auch die Shopping-Plattform in der aktuellen Version einen soliden Eindruck macht, zeigt sie doch noch inhaltliche Schwächen.

So ist Artikel-Zuordnung teilweise mehr als irreführend (Kategorie Macbooks, Laptops und Notebooks) und der Anwender sieht a-priori nicht, was er wohl erwarten wird.

Auch bei der Darstellung von Varianten sind die nicht immer sauberen Herstellerdaten gut erkennbar wie bei den Varianten dieses Schuhs und zu guter Letzt regt auch die kreative Fehlertoleranz der Suche durchaus zum Schmunzeln an: „Adilette – meinten Sie Toilette?“ 😉

 

In Kürze wird uns Ricardoshops.ch am TV begegnen – die aktuellen Kampagnen sind schon mal auf Youtube aufgeschaltet wie auch die nachfolgende Differenzierung zu Ricardo:

YouTube Preview Image

Disclaimer: Heinz Krienbühl war früher bei Carpathia tätig und Carpathia wiederum erfüllte verschiedene Mandate für Ricardoshops.


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Thomas Lang

Jahrgang 1968 - Geschäftsführer und Inhaber der Carpathia AG, der unabhängigen und neutralen Unternehmensberatung für E-Business und E-Commerce. Autor von zahlreichen Fachartikeln und -studien, Dozent für Online-Vertriebsmodelle an verschiedenen Hochschulen sowie gefragter Referent an intl. Konferenzen zum Thema E-Commerce und Digitale Transformation im Handel.

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1 Kommentar

  1. Tamedia: Was der Verkauf von FashionFriends und Stromberg für die Zukunft von Ricardoshops bedeutet | Carpathia: E-Business, E-Commerce, Cross-Channel, Digital-Transformation Blog

    […] Und damit dürften auch die Tage von Ricardoshops gezählt sein, dass sich einerseits als Online-Warenhaus positioniert hat und anderseits bei der Neulancierung gerade für ausländische Händler einen interessanten Marktzugang zur Schweiz ermöglichen wollte (ricardoshops.ch strategisch neu als Online Shopping Center für in- und ausländische Händler posit…). […]

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