Schluss mit Qwell Express: Jetzt kommt Alfies

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Nach Hey Migrolino, avec now und myMigros, steht nun ein weiteres E-Food-Format vor dem Aus: Qwell Express hat vergangene Woche seine Kundinnen und Kunden informiert, dass am kommenden Freitag, 6. Oktober, Schluss ist: «Wenn du deine Bestellung bei valserservice.ch aufgibst, nimmt der Valser Service Fahrer gerne dein Qwell Express Leergut mit», steht in der E-Mail.

Pilotprojekt wieder back to the «source»

Mit dem Hinweis auf den Valser Service belässt es das Unternehmen also wieder ganz beim Standard-Service, dem D2C-Geschäft von Valser, das sage und schreibe schon seit 1961 existiert. Erst im Juni 2022 wurde dieser ausgebaut zum neuen Format Qwell Express (das dann parallel zum Valser Service betrieben wurde) und näherte sich damit dem Geschäftsmodell der branchenbekannten E-Food-Lieferanten Hey Migrolino, avec now oder Stash an.

Das Versprechen von Qwell Express: Immer kostenlose Lieferung (bei CHF 30 Mindestbestellwert), Lieferung innert zwei Stunden und bis 21 Uhr und Preise wie im Supermarkt. Das Leergut wird ausserdem wieder mitgenommen.

Bald offline: Der Express-Lieferservice von Valser Service «Qwell Express» — Quelle:Screenshot www.qwell.ch

Bereits zum Start hat Qwell Express 900 Produkte angeboten, davon vorwiegend Getränke, aber mit Option auf Ausbau des Sortiments wie Geschäftsführer Matthias Broil Anfang Jahres im Interview mit 20minuten sagte: «Obwohl wir zu Coca-Cola gehören, sind wir in der Sortimentsgestaltung komplett frei. Das Angebot wächst stetig.»

Qwell Express wurde als Pilotprojekt der Valser Service AG lanciert, um neue Dienstleistungen zu testen und das D2C-Geschäft in der Schweiz auszubauen und war in der Stadt Zürich wie auch in einigen unmittelbar angrenzenden Gebieten aktiv. Die Logistik war komplett eigenständig, nutzte also nicht diejenige von Valser Service: «Wir machen unsere Logistik selbst mit Elektrofahrzeugen, haben einen Lagerstandort in Schlieren und arbeiten für die Auslieferung bis jetzt nicht mit Partnern zusammen. Aktuell sind wir mit einem schlanken Team aufgestellt, die meisten davon sind Fahrer», sagte Matthias Broil.

Alfies übernimmt ab Februar 2024

Eigene Logistik und spannende D2C-Ausgangslage, klang schonmal vielversprechender als einige andere Quick Commerce Formate. Warum wurde wurde Qwell Express trotzdem nicht mehr weitergeführt? Die Kommunikationsverantwortliche der Mutter-Firma, Coca-Cola Hellenic Bottling Company, äussert sich dazu: «Die wertvollen Erkenntnisse, die wir seit der Einführung gesammelt haben, belegen die Akzeptanz im Schweizer Markt für Dienstleistungen mit einem breiten Produktportfolio wie Qwell Express. […] Aufbauend auf dem erfolgreichen Geschäftsmodell von Alfies aus Österreich, haben wir die Möglichkeit einer Partnerschaft mit Alfies geprüft, in die die Coca-Cola Hellenic Gruppe bereits investiert hat. Nach eingehender Prüfung sind wir zum Schluss gelangt, dass die Konsument*innen in der Schweiz das breitere Angebot von Alfies schätzen werden und deren Businessmodel noch erfolgsversprechender ist

Das österreichische Start-up Alfies soll also Qwell Express ersetzen. Alfies ist seit sieben Jahren in Wien und seit zwei Jahren in Graz tätig. Es bietet ein komplettes Lebensmittelsortiment mit einer Liefergeschwindigkeit von 60 oder 120 Minuten.

Kundinnen und Kunden müssen aber noch knapp vier Monate warten, bis sie bei Alfies einkaufen können. Auf der Website steht zwar noch vage «Bald auch in der Schweiz», nach Rückfrage bei den Gründern heisst es aber, dass Alfies planmässig im Februar 2024 an den Start gehen wird; zunächst im Raum Zürich, nach erfolgreicher Startphase soll die Ausweitung in sämtliche grosse Ballungszentren der Schweiz folgen.

«Bald auch in der Schweiz», verkündet die Website alfies.ch — Quelle: Screenshot alfies.ch

Einzigartige Logistik: Reicht das für die Schweiz?

Die drei Gründer und Mehrheitsaktionäre Thomas Ecker, Gerald Michl und Gunther Michl, schmieden grosse Pläne für einen Markt, in dem bis jetzt noch kein E-Food-Anbieter so richtig den Königsweg gefunden hat, geschweige denn im Quick-Commerce.

Selbstbewusst dürfen sie aber durchaus sein, zumal sie zumindest in Österreich seit Gründung 2015 die längste Zeit profitabel waren, wie sie gegenüber dem Forbes-Magazin Österreich sagten. Ob dies am einzigartigen Logistiksystem liegt, das die beiden selbst entwickelt haben und es ihnen nach eigener Aussage ermöglicht, grössere Warenkörbe schnell, effizient und verlässlich innert 60 bzw. 120 Minuten oder zur Wunschzeit im 1h-Zeitfenster zu liefern?

Jedenfalls scheinen sie diese Königsdisziplin des E-Food-Geschäfts im Griff zu haben und verzichten daher auf das Logistiksystem von Qwell Express, sondern bringen gleich ihr eigenes mit. Weitere USPs seien zudem ein sorgfältig ausgewähltes Vollsortiment (auch regionale Spezialitäten, die in herkömmlichen Supermärkten nicht erhältlich sind), exzellenter Service und kompetitive Preise.

Ob das reicht, um auch im Land der hohen Ladendichte und Löhne erfolgreich zu sein? Wir sind gespannt.



1 KOMMENTAR

  1. Habe als Kunde keine Information bekommen wegen dem Ende des Services (auch nicht als Spam-eMail)… 1-2 Wochen vor der Abschaltung eine Info zu geben, scheint mir aber allgemein eine kurze Spanne. Leergut wird nicht mehr abgeholt, wobei dies der ValserSerice macht… ob auch das Depot wieder ausgegeben wird, weiss ich noch nicht.
    Irgendwie ist das etwas seltsam, vor allem auch im Hinblick auf die kommende Finanzekrise.
    Laut eCommerceDB scheint Qwell auch nicht wirklich den Umsatz nach 2020 steigern können.

    Die 2h Lieferzeit waren für mich als Neukunden vor ein paar Wochen auch nicht mehr vorhanden… aber sonst hat der Service auf mich einen guten Eindruck gemacht (im Kontrast zu z.B. AldiNow)… somit Schade… aber bin gespannt auf Alfies 😉

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