Der Bundesverband Versandhandel BVH – die Vereinigung der deutschen Versandhändler – hat diese Woche seine Prognosen für das Jahr 2011 vorgestellt. Dabei musste er seine Schätzung, dass der Distanzhandel im aktuellen Jahr von EUR 30.3 Mrd. auf EUR 31.9 Mrd. anwächst, revidieren und um eine halbe Milliarde erhöhen.
Laut den neusten Hochrechnungen soll der gesamte Distanzhandel 2011 auf satte EUR 32.4 Mrd. anwachsen. Alleine der Anteil an Onlinetransaktionen soll dabei die magische Grenze von EUR 20 Mrd. knacken und gegenüber dem Vorjahr um 17% zulegen.
„Der Online-Handel mit Waren legt um rund 17 Prozent auf 21,48 Mrd. Euro (2010: 18,3 Mrd. Euro) zu. Damit wird der E-Commerce laut den aktuellen Prognosen auch erstmals die 20 Milliarden Euro Umsatz-Grenze durchbrechen. Der Anteil am gesamten Versandhandel liegt dann bei rund 66 Prozent und steigt damit um 6 Prozentpunkte zum Jahr 2010.“
Deutschland erwartet demnach in diesem Jahr, dass zwei Drittel aller Distanzhandelsgeschäfte online stattfinden. Laut den aktuellen Zahlen aus der Schweiz, jeweils im Frühjahr erhoben von VSV/GfK, beträgt dieser Anteil in der Schweiz 52% über alle Segmente hinweg. Werden auch die C2C-Umsätze (Auktionen, Marktplätze) sowie die Importe aus dem Ausland hinzugezogen, wird ein Onlineanteil von 75% ausgewiesen, da diese beiden Bereiche fast ausschliesslich online stattfinden.
Wie bereits zu Jahresbeginn haben die Kollegen von Exciting Commerce die BVH Zahlen nach den unterschiedlichen Versand- und Onlinekonzepten analysiert und ein konservatives wie auch ein progressives – wohl auch realistischeres – Szenario entwickelt.
Ähnliche Aussagen haben durchaus auch für die Schweiz Gültigkeit; der Versandhandel im B2C Bereich beläuft sich gem. VSV/GfK 2010 auf CHF 5.1 Mrd. Werden auch Services wie Tickets, Flugreisen und mehr hinzugezogen, dann geben Herr und Frau Schweizer online gar CHF 8.68 Mrd. aus gem. der Studie der HSG.
Je nach Rechenart sind dies jedoch weniger als 5% des gesamten Schweizer Detailhandels, die online umgesetzt werden. Eine Verdoppelung bis Vervielfachung dieses Anteils bis 2015 / 2020 dürfte durchaus realistisch sein. Denn nicht nur das bisherige Wachstum kann anhalten, sondern neben Effizienzsteigerungen werden vor allem neue Märkte für Dynamik sorgen.
Derzeit ist der Fashion-Markt stark in Bewegung, neue Märkte sind sich am Entwickeln wie der Möbelmarkt, Nischenmärkte werden schnell an Dominanz gewinnen sowie neu Geschäftsfelder sich erstmalig dem E-Commerce öffnen, beispielsweise der immer noch zu stark regulierte Markt für Neuwagen.
Bestehende Player sind gefordert; je nach Marktsegment müssen sie sich im Wettbewerb stärker behaupten, neue Geschäftsfelder entwickeln – aber vor allem sind auch bereits heute Strategie und Operations darauf auszurichten, dass sich die Volumen kurz- bis mittelfristig verdoppeln oder vervielfachen. Einige scheinen hier durchaus schon mit entsprechenden Vorbereitungen beschäftigt zu sein.
[…] BVH – publizierte heute die effektiven Marktzahlen für das vergangene Jahr 2011. Nachdem er Mitte Juni 2011 seine Prognose bereits deutlich nach oben revidieren musste, zeigt der Jahresabschluss ein noch erfreulicheres […]